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Auch Biber lieben Obstbäume

30 bis 50 Tiere leben im Hochwald

Trier. Aktivitäten von Bibern sorgen nicht nur für Freude. Denn für Schäden, die sie verursachen, gibt es keine Ausgleichszahlungen.

Die hinterlassenen Spuren sind eindeutig. An einem Apfelbaum in der Nähe des Grimburger Hofs hat es sich ein Biber schmecken lassen. Er nagte nicht nur die Rinde des Stamms ab, sondern bis auf etwa einen Meter Höhe auch einen beachtlichen Teil des Holzes. Dass der nah am Ufer im Wadrilltal stehende alte Baum das überleben wird, scheint eher unwahrscheinlich.

Biber halten keinen Winterschlaf

Der Stamm sei so stark beschädigt, dass der Apfelbaum wohl eingehen werde, bedauert ein Naturfreund aus Gusenburg, der ungenannt bleiben möchte. Denn er sei nicht gegen, sondern für den Biber, versichert er. Aber es könne doch auch nicht sein, dass die Tiere Bäume kaputt machten, deren Obst Menschen ernten oder Waldtiere hätten fressen können. Johannes Heckel, Biberbetreuer des Kreises Trier-Saarburg, sieht das allerdings anders. Biber hielten ja keinen Winterschlaf und müssten sich daher das ganze Jahr über ernähren. Im Sommer gebe es reichlich Futter für sie, nennt er Gräser, Stauden, Wasserpflanzen und Blätter. Doch in der kalten Jahreszeit müssten sie Engpässe überbrücken und lebten dann von Baumrinde und Zweigen wie von Weide, Pappel oder Haselnuss: "Und Obstbäume lieben sie ganz besonders."

Für Biberschäden gibt es keine Entschädigung

Um eigene Bäume vor dem Biber zu schützen, empfiehlt er, etwa anderthalb Meter hohe Drahtmanschetten anzubringen. Mit finanziellen Entschädigungen ist laut Heckel nämlich nicht zu rechnen. Zwar gibt es Ausgleichszahlungen wie etwa für von Luchsen gerissene Lämmer. Doch Luchse wurden auch gezielt ausgesetzt. Eine weitere Anlaufstelle für Probleme ist das rheinland-pfälzische Biberzentrum. Zuständig für das Kreisgebiet ist dort Stefanie Venske. Sie hilft bei unterschiedlichsten Fragen von Kommunen wie von Bürgern weiter. So etwa, wenn Straßen oder auch Wanderwege überschwemmt werden, weil ein Biber eifrig Dämme baut. In solchen Fällen kann das Bauwerk notfalls gesprengt werden. Doch eine solche Entscheidung muss immer die Obere Naturschutzbehörde treffen. In den jüngsten Monaten beschäftigen zudem Gewitter und Starkregen. Biberbetreuer wie Heckel schauen sich danach ebenso vor Ort um wie nach Hinweisen aus der Bevölkerung, dass irgendwo etwas nicht in Ordnung ist. Grundsätzlich seien Biber aber nützliche Tiere, betont Venske.

Kläranlagen-Becken ziehen Biber an

Absolut unerwünscht ist das selbstverständlich im Bereich von Kläranlagen, deren nicht zufrierende Becken Biber anziehen. Doch das Team um Andreas Schmitt, Werkleiter der Verbandsgemeinde Hermeskeil, kommt inzwischen gut zurecht mit den Tieren. Der in der Nähe der Kläranlage Grimburg lebende Biber ist für Schmitt "quasi unser Haustier". Dessen erste Bauaktivitäten bereiteten aber anfangs, vor etwa zehn Jahren, Sorgen.

Aktuelle Zahlen

Aktuell leben etwa 180 Biber in Rheinland-Pfalz, wo die einst in ganz Europa heimischen Tiere seit 1840 als praktisch ausgerottet galten. In Bayern sollen inzwischen sogar wieder 17.000 Biber leben. Die "Landschaftsgestalter" sind vor Ort grundsätzlich willkommen. Denn sie halten Bachtäler offen und schaffen Lebensräume auch für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Wo Biber Dämme bauen und Feuchtbiotope schaffen, fühlen sich Amphibien, Libellen oder auch Fische wohl. Die Biberpopulation im Hochwald wird auf 30 bis 50 Tiere geschätzt. Sie leben in Biberrevieren wie bei Reinsfeld, Grimburg/Gusenburg, Kell/Niederkell, Hermeskeil, Züsch und Lorscheid. Biber werden bis zu 35 Kilo schwer und bis zu etwa einen Meter groß – die circa 40 Zentimeter lange Kelle, ihr platter Schuppenschwanz, nicht eingerechnet. Bei Fragen hilft das Biberzentrum in Fischbach bei Dahn. Kontakt: Naturerlebniszentrum Wappenschmiede, info@wappenschmiede.de, Telefon 06393/993406.

URS

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