Dating-Apps: Nur Sex oder wahre Liebe?

Online nach dem richtigen Partner suchen - funktioniert das?

Stadt Trier. Jeder hat wohl in seinem Freundeskreis mindestens einen, der regelmäßig Dating-Apps nutzt. Warum also nicht selbst den Partner für's Leben im Internet suchen? Dating-Apps wie Tinder, Lovoo oder Badoo bieten hier ihre Dienste an. Egal ob alt oder jung, männlich oder weiblich. Digitale Liebesdienste haben Hochkonjunktur.

"Dating Apps und Online Dating hatten bis Anfang der 2000er Jahre durchaus den Ruf, etwas für Nerds und Perverse zu sein. Von diesem Image haben sie sich aber inzwischen entfernt und stoßen auf breite Akzeptanz", erklärt Dr. Georg Halbeisen, Sozialpsychologe an der Uni Trier. Zwei Gründe nennt Halbeisen hierfür: Den Zugang zu einem breiten Angebot an potentiellen Partnern und die Möglichkeit sich bereits vorab kennenzulernen und nicht passende Kandidaten auszusortieren - ohne sich wirklich treffen zu müssen. "Wir wissen aus der Forschung, dass neben der physischen Ähnlichkeit auch die Ähnlichkeit zwischen Personen ein bedeutender Faktor gegenseitiger Anziehung ist", erklärt Halbeisen. "Überspitzt könnte man sagen, wir wollen letztlich am liebsten mit uns selber ausgehen. Das kann man dadurch erklären, dass uns ähnliche Personen vertrauter sind und diese Vertrautheit häufig als Anziehung interpretiert wird. In dieser Hinsicht nehmen die Dating Apps einen Teil der Arbeit des Kennenlernens ab—ohne das Kennenlernen komplett zu ersetzen."

Nur auf Sex aus

Dating-Apps wird gerne vorgeworfen, sie seien oberflächlich. Entscheidet doch in erster Linie das Aussehen, mit wem man in Verbindung tritt. Bei Tinder müssen zwei User sich beispielsweise erst "matchen" bevor sie in Kontakt miteinander treten können. "Dieser Vorwurf mag gerechtfertigt sein, aber er impliziert fälschlicherweise, dass Menschen 'im echten Leben' nicht oberflächlich sind. Gerade für das Kennenlernen ist die physische Attraktivität immer noch das wichtigste Indiz für Anziehung", so Halbeisen. Und die macht sich spätestens beim ersten Treffen im "Real Life" bemerkbar. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Männer sehr oft lügen, was ihre Körpergröße angeht und sich ein paar Zentimeter größer machen", erzählt Lisa Gärtner (Name geändert). "Ich bin selbst ziemlich groß. Da möchte ich ungerne einen kleineren Partner." Die 27-Jährige war ein paar Wochen bei Tinder unterwegs. "Eine Freundin von mir hat ihren Freund über Tinder kennengelernt. Da hab ich mir gedacht, ich probiere das auch mal, obwohl ich von Dating-Apps nie viel gehalten habe", erzählt sie. Den Traumprinzen hat sie bei Tinder nicht gefunden. "Viele Männer bei Tinder sind auf Sex aus", sagt Gärtner. Die App hat sie mittlerweile wieder gelöscht. "Ich hatte das Gefühl, dass es bei Tinder alles so unverbindlich ist. Wenn es halt nicht passt, schreibt man einfach nicht mehr zurück", sagt Gärtner enttäuscht.

Die Suche nach dem Besseren

Auch Projektmanager Florian Schwarz (Name geändert) war einige Monate bei Tinder unterwegs. "Ich bin durch meinen Job viel unterwegs. Ich fand es eine coole Sache, um neue Leute kennenzulernen", erzählt der 28-Jährige. Einige sehr nette Dates habe er auch gehabt. Trotzdem stellte sich irgendwann die Ernüchterung ein "Tinder ist sehr schnelllebig. Es begünstigt einfach das heutige Denken, dass man ja immer noch was Besseres kriegen könnte oder etwas verpasst", sagt Schwarz. "Man legt sich nicht mehr fest und versucht nicht mit den vielleicht liebenswerten Ecken und Kanten zu leben des anderen, sondern setzt sich nach der ersten 'Kante' wieder vor Tinder und sucht weiter." Sozialpsychologe Georg Halbeisen gibt hier allerdings Entwarnung: "Sobald sie jemanden wirklich attraktiv finden und diese Person auch an ihnen Interesse zeigt, sehen sie andere attraktive Menschen nicht mehr—und das ist im wörtlichen Sinne zu verstehen: Der Aufmerksamkeitsvorteil für attraktive Gesichter verschwindet, sobald gegenseitiges Interesse vorliegt."

Letztlich Glückssache

Ob eine Beziehung glücklich und von Dauer ist, hängt übrigens nicht davon ab, wo man sich kennengelernt hat. "Dating Apps vermitteln das Kennenlernen und können hier durchaus Vorteile bieten. Ob eine daraus entstehende Beziehung aber stabil bleibt, dürfte sich nicht wirklich von anderen Arten der Partnerfindung unterschieden", sagt Georg Halbeisen. Der Erfolg der Partnersuche via Dating-App ist letztlich wohl auch ein wenig Glückssache.

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