Claudia Neumann

Igeler Säule: Kopie der Kopie in Arbeit

Die 114 Jahre alte Replik der Igeler Säule im Landesmuseum ist nicht mehr sanierungsfähig. Für eine Kopie wurde sie digitalisiert.
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Igel/Trier (red/cn). Die originale 23 Meter hohe Igeler Säule aus hellem Sandstein ist das größte erhaltene Pfeilergrab nördlich der Alpen und steht mitten im Ort Igel an der Mosel. Seit 1986 zählt sie zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zahlreiche Bildreliefs zeigen mythologische Motive und Familienszenen der wohlhabenden römischen Tuchhändlerfamilie der Secundinier, die es um 250 n. Chr. erbauen ließ. Eine umfassende Sanierung wurde 2015 abgeschlossenen.
Anders als das Original ist die stark angegriffene Replik von 1908, die selbst unter Denkmlaschutz steht, nicht mehr sanierungsfähig. Daher entschieden sich die Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz, das Finanzministerium, die Denkmalschutzbehörde der Stadt Trier und der Landesbetrieb Liegenschafts- Baubetreuung (Landesbetrieb LBB) für den Abbau der mehr als 300 Tonnen schweren Säule, die Einlagerung der Bildtafeln und die Herstellung einer möglichst langlebigen »Kopie der Kopie« (Duplik).
Dr. Marcus Reuter, Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier, sagte: »Wir freuen uns aber schon sehr auf die neue Kopie der Igeler Säule, die dann hoffentlich genausolange wie das alte Denkmal unsere Besucher durch seine Größe und Farbigkeit beeindrucken wird.«
Als Vorbild für die künftige Nachbildung wurde bewusst nicht das Original in Igel, sondern die Replik von 1908 gewählt. Wie die bisherige Nachbildung wird auch die Duplik farbig gefasst. Die Grundlage hierfür liefern die Analyse römischer Farbspuren am Original und Erkenntnisse der jüngeren Antikenforschung, wonach eine farbige Bemalung fest zur künstlerischen Aussage von griechischen und römischen Skulpturen gehörte.
Die besonderen Herausforderungen des Projekts erläuterte der Restaurator und Kunsthistoriker Dr. Michael Hauck, der als unabhängiger Berater das Projekt begleitet: »Während das Original aus Sandstein-Werksteinen und damit im Wesentlichen aus einem einzigen Material besteht, wurde die Replik für das Landesmuseum mit verschiedenen Materialien und technisch völlig anders ausgeführt. Die Bauweise und das stark unterschiedliche physikalische Verhalten der verschiedenen Materialien führten in mehr als 100 Jahren zur allmählichen Zerrüttung des Bauwerks und schließlich zum Verlust der Standfestigkeit. In den gründlichen Voruntersuchungen für eine Duplik ist es gelungen, zwei unterschiedliche Aspekte zusammenzuführen: Einerseits muss schon aus rein denkmalpflegerischen Gründen die Replik das Vorbild für die ,Kopie der Kopie‘ sein. Andererseits ist jedoch das Original in Igel als nachhaltig beständiger Quaderbau das Vorbild in bautechnischer Hinsicht.«
Die im Dezember begonnenen Abbauarbeiten laufen plangemäß und sollen bis Ende Februar abgeschlossen sein. Das vom Landesbetrieb LBB mit dem Rückbau beauftragte Unternehmen geht innerhalb der Einrüstung mit größter Behutsamkeit vor. Im Welschbilliger Saal des Landesmuseums werden alle Tafeln inventarisiert, wenn nötig stabilisiert und für ihre Einlagerung in einem Depot verpackt.
Der Neuaufbau der Duplik befindet sich in einer frühen Planungsphase. Fest steht bereits, dass sie wie ihr Vorbild innen hohl sein soll. Errichtet wird sie als Mauergefüge aus Betonquadern, die an ihren Außenseiten die Bildreliefs tragen.