Jan Kreller

"Der Junge gehört aufs Gymnasium"

Insolvenzverwalter Justizrat Prof. Dr. jur. Dr. phil. Thomas B. Schmidt erzählt aus seinem Leben.

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Prof. Dr. jur. Dr. phil. Thomas B. Schmidt hat sowohl in den Rechtswissenschaften als auch Philosophie promoviert.

Prof. Dr. jur. Dr. phil. Thomas B. Schmidt hat sowohl in den Rechtswissenschaften als auch Philosophie promoviert.

Foto: Privat

Hoch aus dem Norden kam der gebürtiger Niedersachse und wohl bekannteste rheinland-pfälzische Insolvenzverwalter, Thomas B. Schmidt als Wehrdienstleistender nach Trier. Nach einem mit Ach und Krach an einem altsprachlichen Gymnasium bestandenen Abitur - "wir hatten viele Flausen im Kopf" - hatte sich Schmidt für mehrere Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet. "Meine Eltern wollten erst gar nicht, dass ich ein Gymnasium besuche", erinnert er sich. Sein Vater arbeitete als Handwerksmeister in Celle, die Mutter war Hausfrau. Für sie stand fest, dass ihr ältester Sohn auf die Realschule muss, damit er anschließend etwas "Anständiges" lernen konnte. Nur auf Intervention seines Volkschullehrers hin, der meinte, der Junge gehöre aufs Gymnasium, wurde er an der Realschule ab- und am Gymnasium angemeldet.

 

Die Verpflichtung bei der Bundeswehr ermöglichte es Schmidt, ein Jura-Studium in Trier aus eigener Tasche zu stemmen. "Das hieß, Dienst am Wochenende und nachts, Studieren die Woche über." Nach erfolgreichem Abschluss und Promotion hing er noch die Studiengänge Soziologie und Philosophie dran, weil ethische Themen wie beispielsweise Tierrechte und der Umgang mit "Mitkreaturen" ihn bis heute beschäftigen. "Bei Professor Anselm Müller promovierte ich anschließend in Philosophie - deshalb die beiden Doktortitel." Nach dem Studium war zunächst eine Hochschullaufbahn anvisiert. Dann aber kam ein attraktives Angebot der Trierer Anwaltskanzlei König, in deren Praxis einzusteigen. "Diese Kanzlei mit dem damaligen Seniorpartner Hermann Schmitt hat mir den Weg ins Insolvenzrecht geebnet." Schmidt professionalisierte die Abläufe der Insolvenzverwaltung, gründete hierfür eine weitere Kanzlei. Daneben veröffentlichte er eine Vielzahl wissenschaftlicher Arbeiten, gründete ein Institut für Insolvenzrecht an der Hochschule Trier, entwickelte einen berufsbegleitenden Studiengang und hält seit rund 20 Jahren Vorlesungen zum Insolvenzrecht.

 

Heute beschäftigt er rund 20 Mitarbeiter an sieben verschiedenen Standorten. Sein größter und bekanntester Fall war die Abwicklung des Nürburgrings. "Das war die erfolgreichste Privatisierung im Rahmen einer Insolvenz in Rheinland-Pfalz, die meines Wissens jemals stattgefunden hat. Es gab viel Gegenwind, medial wie auch politisch." Insgesamt habe er mit seinem ausgeprägten Sanierungswillen im Laufe seines Berufslebens tausende von Arbeitsplätzen retten können. Thomas Schmidt engagiert sich seit etlichen Jahren zudem im sozialen Bereich. Eines der Projekte, "Porta Verde", hervorgegangen aus dem ältesten Trierer Bioladen " Zwiebel Naturkost", wandelte er als überzeugter Veganer in ein rein veganes Lebensmittelgeschäft um. Der gesamte Gewinn fließt über eine gemeinnützige Gesellschaft in Klima- und Tierschutzprojekte. Ein weiteres Projekt ist "afreeca". "In Ghana bauen wir Solaranlagen für Hospitäler." Er findet, er habe viel Glück gehabt im Leben. "Ich komme aus einfachen Verhältnissen, konnte sehr erfolgreich werden und möchte etwas zurückgeben, was für kommende Generationen wichtig ist. Hierfür schlägt mein Herz, das macht mir sehr viel Freude".

(mtb)