Kinderkrebsstation: Mutterhaus äußert sich zu Aufnahmestopp

Fachkräftemangel als Grund - Klinikum will Engpass lösen

Trier. Die Behandlung krebskranker Kinder ist im Trierer Mutterhaus der Borromäerinnen weiterhin gegeben - das hat das Klinikum heute auf einer Pressekonferenz mitgeteilt. Das Krankenhaus hat außerdem zugesichert, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die personellen Probleme zu lösen. Hintergrund war ein offenen Brief des Fördervereins krebskranker Kinder zur Situation der Kinderonkologie.

Dr. Wolfgang Thomas, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin, erklärt in der heutigen Pressekonferenz: "Seit Anfang 2018 können wir aus personellen Gründen und auf Grund unserer hohen Qualitätsansprüche an die Versorgung die neu an Krebs erkrankten Kinder in der Phase der intensiven stationären Chemotherapie nicht  betreuen. Die Patienten werden in dieser Phase bei unserem Kooperationspartner, der Universitätskinderklinik Homburg  oder - bei Wunsch der Eltern - in einem anderen kinderonkologischen Zentrum betreut. Diese Tatsache bedeutet keinesfalls, dass derzeit keine kinderonkologische Behandlung im Klinikum Mutterhaus stattfindet. Wir betreuen die Kinder und Jugendlichen nach wie vor ambulant und in der Nachsorge. Zudem werden kinderonkologische Patienten, die vor dem Jahr 2018 die Neudiagnose einer onkologischen Erkrankung erhalten haben, hier im Mutterhaus stationär betreut und wir entlasten die Familien mit neu diagnostizierten Erkrankungen, indem wir deren Kinder in Absprache mit dem behandelnden Zentrum zu einzelnen Untersuchungen oder Therapien, aufnehmen."

"Zu keiner Zeit war ein Kind oder Jugendlicher gefährdet"

Dass es zu der Sorge der Bevölkerung und des Fördervereins krebskranker Kinder in der Öffentlichkeit kam, dass die Kinder nicht mehr in Trier behandelt werden können,  ist aus Sicht des Klinikums nachvollziehbar. Geschäftsführer Jörg Mehr führt dazu aus: "Aus heutiger Sicht gestehen wir zu, dass wir die Situation kommunikativ hätten besser lösen können. Trotzdem halten wir fest, dass zu keiner Zeit ein Kind oder Jugendlicher gefährdet war oder womöglich Schaden genommen hat. Unsere Mitarbeiter haben zu jedem Zeitpunkt zum Wohle der uns anvertrauten Kinder und ihren Familien gehandelt. Dabei stand die allerbeste medizinische Versorgung im Vordergrund unserer Entscheidung."

Unklar, ob Stellen nachbesetzt werden können

Trotz intensiver Bemühungen kann die Klinikleitung jedoch nicht garantieren, dass die notwendigen Fachkräfte aus Pflege und Medizin kurzfristig nachbesetzt werden können. Ursache dafür ist der bundesweit besorgniserregende Fachkräftemangel, der viele Kliniken – besonders in den hochspezialisierten Bereichen betrifft und zunehmend betreffen wird. Der medizinische Geschäftsführer Christian Sprenger betont in diesem Zusammenhang: "Jeder einzelne Mitarbeiter, jede einzelne Mitarbeiterin - egal ob aus Pflege oder Medizin -  leistet hervorragende Arbeit und verdient, besonders in dieser angespannten Zeit unsere Hochachtung. Besonders sie haben es verdient, durch neue Kollegen entlastet zu werden."

Hintergrund: Förderverein schreibt offenen Brief

Der Förderverein krebskranker Kinder Trier hatte in den vergangenen Tagen auf seiner Homepage und in den sozialen Medien einen offenen Brief zur Situation der Kinderonkologie veröffentlicht. Das Klinikum hatte kurz darauf reagiert und Stellung zu den Sorgen des Fördervereins bezogen: "Auf Grund eines personellen Umbruchs in der Pflege und Schwierigkeiten bei der Besetzung von offenen Planstellen in der Kinderonkologie, haben wir uns Anfang 2018 entschieden, intensive stationäre Therapien für Kinder und Jugendliche, bei denen eine bösartige Erkrankung neu diagnostiziert wurde, aktuell nicht mehr im Klinikum Mutterhaus anzubieten", hießt es in der Stellungnahme.

Zwölf Kinder und Jugendliche betroffen

Betroffen sind davon laut Auskunft des Klinikums bisher zwölf Kinder und Jugendliche aus der Region, die diese Therapie bei dem Kooperationspartner, der Kinder-Hämato-Onkologie des Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg, erhalten. "Mit der dortigen Abteilung besteht eine enge, über Jahrzehnte gewachsene Kooperation, die hervorragend zum Wohle der uns anvertrauten Patienten funktioniert. Die ambulante Betreuung und Nachsorge dieser Patientengruppe ist davon nicht betroffen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die stationäre Versorgung unserer Patienten in Zukunft wieder im Klinikum Mutterhaus  bestmöglich zu gewährleisten", hießt in der Stellungnahme weiter.

RED

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