Händeschütteln und Begrüßungskuss werden selten

Trier. Dem Geschäftspartner höflich die Hand schütteln, die gute Freundin mit einem Küsschen begrüßen: In der Nach-Corona-Zeit werden diese Rituale viel seltener zu sehen sein. Diese Prognose leiten Prof. Dr. Xenia Matschke und Prof. Dr. Marc Oliver Rieger von der Universität Trier aus einer gemeinsamen Untersuchung ab.

Danach will die Mehrheit der befragten Studienteilnehmer (57 Prozent) ihr Begrüßungsverhalten dauerhaft ändern – sei es, um Ansteckungsgefahr zu vermeiden oder weil sie sich daran gewöhnt haben.Basis der Studie sind zwei Umfragen an der Universität Trier im April und September 2020.

In der Studie stellen die beiden Wirtschaftswissenschaftler fest, dass in den ersten Monaten nach dem Pandemie-Ausbruch Händeschütteln und Begrüßungsküsse drastisch zurückgingen. Im April begrüßten nur noch 0,5 Prozent der Befragten genau wie zuvor. Im September waren mit 2,4 Prozent wieder mehr Menschen zum Begrüßungsverhalten vor Corona zurückgekehrt, obwohl die gleichen Beschränkungen und Empfehlungen galten. Dennoch war es nur eine kleine Minderheit.

Die Zahl der Befragten, die ihr Begrüßungsverhalten dauerhaft ändern wollen, blieb zwischen April und September etwa gleich hoch. »Diese über Monate hohe Kontinuität lässt darauf schließen, dass diese Personen ihr Verhalten tatsächlich nachhaltig ändern werden«, folgern Professorin Matschke und Professor Rieger. Eine massive Verschiebung zwischen den beiden Befragungswellen wurde dagegen bei der Betrachtung der Motive offenkundig.In der Erhebung im September erwies sich eine kritische Haltung gegenüber den Corona-Maßnahmen oder der Glaube an Verschwörungstheorien als eine Triebfeder für das Händeschütteln oder den Begrüßungskuss. Das hatte in der ersten Befragung im April anders ausgesehen. In diesem frühen Pandemie-Stadium hatte eine kritische Haltung keine Auswirkungen auf das Begrüßungsverhalten gezeigt.

»Dahinter könnte man eine Form des Protestes vermuten. Um das zu belegen, braucht es aber weitere Untersuchungen«, sagen die Forscher.Mit ihren Studien wollen Prof. Matschke und Prof. Rieger aktuelle Entwicklungen zu COVID-19 wissenschaftlich beobachten und analysieren. Auch wenn die Studien nicht repräsentativ sind, lassen sich damit frühzeitig interessante Trends erkennen, die in weiteren Arbeiten vertieft werden können.

(RED)

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