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Er will den Besten aus ganz Deutschland Paroli bieten

In den USA verdienen einige damit richtig gutes Geld und können als Profis sogar davon leben. So weit ist man in Deutschland (noch lange) nicht. Immer größerer Beliebtheit erfreut sich die Sportart "Cornhole" (übersetzt: "Maisloch") aber ohne Zweifel – auch in der Region.
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Das Prinzip ist ziemlich einfach: Mehrere Spieler werfen im hohen Bogen abwechselnd mit Mais gefüllte, kleine Säcke auf eine angehobene Plattform ("Board") mit einem Loch. Bleibt ein Säckchen auf der Plattform liegen, ist ein Punkt erzielt, fällt ein Säckchen in das Loch, sind drei Punkte erzielt. Gespielt werden kann im Einzel oder im Team. "Es ist vergleichbar mit Boule, lässt sich aber auch in einem Gebäude ausüben", berichtet Günther Reitz. Den 52-jährigen Konzer hat das Spiel seit rund eineinhalb Jahren voll in seinen Bann gezogen. "Zur Geburtstagsfeier meiner Frau haben Reimund Lutz und Gerhard Wilhelm ein Board und ein paar Säckchen mitgebracht. Wir haben dann eine Weile gespielt und ich habe gemerkt: Das ist es, das machst du jetzt weiter", berichtet Reitz, der sich zuvor dem Squash und Kampfsport verschrieben hatte. 

Erfolg kann sich sehen lassen

Intensiv trainierte er, schaute auch Lutz, Wilhelm und Christian Trampert – sie sind drei Leistungsträger der regionalen Cornhole-Hochburg SG Pellingen/Franzenheim – des Öfteren über die Schulter. Im März fuhr Reitz dann bereits seinen ersten größeren Einsatz beim Turnier in Pinneberg bei Hamburg. Im Juli startete er im fränkischen Roth und vor wenigen Wochen in Ingelheim am Rhein. Der Erfolg konnte sich sehen lassen, wird der im Berufsleben als Mental- und Erfolgstrainer sowie als Immobilienverkäufer tätige Reitz doch in der deutschen Gesamtwertung als Dritter geführt.

Camp geplant

Auch das Abschneiden bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften im niedersächsischen Lindhorst war bemerkenswert, wurde Reitz hier doch mit Pellingen/Franzenheim Vierter. Einmal mehr dominierten indes die Cornhole-Asse aus dem badischen Rust. »Derzeit sind sie in unserer Sportart so etwas wie der FC Bayern München im Fußball und heimsen serienweise die Titel ein", weiß Reitz. Sein ehrgeiziges Ziel: Er will auf die Dauer mit einer Mannschaft auf dem gleichen Level wie die Ruster spielen. Dazu möchte er in Konz oder (auch) an einem anderen Ort in der Region ein Cornhole-Camp anbieten, an dem intensiv trainiert werden kann. Gleichzeitig stellt er klar: "Das soll keine Konkurrenz zu Pellingen/Franzenheim sein. Aber dort können sie den Sport aus Zeitgründen halt nicht so intensiv betreiben." Derzeit führt der Deutsche Cornhole-Verband auf seiner offiziellen Homepage 14 Vereine auf – Tendenz steigend. "Wenn wir noch mehr werden, könnte es vielleicht irgendwann auch mal mit einem Liga-Spielbetrieb klappen", hofft Reitz. Meist zweimal die Woche für jeweils gut zwei Stunden trainiert er aktuell und ist überzeugt von den Vorteilen des Cornhole und seinem Nutzen für Körper und Geist: »Hohe Konzentration ist gefragt, Wurftechniken sind wichtig und in Bewegung ist man ja auch immer, um die Säckchen wieder einzusammeln. Ausdauer ist außerdem entscheidend. Nicht selten dauern manche Spiele mehrere Stunden." Vom Kind bis zum Senior: Jeder könne diesen Sport ausüben – und das unabhängig etwa auch von der Gewichtsklasse.

Dem Dart auf der Spur?

Der gebürtige Trierer ist überzeugt davon, dass Cornhole ähnlich populär werden kann wie mittlerweile etwa das Dart. Als es der Fernsehsender ProSieben im Dezember 2011 in seiner Sendung "Schlag den Raab" spielen ließ, wurde ein breiteres Publikum darauf aufmerksam. Die Folge: Der Deutsche Cornhole-Verband richtete bereits am 16. und 17. Juni 2012 die erste offizielle Deutsche Meisterschaft in Hannover aus. Kontakt zu Günther Reitz über die E-Mail-Adresse volltoll99@web.de. Ausführliche Infos auf der Verbandshomepage.

Der Cornhole Ursprung

Der Ursprung des Cornhole ist nicht exakt geklärt. Eine Vermutung besagt, dass es erstmals im 14. Jahrhundert in Deutschland gespielt und später in Ohio/USA wiederentdeckt wurde. Es gibt Augenzeugen, die berichten, dass Indianer nahe Illinois ein sehr ähnliches Spiel gespielt haben. Cornhole gewann in den 1990ern erhebliche Popularität in Athens, Ohio und East Lansing, Michigan sowie an der Ohio University und der Michigan State University. Seither etablierte es sich als fester Bestandteil des in den Vereinigten Staaten sehr verbreiteten Tailgating, eines sozialen Events im Vorfeld zahlreicher Sportveranstaltungen, bei dem auf Plätzen gemeinsam gegrillt und getrunken wird. AA


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