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180 Rosen ins Bordell

Anlässlich des Internationalen Frauentages haben die AIDS-Hilfe Trier und das Gesundheitsamt Trier-Saarburg bereits zum 3. Mal die Aktion "Rosen ins Bordell" durchgeführt. Sie sprachen mit den Prostituierten in den Clubs, Wohnungen und Bars über Gesundheitsschutz, ihre Arbeitssituation und das neue Prostituiertenschutzgesetz.
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Tanja Zerfaß (links) und Katja Sauer haben auch in diesem Jahr wieder Rosen ins Bordell gebracht. Foto: FF

Tanja Zerfaß (links) und Katja Sauer haben auch in diesem Jahr wieder Rosen ins Bordell gebracht. Foto: FF

Bereits seit 2015 führen Tanja Zerfaß, Sozialarbeiterin am Gesundheitsamt Trier-Saarburg und ihre Kollegin Katja Sauer von der AIDS-Hilfe Trier die Aufklärungsaktion in den Trierer Prostitutionsstätten zum Internationalen Frauentag durch. Die Rose soll als Zeichen der Wertschätzung und Anerkennung einen Beitrag zur Entstigmatisierung der Prostituierten setzen. Nach wie vor gelten Sexarbeiter als eine der in der Gesellschaft am stärksten diskriminierten und stigmatisierten Gruppen.

Angst vor Sanktionen

Mittlerweile werden die Streetworkerinnen bereits am 8. März von den Sexarbeiterinnen erwartet und nehmen freudig die Rose und die Präventionsmaterialien entgegen. Während der Aktion entstehen überall Gespräche über die veränderten Arbeitsbedingungen, vor allem durch das neue Prostituiertenschutzgesetz und die damit verbundenen Auflagen. Die Sexarbeiter müssen seit 1. Juli 2017 wiederkehrend an einer verpflichtenden Gesundheitsberatung teilnehmen und sich anschließend namentlich bei der Ordnungsbehörde als Prostituierte anmelden. "Viele Frauen sind mit dem neuen Gesetz überfordert", so Tanja Zerfaß, "sie befürchten durch die Zwangsregistrierung vor allem  Sanktionen in den Heimatländern, in denen vielfach Prostitution verboten ist." Das Anmeldeverfahren bereitet vielen Frauen Sorge, da sie nicht wissen, wie mit ihren persönlichen Daten umgegangen wird oder welche Folgen eine Anmeldung für ihre persönliche Lebenssituation hat. Die Sexarbeiter fürchten den Verlust ihrer Anonymität und Sanktionen.

Das Gesundheitsamt Trier-Saarburg führt seit November 2017 die kostenpflichtigen verpflichtenden Beratungsgespräche durch und informiert die Sexarbeiter über sexuell übertragbare Infektionen (STI), Verhütungsmittel und allgemeine gesundheitliche Fragen. Durch die aufsuchende und freiwillige Soziale Arbeit der vergangenen Jahre konnte die Sozialarbeiterin einen guten Kontakt zu den Sexarbeiterinnen aufnehmen, so dass sie bei Bedarf einen Ansprechpartner bzw. Hilfsmöglichkeiten kennen und die Möglichkeit der freiwilligen Untersuchung und Beratung auch nutzen können.

Durch Rose Wertschätzung ausdrücken

Tanja Zerfaß und ihre Kollegin Katja Sauer von der Trierer AIDS-Hilfe hätten selbst nicht mit dem großen Erfolg ihrer Aufklärungsaktion gerechnet. Die Idee, nicht nur Informationen und Kondome an die Prostituierten abzugeben, sondern die Frauen zugleich mit einer Rose zu überraschen, kam den beiden Fachfrauen erstmals 2015. Seitdem gehen die beiden jedes Jahr rund um den Internationalen Frauentag in die Trierer Bordelle, Laufhäuser und zum Straßenstrich und verteilen dort ihre gern gesehenen Präsente. "Es ist wichtig, dass die Sexarbeiterinnen merken, dass sie nicht das letzte Segment der Gesellschaft sind und dass auch ihre Gesundheit, ihr Wohlergehen schützenswert und wichtig sind", so Sauer.

Neue Website

Der gestiegene Bekanntheitsgrad der aufsuchenden Arbeit ist auch auf die neue Website zurückzuführen. Das für mobile Endgeräte optimierte Informationsportal für Trierer Prostituierte zu Fragen um Gesundheit, Verhütung, rechtliche Aspekte und Anlaufstellen im Notfall wurde 2016 von AIDS-Hilfe und Gesundheitsamt an den Start gebracht  und verzeichnet seitdem bis zu 80 Seitenaufrufen pro Tag. Das Besondere: Die Inhalte wurden gemeinsam mit Prostituierten und Clubbetreibern erarbeitet und sind außer in Deutsch auch in Englisch, Russisch, Bulgarisch, Rumänisch und Spanisch abrufbar und audiovisuell aufbereitet.

Für Katja Sauer und Tanja Zerfaß steht schon jetzt außer Frage: "Rosen ins Bordell" soll auch 2019 seine Fortsetzung finden. Und dank der verschiedenen Trierer Blumenläden, die die Aktion seit dem ersten Jahr durch ihre Blumenspenden unterstützen, stehen die Chancen dafür nicht schlecht. RED