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Bund der Steuerzahler fordert Schließung des Theaters

Das Drama um das Trierer Theater geht in die nächste Runde. Nun hat sich der Bund der Steuerzahler zu Wort gemeldet und fordert die Schließung. Das Theater stünde vor dem finanziellen Abgrund, so der Steuerzahlerbund. Das Experiment um Intendanten Karl Sibelius sei außerdem kläglich gescheitert. Link und SPD sehen das anders und üben Kritik am Bund der Steuerzahler.
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Das Drama um das Trierer Theater geht weiter... Foto: Archiv

Das Drama um das Trierer Theater geht weiter... Foto: Archiv

So schreibt der Bund der Steuerzahler auf seiner Homepage: "Das Theater in Trier steht vor dem finanziellen Abgrund. Da hilft selbst der jährliche Landeszuschuss von fast 6 Millionen Euro nicht weiter. Auch haben bislang alle Bemühungen der Stadt im Ergebnis wenig gebracht. Anstatt weitere Millionenbeträge in absurde Rettungsversuche zu investieren, sollte sich die Politik endlich eingestehen, dass Trier kein eigenes Theater benötigt." Kultur sei zwar wichtig und sollte gefördert werden, aber nicht um jeden Preis. So müssten die Theaterliebhaber bei einer Schließung auch nicht völlig auf Kultur verzichten. So fahre allein in der Saison ein Shuttlebus zu fast 80 Veranstaltungen nach Luxemburg. "Das kostet rund 45 Minuten an Zeit und 3 Euro an Fahrtgeld. Zum Vergleich: Alleine mit den geschätzten Ausgaben für die reine Theater-Sanierung könnte die Stadt Trier ihren Kulturfreunden alternativ rund 6,7 Millionen Gratisfahrten nach Luxemburg finanzieren – und nebenbei noch millionenschwere Betriebsdefizite einsparen", so der Bund der Steuerzahlend abschließend.

SPD übt Kritik an Forderung

Die SPD-Stadtratsfraktion wiederum kritisiert die Forderung des Bundes der Steuerzahler. Dazu erklärt Markus Nöhl, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Trierer Stadtrat: "Die Region Trier braucht das Theater. Kultur ist Ausdruck des Menschseins und somit unerlässlich. Das Theater übernimmt hierbei eine tragende Rolle in der Region. Es ist ein wichtiger Impulsgeber und Motor des regionalen Kulturlebens. Hauptberufliche Künstler wirken nicht nur auf der Bühne, durch ihre nebenberufliche und ehrenamtliche Arbeit stiften sie einen großen kulturellen Mehrwert in der Region. Dies unterscheidet uns auch vom Theaterangebot Luxemburgs."

Trier nicht denkbar ohne Theaterangebot

Für eine Kulturstadt wie Trier, die einen Großteil ihrer Attraktivität durch ihr kulturelles Erbe und ihr Kulturleben gewinne, sei nicht denkbar ohne ein Theaterangebot. "Tourismus, Hotellerie und Einzelhandel leben hiervon. Die Forderung, das kulturelle Leben Triers kaputt zu sparen, würde uns den Ast absägen auf dem die Stadt sitzt. Zahlreiche Studien haben den volkswirtschaftlichen Nutzen kultureller Investitionen nachgewiesen. Die Kulturstadt Trier braucht neben seinen antiken Welterbestätten ein lebendiges Theater und eine vielfältige freie Szene." Nöhl räumte aber auch ein, dass eine hochverschuldete Stadt wie Trier bei der Kultur im Rahmen seiner Möglichkeiten arbeiten müsse. "Strukturelle Konsequenzen sind getroffen worden, das finanzielle Controlling im Theater und Kulturdezernat zu stärken. Auch weiterhin müssen wir daran arbeiten, das Drei-Sparten-Ensemble-Theater für Trier finanzierbar zu halten. Dies ist steter Auftrag an Theaterleitung, Stadtverwaltung und Rat. Aber wir sehen hier auch Land und Bund in der Verantwortung, für eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Kommunen zu sorgen", so Nöhl.

"Mehr als richtig, dass Landesregierung kommunale Theater unterstützt"

Die Aussage des Geschäftsführers des Vereins Bund der Steuerzahler, René Quante, die rheinland-pfälzische Kulturpolitik müsse sich in der Theaterförderung auf das Staatstheater Mainz als Leuchtturm beschränken, lehnt Nöhl entschieden ab: "Eine rheinland-pfälzische Theaterpolitik, die sich nur auf das Staatstheater in Mainz beschränkt, geht an den Bedürfnissen des Flächenlandes vorbei. Es ist mehr als richtig, dass die Landesregierung die kommunalen Theater unterstützt und damit zu einer flächendeckenden kulturellen Versorgung in der Theaterlandschaft Rheinland-Pfalz' beiträgt."

Linke: "Steuerbund mangelt es an Weitsicht"

Auch vom Kreisverbands der Linken Trier-Saarburg und der Linksfraktion im Trierer Stadtrat zum hagelt es Kritik: "Die Forderung des Steuerzahlerbunds nach der Schließung des Theater Trier, zeigt eindeutig auf, dass es dem Verein an Weitsicht mangelt. Die Abschaffung des Theaters würde die Lebensqualität in der ganzen Region senken und der städtischen Kulturarbeit dauerhaften Schaden zufügen", kommentiert die Kreisvorsitzende der Linken Trier-Saarburg, Katrin Werner und fügt hinzu: "Der Verweis auf das Angebot in Luxemburg ist kurzsichtig, da so Menschen mit geringem Einkommen von kulturellen Angeboten noch mehr ausgegrenzt würden. Die Wenigsten können sich eine Fahrt dorthin leisten, geschweige denn die hohen Eintrittspreise bezahlen. Die ganze Idee ist eine typische neoliberale Fehlleistung – mit den gleichen Argumenten ließe sich beispielsweise auch die Schließung aller Trierer Schwimmbäder fordern."

Tourismusabgabe gefordert

Zur Verbesserung der städtischen Finanzlage fordert Paul Hilger, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtrat, stattdessen die Einführung einer Tourismusabgabe. Bereits 2011 wurde eine solche Abgabe, damals als Kultur- und Tourismusförderabgabe bezeichnet, in Trier eingeführt. Hotels mussten pro Übernachtung einen Euro Steuer ("Kultur-Euro") an die Stadt zahlen, Gäste unter 18 waren von der Steuer befreit. Die damalige Abgabe wurde jedoch vom Bundesverwaltungsgericht gekippt. Der Grund: Nicht nur privat veranlasste Reisen, sondern auch Dienst- und Geschäftsreisen unterlagen der Steuerpflicht. Das ist nicht mit dem Grundgesetz in Einklang zu bringen. Deswegen sollen nun privat veranlasste Übernachtungen zwar wieder besteuert werden, Geschäftsreisen aber ausgenommen werden.