Es war einmal... Hieronymus Jaegen

Trier. Hieronymus Jaegen gilt als Triers heimlicher Heiliger. An seinem 177. Geburtstag hat er eine neue Ruhestätte gefunden. Der engagierte Laienchrist wurde aus der profanierten Pauluskirche in eine neue Grabstätte in der Kirche St. Gangolf überführt. Seit 1941 ist für den Ingenieur und Bankdirektor ein Seligsprechungsverfahren in Rom im Gange. Warum das Bistum Trier deshalb auf ein Wunder hofft, lesen Sie in unserer Reihe "Es war einmal".

Hieronymus Jaegen wurde 1841 als Sohn eines Lehrers und einer Hausfrau aus einer Moselschifferfamilie im St. Paulusviertel geboren. Nach der Volksschule besuchte er zuerst das Gymnasium und dann die Provinzial-Gewerbeschule, die er 1859 mit der Reifeprüfung abschloss. Er studierte in Berlin Maschinenlehre, Bauwesen und Hüttenkunde. Nach seinem Studienabschluss arbeitete er als Konstrukteur bei der Trierer Eisengießerei und Maschinenfabrik Eduard Laeis & Cie. Nach einem einjährigen, freiwilligen Wehrdienst wurde er in den Vorstand der neugegründeten Volksbank Trier berufen. Diesem gehörte er 19 Jahre lang an. Danach war er Mitglied des Aufsichtsrats der Bank.

Jaegen war von 1899 bis 1908 zweimal als direkt gewählter Abgeordneter der Zentrumspartei im Preußischen Landtag in Berlin vertreten. Er verzichtete 1908 aus Alters- und Gesundheitsgründen auf eine erneute Kandidatur.

Hieronymus Jaegen hatte sich seit 1867 in verschiedenen Vereinigungen engagiert und dort wichtige Positionen bekleidet, wie beispielsweise als Präsident der Harmonia (Vorläufers des heutigen Verbandes der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung). Ebenfalls organisierte er über 30 Jahre lang die Fronleichnamsprozession in Trier. Jaegen starb 1919 nach langer Krankheit in Trier.

Katholisches Leben in Trier mitgestaltet

Weihbischof Franz Josef Gebert würdigte Jaegen bei einer Eucharistiefeier im Rahmen der Umbettung in St. Gangolf als Menschen, der "in besonderer Weise Zeugnis für das Evangelium gegeben hat". Schon seine Zeitgenossen hätten ihn als Vorbild angesehen. Jaegen, der das katholische Leben in Trier aktiv mitgestaltet habe, habe gleichzeitig auch als Mystiker gegolten, als jemand, der die tiefe Erfahrung der Gegenwart Gottes macht. Das stelle keinen Widerspruch dar, betonte Gebert: Gottes Gnade wirke eben gerade auch in der Fülle des alltäglichen, aktiven Lebens. Jaegen habe sich getraut, diese Erfahrungen der göttlichen Nähe aufzuschreiben und zu deuten – das sei ebenso wichtig wie die "intime Beziehung vieler Menschen zu Gott", die nicht öffentlich würden. "Hieronymus Jaegen ermutigt uns, hinzuschauen und hinzuhören auf die Gnade Gottes in unserem Alltag", gab der Weihbischof den Gläubigen mit auf den Weg. Im Anschluss an die Eucharistiefeier wurde der Sarg im hinteren Teil der Kirche beigesetzt. Dem Grab wurde eine Urkunde über die Umbettung beigelegt.

Triers heimlicher Heiliger

Auch wenn Jaegen als "Triers heimlicher Heiliger" gilt, darf er gemäß den Regeln der katholischen Kirche noch nicht liturgisch gefeiert werden. Für den Fortgang des Seligsprechungsprozesses sind die weitere Verehrung und ein anerkanntes Wunder auf die Fürsprache von Hieronymus Jaegen nötig. Domvikar Dr. Hans Günther Ullrich, Pfarrverwalter der Pfarrei Liebfrauen, zu der sowohl die Pauluskirche wie St. Gangolf gehören, sagte bei der Umbettung: "Auf dieses Wunder hoffen wir." St. Gangolf sei ausgewählt worden, weil Jaegen dort oft gewesen sei. "Außerdem können jetzt mehr Menschen zu Jaegens Grab kommen und dort beten." Um dem Seligsprechungsprozess Genüge zu tun, war die Umbettung einem festgelegten Ablauf gefolgt: Unter der Aufsicht des emeritierten Weihbischofs Leo Schwarz (Beauftragter des Trierer Bischofs) war das Grab in St. Paulus geöffnet und der Sarg auf seine Unversehrtheit überprüft worden. Anschließend hatten der Bischöfliche Offizial Dr. Georg Holkenbrink und Domvikar Marco Weber im Beisein der Zeugen Bruno Sonnen (Vorsitzender des Hieronymus-Jaegen-Bundes) und Thomas Schiffler (Verwaltungsratsvorsitzender Pfarrei Liebfrauen) den Sarg erneut versiegelt, bevor er nach Gangolf überführt wurde.

St. Gangolf ist vierte Ruhestätte

Die Ruhestätte in St. Gangolf ist bereits die vierte für den Trierer Laienchristen. Zunächst war Jaegen auf dem städtischen Friedhof bestattet worden. Die Lage erwies sich jedoch als ungünstig, weil von Anfang an viele Menschen seine Begräbnisstätte besuchten; daher gab es eine Umbettung. 1959 erfolgte die Überführung nach St. Paulus. Wegen der Profanierung der Pauluskirche war die jetzige Umbettung notwendig geworden. An der neuen Ruhestätte finden sich ein Porträt von Jaegen sowie eine Fürbittbuch und Informationsmaterial. Pfarrverwalter Ullrich kündigte an, bis zum 100. Todestag von Jaegen am 26. Januar 2019 werde es eine Veranstaltungsreihe mit Vortrag, Konzert, Meditation und Ausstellung geben. Nach Jaegen ist seit 2001 übrigens auch die Hieronymus-Jaegen-Straße in Trier benannt, die in der Nähe der Pauluskirche verläuft.[

Weitere Informationen sind auf der Internetseite des Bistums zu finden.  

RED

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