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40 Jahre Friedensarbeit in Trier

Die Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF) Trier feiert ihr 40-jähriges Jubiläum. Am 12. März 1979 wurde der Verein rund um die Friedensarbeit gegründet.
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Das Team der AG Frieden Trier mit Markus Pflüge (links) und Thomas Zuche (rechts). Foto: Hansen

Das Team der AG Frieden Trier mit Markus Pflüge (links) und Thomas Zuche (rechts). Foto: Hansen

Was ist die AGF?

Die AGF ist ein überkonfessioneller, parteipolitisch unabhängiger und gemeinnütziger Verein, der sich für die Verwirklichung von Frieden, Gerechtigkeit und die Wahrung der Menschenrechte einsetzt. Das tut sie in der festen Überzeugung, dass nur durch Gewaltfreiheit diese Ziele dauerhaft erreicht werden können. Nicht schweigen, sondern handeln gegen Hass und Gewalt, Ausbeutung und Aufrüstung und sich für Frieden engagieren - das hat sich die AGF zur Aufgabe gemacht. 40 Aktive und 260 Mitglieder sowie zwei Hauptamtliche tragen diese Friedensarbeit seit inzwischen 40 Jahren vor Ort in Trier.

Was macht die AGF?

Die AGF setzt sich für Prävention und zivile Konfliktbearbeitung, für weltweite soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte ein und handelt gegen Ausgrenzung und Diskriminierung von Flüchtlingen, Rechtsextremismus und Rassismus. Die AGF sorgt für Gewaltprävention und Zivilcourage im Alltag. Um ihre Ziele zu verwirklichen arbeitet die AGF zusammen mit Arbeitskreisen sowie organisationsübergreifenden Bündnissen wie Flüchtlingsforum und "Für ein buntes Trier, gemeinsam gegen Rechts". Die AGF sitzt mit vielen anderen Friedens- und Umweltgruppen wie Amnesty International, Anti-Atom-Netz, Greenpeace und dem Naturschutzbund zusammen im Haus, woraus sich Synergieeffekte bilden und die Zusammenarbeit somit erleichtert. Die Friedensarbeit zeichnet sich gegenwärtig vor allem durch folgenden Arbeitskreise (AK)aus: AK Asyl, AK Trier in der NS-Zeit, AK Weltliteratur und AK Eine Welt mit Weltladen. Dazu werden immer wieder Informations- und Diskussionsveranstaltungen, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit gegenüber Bevölkerung, Politik und Entscheidungsträgern sowie Demonstrationen und Protestaktionen durchgeführt. Zu aktuellen Ereignissen und Themen können neue Projektgruppen gebildet werden.

Gründungsgeschichte der AGF

Die AGF wurde am 12. März 1979 gegründet, die Idee ist allerdings schon ein paar Jahre vorher entstanden und stammte von Klaus Jensen, ehemaliger Oberbürgermeister von Trier und erster Sprecher der AGF. Klaus Jensen kam gegen Ende der 70-er Jahre nach Trier und brachte eine Idee aus Holland mit: Die Friedenswochen. Das Thema Frieden sollte auch in Trier auf allen Ebenen thematisiert werden. Mit Hilfe des Dreischritts "Informieren - Betroffenheit wecken - Handlungsperspektiven aufzeigen" sollte dieses Ziel erreicht werden. Im Herbst 1978 konnten dann erstmals die Friedenwochen in Trier stattfinden. Die Friedenswoche bestand aus 23 Veranstaltungen, Kernstück der gesamten Veranstaltung war die Ausstellung "Es ist schön ein Soldat zu sein". 6500 Besucher waren Grund genug für die Veranstalter zu sagen "Wir machen weiter, wir bleiben zusammen und wir gründen einen Verein." Als der Verein ging die AGF erstmals mit der Veranstaltung "Nie wieder Hiroshima" an die Öffentlichkeit. Im Sommer 1979 war ein Überlebender des Atomunglücks in Japan der erste Gast der AGF. Damals gab es folgende Arbeitskreise: Abrüstung, Friedenspolitik, Friedenserziehung und dritte Welt. "Wir haben damals wirklich einen Nerv getroffen, weil sehr sehr viele Menschen haben sich uns angeschlossen, der Verein wurde schnell ziemlich groß", so Thomas Zuche, Mitbegründer der AGF und heute im AK Trier im Nationalsozialismus aktiv. 1981 wurde daraufhin ein "Dritte-Welt-Laden" in der Jüdemerstraße eröffnet. 1982 folgte das Friedenszentrum in der Palaststraße. Zuche spricht von dieser Zeit als "Highlight-Phase der ersten Jahre". Monatlich brachte die AGF ein Programm heraus mit Filmen und Veranstaltungen. Der AGF war es wichtig eine hauptamtliche Struktur zu haben und somit war Klaus Jensen der erste von insgesamt bisher vier Friedensarbeitern.

