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Es waren einmal... die Ehranger Servais-Werke

1993 endete mit der Schließung des AGROB-Werks in Ehrang eine Ära. Hier wurden mehr als hundert Jahre lang Fliesen, Wand- und Bodenplatten hergestellt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte das Unternehmen, welches damals unter dem Namen "Servais-Werke" bekannt war, mit Jugendstilfliesen weltweit Erfolge erzielen. Weniger geläufig sind Vasen und künstlerisch anspruchsvolle Keramikfiguren aus dieser Zeit. Eine Ausstellung im Stadtmuseum widmet sich noch bis zum 22. November dieser längst vergessenen Tradition.
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Die Direktor eines Bodenplattenwerks in Wasserbillig, Philipp Lamberty, dessen Betriebsleiter Bernhard Ferring und der Industrielle Paul Servais gründeten im Jahr 1878 eine Fabrik zur Herstellung von Flurplatten, Trottoirsteinen, Röhren und feuerfestem Material. Unklar blieb zunächst, wo sich das Unternehmen ansiedeln sollte. Ehrang als idealer Standort Die Wahl für den Standort der Firma fiel auf die damalige Stadt Ehrang. Ausschlag dafür gaben günstige Grundstückspreise sowie eine gute Eisenbahnanbindung nach Köln und Koblenz. So konnten Rohstoffe kostengünstig angeliefert sowie die fertigen Produkte schnell an den Abnehmer gebracht werden. Das Werk wurde bis zum Herbst 1878 auf einem weitläufigen Gelände zwischen den Städten Ehrang und Pfalzel fertiggestellt und nahm die Produktion mit ca. 70 Arbeitern auf. Zu Beginn fokussierte man sich auf die Herstellung einfacher Fliesen. Begehrte Produkte Erst im Laufe der Jahre kamen dekorative Mosaikfliesen hinzu. Um 1898 wurde die Produktion dann um glasierte Wandfliesen, Säulen, Ständer, Friesen, Wasserspeier und Dekorationsobjekte erweitert. Die Servais AG produzierte Produkte, die international ausgezeichnet wurden. Dazu gehörten aufwendig gestaltete Jugendstilfliesen, deren Nachfrage besonders hoch war. Ein bedeutender Auftrag war die Keramikauskleidung des Elbtunnels in Hamburg zwischen 1908 und 1911. Aber auch international war die Ehranger Arbeit gefragt: Die Kathedrale in Batavia auf der Insel Java und die Heilig-Geist-Kirche in Buenos Aires wurden etwa mit Keramikprodukten von der Mosel ausgekleidet. Die Fliesen sind auch heute noch begehrte Sammlerstücke. Weitere Entwicklung 1921 wurde das Ehranger Werk an die Vereinigte Mosaik- und Wandplatten AG Friedland-Sinzig verkauft. Die Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren und der Zweite Weltkrieg hinterließen auch in Ehrang ihre Spuren. Zeitweise kam es zu Produktionsstopps. Nach dem Krieg und dem Wiederaufbau florierte das 1958 in AGROB-Wessel-Servais AG umbenannte Unternehmen und hatte im Jahr 1966 etwa 1000 Beschäftigte. Die große Kunst spielte nun aber keine Rolle mehr. In der Folgezeit änderte sich der Firmenname noch mehrfach. 1993 endete dann in Ehrang die Keramikproduktion.