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Internationale Regionalkrimis: Stephan Lake erfindet Genre

Trier. Vor kurzem erschien mit der Reihe um Elijah Leblanc ein weiterer Krimi der Sparte "Regionalliteratur". Doch das Werk von Stephan Lake ist nicht wirklich typisch für das Genre und überrascht den Leser mit interessanten Einblicken in die Stadt Trier.

Seit seiner Jugend begeistert sich Stephan Lake für den Kampf von Gut gegen Böse. Der promovierte Kommunikationswissenschaftler suchte daher die Möglichkeit, das Handeln von Polizei und Justiz sowie die Beweggründe von Verbrechern hautnah erleben zu können. Er landete schließlich bei Gericht als Reporter und stellt fest: "Es sind – äußerlich! – ganz normale und oft in jeglicher Hinsicht durchschnittliche Menschen, die zu Tätern werden." Diese beruflichen Erfahrungen einerseits und die Lektüre von Fachliteratur aus den Bereichen Psychologie sowie Interviews mit Kriminalpsychologen andererseits liefern die Inspiration für die in Teilen sehr blutigen Szenen in seinen Romanen. "Die Darstellung in der Literatur muss zwangsläufig auch schon mal brutal und blutig sein, denn Kriminelle, besonders Serienmörder, sind in der Realität brutal und blutig", erklärt Lake.

Wie entsteht eigentlich ein Roman?

Beim Verfassen eines Romans beginnt Lake mit einer Anfangsszene und entwickelt von dieser aus die Handlung. Dabei fällt die Wahl auf einen Protagonisten seiner beiden Reihen, Elijah Leblanc oder Joshua Palmer.  "In gewisser Weise erzähle ich mir ab da selbst eine Geschichte, die ich nicht kenne, und in der Tat überraschen mich meine Figuren manchmal mit dem, was sie sagen und wie sie handeln und wie sie damit die Geschichte in eine Richtung lenken, die ich nicht vorhergesehen habe." Dabei legt er großen Wert auf sorgfältig recherchierte Geschichten. "Ich beginne morgens und höre selten vor dem Abend auf. Wenn ich an spannenden Kapiteln schreibe, dann geht es auch schon mal bis in die Nacht", so Lake. Nachdem ein oder mehrere Absätze fertig gestellt sind, werden diese überarbeitet bis ein ganzer Roman entstanden ist.

Trier als Handlungsort nicht austauschbar

Eigentlich wollte Lake nie Regionalliteratur schreiben. Seine Vorliebe für Reisen und seine Zeit in Singapur und Shanghai prägen seine Bücher und führen dazu, dass seine Protagonisten international unterwegs sind. Jetzt hat er jedoch ein Werk erschaffen, das in Teilen zum Genre Regionalliteratur gehört: "Zum Teil spielt 'Schwesterherz' in Trier und Trier als Handlungsort wäre auch nicht beliebig gegen eine andere Stadt austauschbar. Zum einen wegen der Dialektszenen, zum anderen wegen des Geburtshauses von Karl Marx, das eben in Trier steht -und dann noch als Kopie in Shanghai. Und natürlich stammt die Hauptfigur Elijah Leblanc aus Trier und ist stark von der Stadt geprägt. Insofern ist 'Schwesterherz' sehr wohl Regionalliteratur. Aber gleichzeitig ist der Roman auch international, weil er zum Teil in Shanghai spielt und Elijah mehrere Jahre beim FBI in den USA war, was ihn ebenfalls stark geprägt hat. Vielleicht habe ich hier ein neues Genre kreiert – den internationalen Regionalkrimi."

Stadt nicht besonders glanzvoll dargestellt

Auch wenn Trier in seinem Werk als unverzichtbar erscheint, ist die Stadt  nicht besonders glanzvoll dargestellt. In Trier wird gemordet, der Dialekt ist für die Auswärtigen unverständlich. Lake wollte damit aber keinesfalls die Stadt negativ darstellen. "Mir lag daran, eine Figur zu erschaffen, die aus einer denkbar ungünstigen Startsituation heraus etwas aus ihrem Leben macht. Eine solche Figur ist wesentlich interessanter als eine, bei der immer alles glatt lief. Elijahs Eltern waren bzw. sind - sein Vater 'Gulli' lebt ja noch - Alkoholiker und Tagelöhner. Elijah hat sich als Kind und Jugendlicher dagegen aufgelehnt und, wider alle Wahrscheinlichkeit, den sozialen Aufstieg geschafft. Elijahs Jugend in Trier war also sehr schwierig und es hätte für ihn auch ganz anders ausgehen können. Daher hegt er eine gewisse Reserviertheit gegenüber der Stadt. Aber er hasst Trier nicht. Er verabscheut allerdings die Denk- und Lebensweise seiner Eltern und distanziert sich von ihnen."

Zweiter Leblanc-Krimi erscheint im Dezember

Die Hintergrundgeschichte zu Elijah Leblanc und seiner Jugend in Trier wird in der Fortsetzung von "Schwesterherz" näher beleuchtet: Der zweite Fall führt den Polizisten wieder nach Trier, wo er sich seiner Vergangenheit stellen muss. "Lebenslänglich" erscheint am 1. Dezember.

DT

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