Arnt Finkenberg

Interview mit dem zweifachen Davis-Cup Sieger Eric Jelen

Trier. Im Vorfeld des Davis-Cup Spiels Deutschland gegen die Schweiz am 3. und 4. Februar in der Trier Arena sprachen wir mit dem gebürtigen Trierer.

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Strahlende Sieger: Im Dezember 1988 gewann das DTB-Team mit (v.l.) Boris Becker, Patrik Kühnen, Teamchef Niki Pilic, Eric Jelen und Carl-Uwe Steeb den Davis Cup in Göteborg gegen die favorisierten Schweden um Mats Wilander und Stefan Edberg.

Strahlende Sieger: Im Dezember 1988 gewann das DTB-Team mit (v.l.) Boris Becker, Patrik Kühnen, Teamchef Niki Pilic, Eric Jelen und Carl-Uwe Steeb den Davis Cup in Göteborg gegen die favorisierten Schweden um Mats Wilander und Stefan Edberg.

Foto: Foto: Werek/imago

(VA) Tennisfans kommen am 3. und 4. Februar voll auf ihre Kosten, wenn in der Arena Trier die Davis-Cup-Qualifikationsrunde zwischen Deutschland und der Schweiz ausgetragen wird. Im Wochenspiegel-Interview stand der ehemalige deutsche Tennis-Profi und zweifache Davis-Cup-Champion Eric Jelen (57) - in Trier geboren und hier verwurzelt - Rede und Antwort.

Wochenspiegel: Worauf freuen Sie sich bei der anstehenden Davis-Cup-Qualifikationsbegegnung gegen die Schweiz am meisten?

Eric Jelen: Ich freue mich sehr, da der Davis-Cup erstmals in meiner Heimatstadt ausgetragen wird. Das wird etwas ganz Besonderes, zumal ich mit meiner Mutter gemeinsam in der Arena sein werde. Sie hat uns unheimlich unterstützt und ist dem Tennis sehr verbunden. Zu meiner aktiven Zeit hatte mich mein Vater nach New York zu den Australian Open begleitet, oder meine Mutter war in Brasilien dabei. Aber das erste Februarwochenende wird für uns eine Premiere, da wir nach meiner Profizeit das erste Mal gemeinsam Tennis gucken werden.

Erwarten Sie einen deutlichen Sieg der von Michael Kohlmann trainierten DTB-Mannschaft?

Das hängt von der Mannschaftsaufstellung ab, wobei ich auf einen deutschen Sieg in einer ausverkauften Arena Trier hoffe. Davis-Cup verspricht immer Spannung und es wäre für die Fans toll, Zverev spielen zu sehen. Olympiasieger Alexander Zverev ist bei den diesjährigen Australian Open nach rund sechsmonatiger Verletzungspause in der zweiten Runde ausgeschieden.

Wie schätzen Sie sein Potenzial ein?

Vieles wird darauf ankommen, wie sich Sascha körperlich fühlt. Er ist für mich ein Top 5-Spieler, der mit der in Roland Garros zugezogenen Verletzung sehr viel Pech hatte. Das wird ein harter Weg zurück, aber Zverev hat Selbstvertrauen.

Welche Chance bietet die Davis-Cup-Partie für Trier als Tennisstandort?

Ich habe in Trier mit dem Tennissport angefangen und nahe des Moselstadions bis zu meinem 14. Lebensjahr gespielt. Danach bin ich ins Leistungszentrum des Saarlands gewechselt. Daher wird das eine tolle Sache für Trier, da es ein Event für alle Altersklassen ist. Es kann Ansporn und Motivation sein und wird Werbung fürs Tennis bringen.

Wie sehen Sie die Entwicklung im deutschen Team?

Das schlechte deutsche Abschneiden in Melbourne ist schade, aber wir brauchen uns nicht zu verstecken. Hinter Zverev haben wir mit Daniel Altmaier und Oscar Otte talentierte Spieler und dazu ein starkes Doppel. Zu Altmaier pflege ich einen persönlichen Kontakt, da ich ihn aus unserer gemeinsamen Zeit beim Tennisverband Niederrhein kenne.

Sie haben an Olympia teilgenommen, Titel auf der Profi-Tour gewonnen und triumphierten gleich zwei Mal im Davis-Cup. Was war der emotionalste Erfolg und womit verbinden Sie die meisten Glücksgefühle?

Einer der schönsten und emotionalsten Erfolge war der erste Davis-Cup-Finalsieg, der Boris Becker, Carl-Uwe Steeb, Patrik Kühnen und mir im Dezember 1988 in Göteborg für Deutschland gelang. Damals besiegten wir Mats Wilander, Stefan Edberg & Co völlig überraschend, weil wir eine harmonische Truppe waren und auch heute noch eng befreundet sind. Die Mannschaftwettbewerbe haben mir am meisten Spaß gemacht, weshalb ich den Davis-Cup genoss. Sehr besonders war auch meine Olympia-Teilnahme in Seoul, auch wenn ich in der ersten Runde ausgeschieden bin.

Sie waren damals Doppelpartner von Boris Becker und haben den Davis-Cup 1988 und 1989 zusammen gewonnen. Wie eng ist Ihr Verhältnis?

Wir hatten immer ein sehr gutes Verhältnis zueinander und hatten auch nach seiner Haftentlassung Kontakt. Nach meiner aktiven Zeit war ich im Sportmarketing tätig, habe später für Boris Beckers Firma gearbeitet und Tennis-Events organisiert. Boris und ich sind sehr eng.

Sie wurden am 7. Juli 1986 die Nummer 23 der Welt und haben 1989 auf der Profitour einen Einzelsieg in Bristol gefeiert. Welchen Motivationsspruch können Sie talentierten Nachwuchsspielern mit auf den Weg geben, die noch ganz am Anfang ihrer Karriere sind?

Spaß und Leidenschaft sind sehr wichtig, da alle anderen Dinge dann automatisch kommen. Mir hat Tennis immer sehr viel Freude bereitet, weshalb für mich als Tennisprofi damals ein Traum wahr wurde. Wer vollen Einsatz, 100 Prozent und Disziplin gibt und hinter dem steht, was man macht, der ist auf einem guten Weg.

Roger Federer, oder Rafael Nadal?

Ich bewundere beide Superstars, da sie zusammen mit Djokovic über Jahrzehnte auf konstant hohem Weltklasseniveau dominiert haben und absolute Aushängeschilder sind. Das ist genial, wobei ich noch bisschen mehr Roger-Federer-Fan bin. Auf der anderen Seite ist es beeindruckend, wie einzigartig Sandplatzkönig Rafa Nadal in Paris aufgetreten ist.

Roland Garros, oder Wimbledon?

Wimbledon war mein Favorit, da ich Rasen liebte. Auf Rasen habe ich in Bristol auch meinen einzigen Einzel-Titel auf der Tour gewonnen. Waren Sie ein Tennis-Rüpel, oder auf dem Platz ein Gentleman? Im Jahr 1989 habe ich in Düsseldorf beim World-Team-Cup mal die Fair-Play-Trophy gewonnen, was mich sehr stolz machte. Ansonsten war ich nicht für Ausraster bekannt und ganz umgänglich.

Interview: Vinzenz Anton


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