Fußball-Familie Kohr: Papas Feedback ist sehr wichtig

Karoline und Dominik: Kohrs spielen in dritter Generation

Trier. Wie der Vater und bereits der Opa, so auch der Sohn und die Tochter: Ihr Fußballtalent haben Harald und Siegfried Kohr an Dominik und Karoline weitervererbt.

"Der Fußball hat uns fest im Griff", lacht Harald Kohr. Auch seine Frau Monika ist voll im Thema, entstammt sie doch der zumindest im Trierer Raum bekannten Fußballfamilie Puschmann. "Sie hätte als Jugendliche früher auch gerne gekickt. Da ihre Brüder Alwin und Georg aber schon aktiv waren und der Meinung ihrer Eltern nach für genügend Schmutzwäsche sorgten, durfte sie nicht in einer Mannschaft spielen", berichtet ihr Ehemann, der nach seinem frühen, verletzungsbedingten Aus als Profi mit nur 29 Jahren zunächst dorthin zurückkehrte, von wo aus er einige Jahre zuvor zum FCK gewechselt war: Bei der Trierer Eintracht coachte er den Nachwuchs und trainierte danach andere Teams an der Mosel und im benachbarten Luxemburg.

Als "Co" in Issel

In der vergangenen Saison sprang der "Harry", wie er in regionalen Fußballkreisen nur genannt wird, noch einmal ein, assistierte Markus Stein beim TuS Issel in der Frauen-Regionalliga. Als Belastung empfand die dort im Angriff spielende Tochter Karoline den eigenen Papa am Seitenrand nur bedingt, wie sie auch mit einem Augenzwinkern zu verstehen gibt: "Er hat ja Ahnung und weiß, wovon er spricht. Von daher konnte er meinen Mitspielerinnen und mir immer wieder wertvolle Tipps geben. Andererseits war ich etwas mehr in die Organisation eingebunden und durfte ein paar Sonderaufgaben übernehmen…" Aus zeitlichen Gründen hörte Kohr senior inzwischen aber wieder als "Co" beim TuS Issel auf.  Die Laufbahn seiner beiden Sprösslinge verfolgt er aber weiter intensiv, ist auch bei den meisten Spielen von Dominik live dabei. Ob im von Trier rund 465 Kilometer entfernten Augsburg oder irgendwo zwischen Hamburg und München bei den Auswärtsspielen: Harald Kohr sitzt auf der Tribüne und gibt seinem Filius, so schnell es geht, auch ein Feedback.

Familie hoch im Kurs

Diese Nähe ist Dominik sehr wichtig: "Im Profifußball muss man genau aufpassen, von welchen Leuten man umgeben ist und welche Ziele sie mit einem haben. Bei meiner Familie kann ich mir sehr sicher sein, dass sie ehrlich zu mir ist." Das Talent von Dominik förderte Harald Kohr, der als Lotto-Annahmestellenberater beruflich aktiv ist, früh. Bei Turnieren mit dem TuS Issel im Westen wurden dann auch die Scouts von Bayer Leverkusen vor knapp zehn Jahren auf die Qualitäten des jungen Fußballers aus dem Trierer Stadtteil Quint aufmerksam. Es folgten immer wieder Trainingsaufenthalte und Gastspiele bei Bayer 04. Mit 14 wechselte Dominik dann an den Rhein und wurde dort von einer Gastfamilie aufgenommen. Am 21. April 2012 feierte er beim 1:0-Erfolg in Hoffenheim sein Bundesliga-Debüt, war darüber hinaus in der U18- und später in der U19- und U20-Nationalmannschaft des DFB im Einsatz. Im Starensemble von Leverkusen konnte er aber nicht so richtig Fuß fassen, wurde Anfang 2014 nach Augsburg verliehen und eineinhalb Jahre später vom FCA fest verpflichtet. "Ich wollte unbedingt eine Ausleihe, damit ich mich über Spielzeiten in der Bundesliga weiterentwickeln kann. Im Nachhinein hat sich das als genau der richtige Weg erwiesen", sagt Kohr junior – und schiebt nach: "In Augsburg sind die Bedingungen optimal. Das Umfeld ist überschaubar und familiär."
Seine Kompromisslosigkeit, Zweikampf- und Laufstärke wird bei den bayerischen Schwaben hoch geschätzt. "Es gibt zwar immer noch was zu verbessern, wie zum Beispiel das Spiel nach vorne. Dominik ist aber auf einem sehr guten Weg«, betont der Vater.

Karriere vergegenwärtigt

Dessen Karriere haben sich der Sohn und die Tochter in jungen Jahren durch Fotos, Zeitungsausschnitte und eine Best-of-DVD einst vergegenwärtigt. "Anschließend sind wir raus auf die Wiese hinterm Haus und haben die Szenen nachgespielt«, erinnert sich Karoline Kohr. Auch ihr traut der Papa den Sprung in die Bundesliga zu: "Es gab schon mehrere Anfragen. Im Frauenfußball ist es aber für jüngere Spielerinnen nicht so leicht, alles mit dem beruflichen Aspekt in Einklang zu bringen…"

Die Kohrs: Zahlen und Daten

Dominik Kohr zählt als defensiver Mittelfeldspieler beim Bundesligisten FC Augsburg längst zum Stamm, kam in der abgelaufenen Saison auf 31 Einsätze. Schwester Karoline (20) eifert mehr Vater Harald nach, besticht durch ihren Torinstinkt. Beim Südwest-Regionalligisten TuS Issel trifft sie seit Jahren fast nach Belieben, war in der 2015/16er Runde 24-mal erfolgreich. Für den 1. FC Kaiserslautern, GC Zürich in der Schweiz und Wattenscheid 09 war der heute 54-jährige Harald Kohr ab Mitte der 80er- bis Anfang der 90er-Jahre am Ball. Alleine für den FCK erzielte er von 1986 bis ’89 in 86 Partien 45 Treffer. Sein Vater Siegfried (76) trumpfte in den 60ern groß auf. Beim damaligen Bezirksligisten SV Ehrang traf er in einer Saison 80-mal (!). Später war er dann genauso wie Sohn Harald bei der Eintracht aktiv.

AA

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