Hat es sich bald "ausgemääääht"?

Zahl der Schäfer geht immer weiter zurück

Trier. Osterlämmer gelten als Delikatesse, Schafe sind perfekte Landschaftspfleger. Doch "Schäfer" ist ein aussterbender Beruf.

Wer aufmerksam durch die Region fährt, merkt: Da fehlt was. Lämmer und Schafe sind fast nirgends zu sehen. Nur sehr selten sieht man kleine Herden. Etliche Haupterwerbsschäfer haben aufgegeben oder finden keine Nachfolger. "Die Zahl der Schäfer geht seit Jahren zurück. Ein Grund dafür ist die Tatsache, dass Weideflächen nicht mehr in ausreichendem Maß zur Verfügung stehen", erklärt Rainer Wulff, Geschäftsführer und Zuchtleiter des rheinland-pfälzischen Landesverbands der Schafhalter/Ziegenhalter und Züchter. Außerdem fehlten in vielen Betrieben Nachfolger. "Der Berufsstand ist überaltert und für den Nachwuchs scheint der Beruf Schäfer wenig attraktiv. Für die jüngere Generation rechnet es sich nicht, eine Schäferei zu übernehmen", erklärt Wulff.

Agrarpolitik verzerrt Wettbewerb

Diese Entwicklung schlägt sich auch in Zahlen nieder. In Deutschland gibt es noch 900 Vollerwerbsschäfer. "In Rheinland-Pfalz sind es noch 60 und 80", beziffert Wulff das aussterbende Metier, welches noch immer verbunden ist mit einem romantischen Bild von Entschleunigung pur und Leben in der freien Natur. Als Hobby halten in Rheinland-Pfalz noch rund 3.000 Menschen Schafe, teils nur ein einziges oder Kleinstherden von wenigen Tieren. Das Aussterben der Schäfer hat jetzt eine Demonstration in Berlin und eine Online-Petition mit mehr als 25.000 Unterschriften nach sich gezogen. Sang- und klanglos soll der uralte Beruf nicht aus Deutschland verschwinden. Die Ursache des Problems trifft nicht die neuseeländischen Betriebe, die ihre Produkte massenhaft exportieren, und auch nicht Schäfer in 22 anderen EU-Ländern. Seit der sogenannten Entkoppelung durch die deutsche Landwirtschaftspolitik gibt es seit Anfang der 2000er-Jahre keine Kopfprämie für die Tiere mehr, sondern nur noch Flächenprämien. Aber Wanderschäfer haben zumeist keine eigenen großen Flächen, sondern sie beweiden Grünland anderer Eigentümer oder sie leisten mit ihren Schafen effektive Landschaftspflege, für die es jedoch keine Prämien gibt.

Kaum noch Wanderschäfer

Ohnehin gibt es die typischen Wanderschäfer, wie es sie früher gab, nur noch sehr selten. "Das ist bei der heutigen Infrastruktur kaum noch machbar", erklärt Wulff. Aber auch heutige Herdenhalter haben mit schwindenden Weideflächen zu kämpfen. Daher forderten die Schaf- und Ziegenhalter während der Demonstration in Berlin die Einführung einer Weidetierprämie von 38 Euro je Mutterschaf und -ziege als Direktzahlung der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik. Dafür müssten nach Schätzungen des Bundesverbands Berufsschäfer lediglich 0,6 Prozent des deutschen Agrarhaushalts eingesetzt werden. Tierprämien sind zusätzlich zu den Flächenprämien möglich, wenn sie eine besondere gesellschaftliche Leistung der Landwirtschaft sichern. "Die Schäfer erhalten mit ihren Herden unsere Kulturlandschaft und tragen zum Natur- und Umweltschutz bei. Warum sollte dieser Beitrag umsonst sein?", fragt Landesverbands-Geschäftsführer Rainer Wulff.

Gefragte Delikatesse

Dass Lammfleisch wie eh und je gefragt ist, bestätigt Rainer Wulff ebenfalls: "Die Nachfrage nach deutschem Lammfleisch ist ungebrochen, aber das Produkt wird aus den genannten Gründen immer seltener. Allerdings ist frisches Lamm aus Deutschland geschmacklich durch nichts zu überbieten, schon gar nicht durch Tiefkühlware aus Übersee", betont der Diplom-Ingenieur für Agrarwissenschaften.

Hintergrund: Im Einsatz für Menschen und Natur

Hier ist eine Petition zur Rettung der deutschen Wanderschäfer eingestellt. Ziel ist die Einführung einer deutschlandweiten Weideprämie von bis zu 40 Euro pro Muttertier.

  • Laut baden-württembergischem Landesamt für Entwicklung der Landwirtschaft arbeiten deutsche Vollerwerbsschäfer derzeit im Schnitt für einen Stundenlohn von 6,20 Euro.
  • Vermarktungsideen für Wolle von Schafen aus Moselland, Eifel, Hunsrück finden Sie hier.

AKO

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