Andrea Fischer

Ein großer Tag für Mhasuma und Shilan

Hilscheid (SK) Erstmals fünf Nationalpark-Kitas im Hunsrück-Hochwald zertifiziert

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Geschäftige Stimmung herrschte am 9. September am Nationalpark-Tor Erbeskopf: Im voll besetzen Saal warteten die Kitakinder Mhasuma und Shilan (Kita Amselnest) gemeinsam mit zahlreichen Kitabeschäftigten auf ihre große Stunde. Seit zwei Jahren haben die fünf Kitas aus der Nationalpark-Region auf ihre Zertifizierung als Nationalpark-Kita gewartet. Nach einer erfolgreichen Bewerbung 2019/2020 wurden sie von einem unabhängigen Vergaberat als Nationalpark-Kitas anerkannt. Aufgrund der Corona-Pandemie und eines Personalwechsels bei der BNE-Referentenstelle innerhalb der Nationalparkverwaltung konnte die Zertifizierung bisher nicht erfolgen. Doch am vergangenen Freitag war es endlich soweit: Folgende Kitas wurden im Beisein des rheinland-pfälzischen Staatssekretärs Dr. Erwin Manz aus dem Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität sowie Barbara Reinert-Benedyczuk, Abteilungsleiterin für frühkindliche Bildung im Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Nationalpark-Kitas sind ab sofort: die Kita Arche Noah, Thalfang; die Kita Amselnest, Birkenfeld; die Kita Regenbogen, Thalfang; die Kita Max und Moritz, Neuhütten sowie die Kita Wagnersweg, Birkenfeld. Im kurzweiligen Podiumstalk – gekonnt moderiert von Sören Sturm, Leiter Abteilung Umweltbildung, Naturerleben, Kommunikation & Regionalentwicklung – mit den beiden Gästen aus Mainz, machten die anwesenden Erzieherinnen auch auf die angespannte Personalsituation aufmerksam, die früher oder später dazu führen würde, dass solche Projekte wie diese sterben würden und die Kinder nicht mehr rauskämen. Der anwesende Beigeordnete des Kreises Trier-Saarburg, Ludwin Ollinger, forderte einen Bürokratieabbau und eine Vereinfachung der Bürokratie, „denn dann wäre mehr Zeit, mit den Kindern auch mal in den Wald zu gehen.“

Lernort Nationalpark: Natur Natur sein lassen

Staatssekretär Dr. Erwin Manz betonte anlässlich der Veranstaltung: »‘Natur Natur sein lassen‘ lautet das Motto für einen ‚Lernort Nationalpark‘. Die Natur soll sich mit ihren natürlichen Prozessen entwickeln, wie sie es möchte. Diese Entwicklung steckt voller spannender Momente und Möglichkeiten, vom Kleinen bis ins Große. Von, mit und durch die Natur lernen, genau hinsehen, das Besondere entdecken, alle Sinne nutzen - dies trägt zur Akzeptanz und Fortentwicklung des Nationalparks bei und fördert gleichzeitig das so wichtige Natur- und Umweltbewusstsein von klein auf. Also viele Gründe, warum der Nationalpark mit Kitas zusammenarbeiten und sich gemeinsam mit ihnen für eine bessere Zukunft einsetzen will.«Staatssekretär Sebastian Thul aus dem saarländischen Ministerium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz konnte der Auszeichnungsveranstaltung aus terminlichen Gründen leider nicht beiwohnen. In seiner Videogrußbotschaft, in der er seine Freude über die Auszeichnung zum Ausdruck brachte, sagte er: »Bildung für nachhaltige Entwicklung ist eines der größten Anliegen meines Hauses. Wir wollen, dass junge Menschen lernen, mit unserer Umwelt pfleglich umzugehen und dass sie selbst erkennen, wie wichtig es ist, diese zu wahren und zu schützen. Trotzdem dürfen sie dabei auch Spaß haben. Ich bin froh, dass das Kooperationsangebot des Nationalparks bereits von fünf Kitas angenommen wurde, die nun auch zertifiziert werden und mit der Bildungsarbeit starten können.«