Höhepunkte der AGF in den Anfangsjahren

  • Am 10. Oktober 1981 gab es in Bonn eine Großdemonstration gegen die Nachrüstung in Ost West, wo die AGF mit zehn 50er Bussen hinfuhr.
  • 1984/85 gab es ein Austauschprogramm mit einem israelischen-arabischen Friedenszentrum in der Nähe von Haifa.
  • Im Mai 1985 fand der erste öffentliche Rundgang zu Städten des Widerstands und der Verfolgung in Trier statt.
  • 1988 wurde die Städtepartnerschaft Trier-Weimar gegründet, die der AGF aufgrund der gegenseitigen Treffen in den Städten eine Stasi-Akte einbrachte. Ebenfalls im Jahr 1988 wurde der Förderverein Gedenkstätte Hinzert gegründet.
  • 1993 fand ein Mahngang am 9. November, Jahrestag der Reichspogromnacht, mit 6000 Teilnehmern statt.
  • Alle vergangenen und kommenden Veranstaltungen stehen bei der AGF unter dem Motto "Frieden ist mehr als kein Krieg, sondern findet in vielen Bereichen statt".
  • Thomas Zuche bezeichnet als eine Stärke der AGF "globale Themen lokal anpacken, sodass die Menschen lokale Bezüge zu globalen Themen herstellen können".

Das Herzstück der AGF: Der Weltladen

Markus Pflüger, aktueller hauptamtlicher Referent der AGF, bezeichnet den Weltladen als "das erste große sichtbare Projekt der AGF" und als "Schaufenster der AGF". Die Öffentlichkeit ist direkt im Haus. Der Weltladen ist ein Fairhandel-Laden und es werden vor allem Produkte von kleineren Produzenten, die unabhängig von den großen Labels sind, verkauft. Fairer Handel garantiert den Erzeugern angemessene Preise, gerechte Arbeitsbedingungen und eine langfristige, verlässliche Abnahme ihrer Produkte "Es gibt eigene kleine Projekte, wie der selbsthergestellte Apfel-Mango-Saft, wobei die Mango für den fairen Handel steht und der Apfel für Trier", erzählt Margot Liebel, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der AGF absolviert. Der Weltladen bietet Projekte für Schulen und verschiedene Workshops an. Der Weltladen wird ehrenamtlich geführt, aktuell sind es 20 aktive Mitglieder, die in der Woche eine Zwei-Stunden-Schicht übernehmen. Der AGF ist es wichtig, dass zu den Produkten eine Verbindung geschafft werden kann und man erfährt, was hinter den Projekten steht.

Die wichtigsten, aktuellen Projekte im Überblick

  • Zivilcourage-Trainings: Aktuell startet die sechste Ausbildungsrunde, die von einer Professorin aus Göttingen geleitet wird. Die Idee dahinter, dass in Rheinland-Pfalz flächendeckend Zivilcourage-Trainer zur Verfügung stehen, wenn zum Beispiel Schulen anfragen.
  • Bildungsangebote: Es werden Rundgänge gegen das Vergessen angeboten, Trier im Nationalsozialismus wird thematisiert, verschiedene Workshops, Weltladenführungen und das "Asylspiel ums Leben". Bei diesem Spiel übernehmen die Teilnehmer die Rolle eines Geflüchteten nach der Ankunft in Deutschland. Durch die Rollenübernahme werden sie sensibilisiert, es entstehen Fragen und Diskussionen.
  • Grenzüberschreitende und Friedens- Solidaritätsprojekt, welches erst im Dezember gegründet wurde. Dabei geht es um Kooperationen mit anderen Ländern, wie Frankreich oder Luxemburg, die gemeinsame Themen wie die Kündigung des INF thematisieren. Das Friedensnetzwerk organisiert die Friedensradtour, die am 22. April in Trier halt macht.
  • Verschiedene Proteste: Der Ostermarsch in Büschel mit dem Thema "Atomwaffenabrüsten statt aufrüsten" findet am 22. April statt.
  • Verschiedene Vorträge zu wichtigen Themen: 28. März "Die Kurden: ein Volk zwischen Unterdrückung und Rebellion", April "Klimagerechtigkeit und Frieden".

Ein Teil der AGF werden

Die AGF ist ein unabhängiger Verein und finanziert sich weitgehend durch Spenden und Mitgliedsbeiträge sowie durch Projektzuschüsse. Die AGF freut sich über alle, die ihre Arbeit unterstützen wollen, sei es durch Spenden, als Mitglied oder durch Mitarbeit im Weltladen der AGF oder in einem Arbeitskreis.

Jubiläum: 40 Jahre Friedensarbeit

In 40 Jahren Friedensarbeit sah sich die AGF auch mit Anfeindungen der rechten Seite sowie anonymen Anrufen, Schriften am Haus oder Störungen bei Führungen konfrontiert. Doch der Verein ist an solchen Vorfällen nur gewachsen und freut sich über die Zustimmung vieler Bürger. Die Erfahrung zeigt, dass gerade die Stärke der AGF, globale Themen lokal anpacken, gut bei den Menschen ankommt. "Die Menschen brauchen Bezüge, damit es für sie greifbarer ist", so Markus Pflüge. Sei es das Thema Nationalsozialismus, wo die Betroffenheit durch Standorte in Trier geweckt wird, das aktuelle Thema Flucht und Asyl oder der Weltladen, wo die weltweite Ungerechtigkeit aufgezeigt wird. Markus Pflüge ist der Meinung: "Uns ist es gut gelungen, sonst gäbe es uns keine 40 Jahre!" Anlässlich des Jubiläums veranstaltet die AGF am Samstag, 16. März, ein Hausfest ab 19 Uhr im Weltladen, Pfützenstraße 1, und am Freitag, 29. März, 17 Uhr, einen Rundgang im Haus Fetzenreich, wo die wichtigsten Stationen der AGF dem Bürger gezeigt werden.Weitere Infos zum Verein gibt es hier. IH


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