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Auf Spuren von NS-Tätern in Trier

Am 16. Oktober 1941 wurden die ersten jüdischen Bürger der Stadt Trier "in den Osten" verschleppt. Am Jahrestag beleuchtete die Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF) jetzt eine Reihe von Personen, die direkt oder indirekt eine Rolle im Trierer Nationalsozialismus gespielt haben.
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Ulrike Winkler (links) und Thomas Zuche kämpfen mit ihrem Vortrag gegen das Vergessen. Foto: Urban

Ulrike Winkler (links) und Thomas Zuche kämpfen mit ihrem Vortrag gegen das Vergessen. Foto: Urban

Einer dieser Täter ist Hans Globke. Unter seiner Federführung entstanden 1932 eine Verordnung und ein Runderlass zum Namensrecht. Juden sollte es damit unmöglich gemacht werden, ihren Familiennamen ablegen zu können. Nach dem Krieg war seine Karriere jedoch nicht beendet. Er bewarb sich für den Posten des Trierer Oberbürgermeisters. Nur durch den Widerstand der SPD scheiterte Globkes Vorhaben. Durch ihn wird deutlich, dass es Personen trotz ihrer Taten auch nach dem Krieg durchaus gelingen konnte, eine politische Karriere zu realisieren. Ähnliches schaffte auch Klaus Barbie. Er lebte einige Zeit im Bischöflichen Konvikt in der Windstraße. 1942 wurde er Gestapo-Chef in Lyon und war bekannt für seine Folterungen. Ihm gelang nach dem Zweiten Weltkrieg die Flucht nach Bolivien, wo er Berater der bolivianischen Militärdiktatoren wurde. Reue für seine Taten zeigte er nie.

Vom NSDAP-Mitgleid zum Kriegsgegner

Anders war das bei Paul Wipper, der den Zuhörern beim Gang zum Jakobsspitälchen vorgestellt wurde. Wipper trat bereits 1928 in die NSDAP ein. Fünf Jahre später wurde er Kreisleiter für den Bereich Trier-Land. Im Krieg wurde er festgenommen und nutzte die Haftzeit zum Nachdenken. Er kehrte nach Trier zurück und wurde Mitglied der "Internationale der Kriegsgegner" und 1979 Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Frieden.

Taten sollen nicht in Vergessenheit geraten

Zwar bietet der Rundgang nicht genug Zeit, um alle Personen vorzustellen, zeigt aber anschaulich, wie unterschiedlich sie sich zur Zeit des Nationalismus engagiert haben und wie sie nach Kriegsende weiterlebten. Durch die Arbeit der AGF soll verhindert werden, dass die Taten dieser Menschen in Vergessenheit geraten. Die AGF bietet daher verschiedene Rundgänge zum Thema an. Wer sich selbst auf Spurensuche begeben möchte, kann sich unter stattfuehrer.de informieren.

Reihe "Trier im Nationalsozialismus"

Vorträge, Erkundungen und Diskussionen bietet die Veranstaltungsreihe "Trier im Nationalsozialismus" der AG Frieden  in Kooperation mit dem Forschungsprojekt zur Geschichte der Gestapo Trier im Fach Geschichte der Universität Trier. Noch bis Ende Januar stehen Täter und Opfer der NS-Zeit in Trier und Umgebung im Mittelpunkt. Besucht werden Stätten der Verfolgung und des Widerstandes. Für Schüler, Auszubildende und Studierende ist der Kostenbeitrag (120 Euro) frei. Weitere Infos gibt es hier.JU