Grundstein für das Erlebnis Natur früh legen

Nationalpark-Kitas – wie die fünf ausgezeichneten, deren von Sören Sturm vorgeführten Bewerbungstexte und Videos im Rahmen der Zeremonie mächtig Eindruck hinterließen - bewerben sich mit dem Ziel Nationalpark-Themen verstärkt in die Arbeit mit den Kindern einzubringen und viele Projekte mit Bezug zum Nationalpark durchzuführen. Die Kitas befinden sich gemeinsam mit Nationalpark-Schulen in einem Netzwerk, in dem regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen und Netzwerktreffen angeboten werden. Für Barbara Reinert-Benedyczuk, Leiterin im Bereich Frühkindliche Bildung aus dem rheinland-pfälzischen Bildungsministerium, ist es wichtig Umweltbildung und BNE (= Bildung für nachhaltige Entwicklung) in den Kitas zu integrieren: »Der Nationalpark bietet einen großartigen Erfahrungsraum für die Kinder, der ihnen ein direktes Erleben von Natur ermöglicht und so sehr früh auch das Verantwortungsbewusstsein für deren Erhalt weckt. Die Nationalpark-Kitas tragen den Gedanken von Bildung für nachhaltige Entwicklung in die Kitalandschaft und in die Familien.«

Emotionen für Natur erwecken

Mit den fünf neuen Nationalpark-Kitas werden die Kooperationen des Nationalparks im Bereich der Bildung erweitert. Vor den Sommerferien waren bereits 15 Nationalpark-Schulen ausgezeichnet worden. Das Angebot im Nationalpark Hunsrück-Hochwald für Schulen und Kitas wird ständig erweitert. Laura Schu, BNE-Referentin in der Nationalparkverwaltung gab dazu einen kurzen Ausblick: »Wir haben neue Themen-Boxen geplant. Die zur Wildkatze ist pünktlich fertig geworden. Weitere sind geplant. Für die Schulen gibt es entsprechende Lernunterlagen. Mit unserer App können nun sogar Augmented Ranger in die Klassenräume kommen.« Sören Sturm, zuständiger Abteilungsleiter ergänzte: »Wichtig ist uns, dass Kinder und Jugendliche nicht nur einmal im Leben mit dem Nationalpark in Kontakt kommen, sondern regelmäßig! Von Kita über Grundschule bis hin zur Hochschule. In Kitas ist es besonders herausfordernd: Denn komplexe Themen müssen spielerisch erlernt werden können. Das setzt bei uns ganz andere Denk- und Gestaltungsweisen voraus.« Wichtig sei es auch, so Sturm, Emotionen zu wecken, und deshalb durften Mhasuma und Shilan sowie alle Gäste als Veranstaltungsabschluss dem wunderschönen Video der Kita Wagnersweg mit einem sehr eindrucksvollen Kinderlied – in „Ohrwurmqualität“ - lauschen…

Weitere Informationen gibt es auf der Website den Nationalparks Hunsrück-Hochwald: https://www.nlphh.de/umweltbildung/ oder www.nationalpark-hunsrueck-hochwald.de

Hintergrund: Das Programm Nationalpark-Schule & -Kita

»WILDNIS bewegt!« lautet das Motto für die Nationalpark-Kitas und -Schulen des Nationalparks Hunsrück-Hochwald. Die Bewerbung steht allen Einrichtungen im Saarland und Rheinland-Pfalz offen, die das Thema Nationalpark Hunsrück-Hochwald intensiver und dauerhaft in ihre Bildungsarbeit integrieren und aktiv mitgestalten möchten. Um seine Ziele zu unterstützen, können sich Einrichtungen gemäß den vom Nationalparkamt und Nationale Naturlandschaften e. V. erarbeiteten Kriterien als Nationalpark-Schulen und -Kitas auszeichnen lassen. Darüber hinaus bietet der Naturpark Saar-Hunsrück die Auszeichnung als Naturpark-Kita und Naturpark-Schule an. Die Kriterien hierfür ergänzen sich in vielerlei Hinsicht und bieten so den Einrichtungen einen Mehrwert, beide Kooperationen unter der Dachmarke der Nationalen Naturlandschaften einzugehen.Der Nationalpark lädt die beteiligten Schulen und Kitas in Kooperation mit den Lehrerfortbildungsinstituten der Länder Rheinland-Pfalz (Pädagogisches Landesinstitut) und Saarland (Landesinstitut für Pädagogik und Medien) regelmäßig zu Treffen und Fortbildungen ein. Die PädagogInnen haben die Möglichkeit, sich aktiv in die Bildungsarbeit des Nationalparks einzubringen und diese mitzugestalten. Ziel der Kooperation ist die gegenseitige Unterstützung und Zusammenarbeit in nationalparkbezogenen Themengebieten. Grundlage ist hierbei die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) mit dem Schwerpunkt in der Umwelt- und Wildnisbildung.