Das sagt der AStA zur Karl-Marx-Universität Trier

Trier. Teile der Studentenschaft fordern seit Jahrzehnten die Umbenennung der Trierer Universität in "Karl-Marx-Universität". Der WochenSpiegel hat beim Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Universität nachgefragt.

Seit wann gibt es die Bestrebungen, die Universität in Karl-Marx-Universität umzubenennen und was hat den Anlass hierzu gegeben?
AStA: "Der AStA hat die Umbenennung Anfang der 80er Jahre angestrengt, es begann damals mit einer Vortragsreihe zu Karl Marx."

Warum macht sich der Asta für eine Umbenennung der Universität stark?
"Wir würden eine Umbenennung befürworten. Unter den gegebenen Umständen hielten wir diese allerdings für reine Symbolpolitik. Zudem gleicht das Engagement für eine Umbenennung einem Kampf gegen Windmühlen angesichts der geringen Mitbestimmungsmöglichkeiten der Studierenden in universitären Entscheidungsgremien. Für eine Umbenennung wäre eine 2/3-Mehrheit im Senat erforderlich. Der Senat setzt sich aus 22 Personen zusammen, von denen allerdings bloß 4 Studierende sind. Dieses Missverhältnis der Repräsentation von Interessen halten wir unabhängig von der Namensfrage für höchst problematisch."

Warum gerade Karl-Marx-Universität? Es gibt ja noch andere bedeutende Trierer Persönlichkeiten - zum Beispiel Nikolaus von Kues, Friedrich von Spee oder Oswald von Nell-Breuning.
"Nach Friedrich von Spee ist in Trier bereits ein Gymnasium benannt – das ist seiner Bedeutung (vollends) angemessen. Marx war Religions- und Ideologiekritiker, die drei genannten hingegen Zeit ihres Lebens Anhänger von Religion. Marx ging es gerade um die kritische Aufklärung über scheinbar natürliche, tatsächlich aber gesellschaftlich hervorgebrachte Verhältnisse. Er hat zentrale Einsichten in die Funktionsweise der kapitalistischen Gesellschaft formuliert, diese kritisiert und damit gleichzeitig die Möglichkeit der Emanzipation von (ökonomischen) Herrschaftsstrukturen eröffnet."

Wie setzt sich der AStA für eine Umbenennung der Universität ein?
"Einige Mitglieder des aktuellen AStA haben im Oktober 2017 bereits einen größeren Kongress zum wissenschaftlichen und politischen Gehalt der Marxschen Theorie veranstaltet, der auch bei youtube nachzuhören ist. Im kommenden Sommersemester wird vom AStA eine Veranstaltungsreihe zu Marx ausgerichtet, die unter anderem ein Vertiefungsseminar zum ersten Band des 'Kapital' beinhaltet. Das Referat für politische Bildung hat seine Bibliothek um aktuelle Forschungsliteratur zu Marx erweitert. Dieses inhaltliche Angebot, das an der Universität unseres Erachtens deutlich zu kurz kommt (auch die geplante Ringvorlesung bildet den aktuellen Stand ökonomiekritischer Marx-Forschung nicht ab), ist uns wichtiger als die Frage der Umbenennung.

Im Schreiben von Prof. Jäckel zur Umbenennung heißt es unter anderem: "Universitäten haben einen treuhänderischen Auftrag. Sie sind nicht Anwalt bestimmter Ideen oder politischer Überzeugungen. Diese Neutralität hat nichts mit Selbstaufgabe zu tun, sondern signalisiert ein zentrales Kennzeichen: Offenheit." Weiter heißt es, dass diese Offenheit durch eine neue Namensgebung verengt werden könne, indem sich bestimmte Gruppen von ihr angesprochen fühlten und entsprechende Studienangebote und Forschungsschwerpunkte mit ihr verbunden würden. Wie steht der AStA zu dieser Aussage?
"Wir sähen kein Problem darin, wenn die Universität Trier mit dem Forschungsschwerpunkt Marx assoziiert werden würde. Eine Umbenennung könnte ein Auftrag zur Förderung kritischer Wissenschaft sein. Die Vorstellung der Universität als neutrale Verwaltungsinstanz von Wissen spiegelt das heute gängige Verständnis von Wissenschaft wider, verkennt jedoch, dass vor allem in den Sozialwissenschaften sowohl die Wahl der Forschungsgegenstände als auch die personelle Besetzung der Lehre – ob reflektiert oder nicht – ein in gewisser Weise politischer Prozess der Entscheidung und des Ausschlusses ist. Wissenschaftliche Forschung findet also nie in einem politisch luftleeren Raum statt. Offen für kritische Wissenschaft zu sein bedeutet auch, den emanzipatorischen Gehalt der Marxschen Theorie und Kritik zu erkennen und kritisch weiterzuführen."

Wie hoch schätzt der AStA die Chancen ein, dass die Universität wirklich in absehbarer Zeit umbenannt wird?
"Sehr gering."

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