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Bleibt die neue Eishalle nur ein Traum?

Vor zehn Jahren wurde der Betrieb der alten Trierer Eishalle in der Diedenhofener Straße endgültig eingestellt. Seit 2014 engagiert sich der Förderverein "Eishalle Region Trier" um die Wiederbelebung des Eissportes in der Region.
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Man kann dem Förderverein nicht vorwerfen, zu wenig für seine Sache zu brennen. Seit mehr als vier Jahren setzen sich die Eissportenthusiasten für den Neubau der Eissporthalle ein. Und Einiges ist bereits erreicht worden: Die Reservierung des alten Eishallengeländes in der Diedenhofener Straße ist wohl nur noch Formsache, das Vorkaufsrecht wäre dem Verein damit für zwei Jahre sicher. Selbst durch Crowdfunding finanzierte Architektenpläne existieren bereits. Dennoch steht die Wiederbelebung des Eissportes in Trier auf rutschigen Füßen, denn (fast) alles steht und fällt mit der Finanzierung des zunächst mit acht Millionen Euro veranschlagten Projektes.

Kein Geld aus der Stadtkasse

Denn schon jetzt ist klar: Aus öffentlicher Hand ist keine finanzielle Unterstützung zu erwarten. Die Stadt Trier als Betreiber der alten Eishalle befindet sich seit 2012 im sogenannten Kommunalen Entschuldungsfonds (KEF), für dessen Beitritt das Land kommunale Einsparungen verlangte und die Stadt daher den Rotstift unter anderem bei der maroden und stark defizitär arbeitenden Sportstätte ansetzte. Für das Geschäftsjahr 2007 weist die Stadtkämmerei nach Auskunft des Presseamts einen Verlust von stolzen 222.000 Euro aus. Kein gutes Argument für öffentliche Investitionen und gleichzeitig schwere Hypothek für einen Neustart.

Konzept muss stimmen

Die Mitgliederzahl des Vereins "Eishalle Region Trier" bewegt sich nach WochenSpiegel-Informationen im mittleren zweistellingen Bereich. Die Einnahmen aus den monatlichen Mitgliedsbeiträgen sind erwartungsgemäß gering, sodass die bereits angefallenen Architektenaufwendungen von 12.000 Euro erst durch ein Crowdfunding-Projekt gestemmt werden konnten. Gesetzt dem Fall, eine Bank gewährt einen entsprechend hohen Kredit, so fielen sofort ab Baubeginn die Zins- und Tilgungszahlungen an. Eine dem WochenSpiegel vorliegende Beispielrechnung, die nicht vom Förderverein aufgestellt wurde, geht von einem niedrig angesetzten Investitionsvolumen von acht Millionen Euro aus. Bei diesem Betrag ergäbe sich unter den aktuellen Bedingungen ein Kapitaldienst von rund 400.000 Euro pro Jahr. Der Verein selbst rechnet zudem mit jährlichen Betriebskosten zwischen 500.000 und 600.000 Euro. So hätte der zukünftige Betreiber monatliche Fixkosten zwischen 75.000 und rund 83.000 Euro zu schultern. Ginge man von jährlich 60.000 Besuchern aus bei ganzjähriger Öffnung, so ergäben sich bei einem Verzehrvolumen von 15 Euro pro Person 900.000 Euro Einnahmen pro Jahr beziehungsweise 75.000 Euro pro Monat. Daraus folgt im günstigsten Fall gerade die Kostendeckung. Bei höheren Betreibskosten droht ein monatliches Defizit von 8.000 Euro. Dabei wurde noch nicht berücksichtigt, dass die Eishalle in den Sommermonaten mit anderen jahreszeittypischen Freizeitaktivitäten in Konkurrenz steht. Immerhin: Zumindest auf dem Papier scheint die neue Eishalle auf dem richtigen Weg zu sein.

Das sagt der Verein

Jürgen Fring, Zweiter Vorsitzender des Fördervereins, ist vom Konzept überzeugt, mahnt aber vor unüberlegter Hast: "Seit vier Jahren arbeiten wir an dem Projekt. Wie lassen uns jetzt nicht übertölpeln. Wir machen einen Schritt nach dem anderen." Gemeint ist die Frage nach Investoren und damit der Finanzierung des Projektes. Ein entsprechender Vorstoß sei derzeit noch nicht sinnvoll, da ohne konkretes Grundstück keine Bank Optionen anbieten werde. Laut Fring habe man den Hallenbetrieb durchkalkuliert und dabei die Einnahmen aus Gastronomie und Werbung bewusst noch nicht mit einbezogen. Schon damit, aber erst recht zusammen mit den beiden noch einzustellenden Posten erwartet Fring eine positive Bilanz. Die neue Eishalle soll nach den Plänen des Vereins "aus einem Guss" sein. Das heißt, dass sowohl der Hallenbetrieb als auch die angeschlossene Gastronomie sowie der Eissport-Shop allein in den Händen einer noch zu gründenden Eishallengesellschaft liegen wird. Somit sei sichergestellt, dass die Einnahmen dem Unterhalt der Eishalle zugute kommen und quersubventionierte Eintrittspreise niedrig ausfallen. Vorbild sei hier ein Hallenbad in Bingen, das "als einziges in Deutschland schwarze Zahlen schreibt" und dessen Konzept man adaptieren wolle. Innovativ will man auch bei der modularen Ausführung des Gebäudes sein. Konkret bedeutet das, dass die innere Konstruktion flexibel erweitert werden kann. Aktuell plant der Architekt mit einer Hallenkapazität von 500 Personen, die in der endgültigen Ausbaustufe aber auf 2.500 angehoben werden kann. Voraussichtlich noch im April stimmt der Stadtrat über den Bauvorantrag ab. Ist diese Hürde genommen, so sind die Trierer einer neuen Eishalle wieder ein kleines Stück nähergekommen. JK