Bauern im Klammergriff der Dürre

Trier. Die Trockenheit lässt Bauern nicht aus der Umklammerung. Nahezu alle landwirtschaftlichen Kulturen leiden unter der enormen Trockenheit, stellt der Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Manfred Zelder fest.

Beim Erntegespräch 2019 in der Raiffeisen-Waren-Zentrale in Andernach gab der Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Manfred Zelder, eine düstere Prognose ab. Die Dürre führe im Getreidebau zu teilweise schwerwiegenden Qualitätseinbußen und die tierhaltenden Betriebe sorgten sich sehr darüber, ob ausreichend Futter geerntet werden wird. Trotz akzeptabler Niederschlagsmengen im vergangenen Winter, waren der April, Juni und Juli viel zu trocken. Alleine im Juni hat die Niederschlagsmenge mit durchschnittlich 35 Litern pro Quadratmeter in Rheinland-Pfalz noch nicht einmal die Hälfte der Niederschlagsmengen im langjährigen Mittel erreicht. Das habe viele Kulturen gerade in der Reifungsphase schwer getroffen, so Zelder. Erschwerend kamen die um 60 Prozent über dem langjährigen Mittel liegenden Sonnenscheinstunden hinzu.

Niedriger Eiweißgehalt

Nur die Wintergerste, die als erstes Getreide geerntet wurde, habe in der Reifephase vom Mairegen profitieren können. "Das fünfjährige Ertragsmittel in Höhe von 6,8 Tonnen pro Hektar wurde insgesamt erreicht", so Zelder. Kritisch sieht er die Erzeugerpreise, die etwa fünf Prozent unter dem Vorjahr liegen würden. Sorgen bereitet dem Vizepräsidenten die Situation bei der Braugerste. Der Winterweizen sei ebenfalls durch die Dürre stark beeinträchtigt worden. Die besondere Ernteermittlung des Statistischen Landesamtes in Bad Ems habe eine durchschnittliche Erntemenge von 6,9 Tonnen pro Hektar, also 0,3 Tonnen unter dem fünfjährigen Mittel, festgestellt. Auch die niedrigen Eiweißgehalte könnten wirtschaftliche Probleme verursachen. Dies liege allerdings weniger an den Backeigenschaften, als vielmehr an den Forderungen der Abnehmer, also den Mühlenbetrieben. Zelder fordert von ihnen, sich den widrigen Witterungsverhältnissen anzupassen und flexibel auf die Situation zu reagieren.

Noternten drohen

Die Witterung habe im laufenden Wirtschaftsjahr den Raps ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen, betont der Vertreter der Bauern: "Mit einer Fläche von 37.000 Hektar ist in diesem Jahr die Rapsfläche geradezu eingebrochen. Die Anbaufläche nahm um 8.000 Hektar ab." Mit großer Sorge sieht Zelder der Futterversorgung entgegen. Der Mais entwickle sich augenblicklich in vielen Gebieten in Rheinland-Pfalz außerordentlich schlecht. Wachstumshemmungen und eine verminderte Ausbildung der Kolben seien die Folge.

Noternten nicht auszuschließen

Bleibe es auch bis Mitte August noch trocken, seien erste Noternten nicht mehr auszuschließen. Was die Wiesen-Grünschnitte betrifft, seien die ersten beiden im Frühjahr erfreulich bis durchwachsen gewesen. Auf den wichtigen dritten Schnitt würden die Bauern großteils bis zum heutigen Tag warten. Den Betrieben würden mittlerweile 25 bis 30 Prozent des Gesamtertrages fehlen. Daher begrüßte Zelder die Maßnahmen des Bundes und des Landes, begrünte Brachen auf ökologischen Vorrangflächen nutzen zu dürfen. Weiterhin forderte er die Politik auf, auch die Aussaat und die Ernte von Zwischenfrüchten auf ökologischen Vorrangflächen wieder zu ermöglichen. Bei entsprechendem Regen könne die Nutzung von Zwischenfrüchten zur Entschärfung der Futtersituation beitragen. Frank Mölter, der mit seinem Vater und Onkel in Sellerich einen Grünland- und Milchviehbetrieb mit 400 Kühen betreibt, erlebt die Auswirkungen der Trockenheit. Wie hoch die Einbußen sein werden, kann er noch nicht abschätzen.

Bauern müssen verkaufen

Dass es sie geben wird, ist sicher. Bislang seien nur zwei Grünschnitte möglich gewesen und seit Ende Juni auf dem Grünland nichts mehr gewachsen. Auch auf den 25 Prozent Ackeranteil, auf denen die Landwirte ausschließlich Mais angebaut haben, sieht es nicht gut aus. "Beim Mais erwarten wir bis zu 40 Prozent weniger Ertrag als im Durchschnitt der letzten Jahre", so Mölter. "Wenn wir im Herbst keinen weiteren Grünschnitt machen können, müssen wir zehn bis 15 Prozent unseres Viehs verkaufen oder große Mengen Futter hinzukaufen, was wirtschaftlich eine Nullrunde bedeuten würde."

RED/BIL

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