Arnt Finkenberg

Gedenkorte für Opfer der Amokfahrt vorgestellt

Trier. Angehörige der Getöteten, Verletzte und Traumatisierte haben mit Trierer Künstlern einen dauerhafter Gedenkort etwickelt.

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Eine erste Visualisierung zeigt die mögliche Gestaltung des zentralen Gedenkorts an der Christophstraße durch den Künstler Clas Steinmann.

Eine erste Visualisierung zeigt die mögliche Gestaltung des zentralen Gedenkorts an der Christophstraße durch den Künstler Clas Steinmann.

Foto: PA

Es ist ein Ereignis, das in Trier und weit darüber hinaus für Entsetzen und Fassungslosigkeit sorgte: Die schreckliche Amokfahrt durch die Trierer Innenstadt am 1. Dezember 2020, bei der fünf Menschen starben und viele weitere verletzt wurden. Nun stellte die Stadt Details der künftigen Gedenkorte für die Verstorbenen vor.

 

Zentraler und dezentrale Gedenkorte

 

In enger Abstimmung mit den Hinterbliebenen wird es einen zentralen und mehrere dezentrale Gedenkorte geben. Der zentrale Gedenkort wird nahe der Porta Nigra an der Christophstraße entstehen. Nach einem Entwurf des Trierer Künstlers Clas Steinmann werden dort sechs 2,80 Meter hohe Stelen aus Bronze im Halbkreis auf einem Platz, der noch umgestaltet wird, errichtet. Die Stelen stehen für die getöteten Opfer der Amokfahrt. Offiziell kamen bei der Amokfahrt fünf Menschen ums Leben. Ein Mann, der schwer verletzt wurde, starb ein knappes Jahr später. OB Leibe betonte, für die Triererinnen und Trierer seien sechs Menschen getötet worden. Auf den Stelen gibt es Symbole, die sich die Angehörigen der Opfer ausgesucht haben, beispielsweise ein Blatt oder ein Kreuz. Zudem sind Nischen darin vorgesehen, in die Kerzen gestellt werden können.

 

Die fünf dezentralen Gedenkorte befinden sich in der Fußgängerzone an den Stellen, an denen die Opfer der Amokfahrt starben. Hierbei handelt es sich um von den Angehörigen gestaltete längliche Gedenksteine, die – ebenso wie die großen Stelen – die Symbole tragen. Wo die Angehörigen dies wünschen, werden auch die Namen der Verstorbenen zu lesen sein. Eine Lampe wird die Gedenktafeln aus Bronze beleuchten.

 

Enge Abstimmung mit Angehörigen

 

OB Wolfram Leibe betonte, man habe sich die ganze Zeit über sehr eng mit den Angehörigen abgestimmt und ihnen die Zeit gegeben, die nötig war. Ihnen wurde auch die Entscheidung überlassen, mit welchem Künstler sie arbeiten wollen und wie das Gedenken aussehen soll. Im Sommer 2022 haben sich die Angehörigen einstimmig auf ein Vorgehen und auf den Künstler Clas Steinmann geeinigt. Der OB zeigte sich froh darüber, dass es so einvernehmlich gelaufen ist - auch mit dem Stadtrat, der den Grundsatzbeschluss gefasst hat. Leibe betonte: »Ich bin zuversichtlich, dass die Gedenkorte eine hohe Akzeptanz finden werden.«

 

»Es soll eine Gedenkstätte für ganz Trier sein«

 

Wolfgang Hilsemer, der infolge der Amokfahrt seine Schwester und ein knappes Jahr später auch deren Mann – seinen Schwager - verlor, sagte: »Es soll eine Gedenkstätte für ganz Trier sein und nicht für uns alleine.« Sybille Jatzko, die mit der Stiftung Katastrophen-Nachsorge die Treffen der Hinterbliebenen betreut, betonte, wie wichtig Gedenkstätten für Menschen sind. Dadurch, dass die Hinterbliebenen die Gedenkorte mitgestalten können, würden sie diesen eine Seele geben, ist Jatzko überzeugt. In Gesprächen mit den Angehörigen sei deutlich geworden, dass es deren Wunsch sei, dass deren Liebste durch die Gedenkstätten gewürdigt werden, so Jatzko.

 

Fertigstellung im Laufe des nächsten Jahres

 

Was den Zeitplan betrifft, sollen die dezentralen Gedenkorte bis zur Jahresmitte 2023 fertiggestellt sein. Teilweise laufen noch Abstimmungen zwischen der Stadt und den Angehörigen. Der zentrale Gedenkort wird ebenfalls voraussichtlich im Laufe des nächsten Jahres fertiggestellt.


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