Karl Marx Statue enthüllt - Denkmal polarisiert

Zahlreiche Reden, Proteste und Demonstrationen in Trier

Trier. Der 5. Mai 2018 wird in Triers Geschichte eingehen - als der Tag, an dem sich in Trier alles um Karl-Marx gedreht und die ganze Welt zugeschaut hat. Allein 28 Kamerateams und rund 150 Journalisten aus aller Welt machten die lang erwartete Enthüllung der vieldiskutierten und umstrittenen Karl-Marx-Statue auf dem Simeonstiftplatz zu einem internationalen Medienereignis.

Bei sommerlichen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein hatten sich zum Festakt der Enthüllung der Karl-Marx-Statue auf dem Simeonstiftplatz nach Polizeiangaben neben den Medienvertretern und den zahlreichen Ehrengästen - darunter die Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau, die Bundesjustizministerin und Trierer Bundestagsabgeordnete Katarina Barley, die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles sowie eine Delegation aus Triers chinesischer Partnerstadt Xiamen, rund 3.000 Menschen eingefunden.

Bevor die 2,3 Tonnen schwere Bronzestatue des chinesischen Künstlers Wu Weishan enthüllt wurde, gingen die Festredner auf die zahlreichen Diskussionen der vergangenen zwei Jahre um Bedeutung, Größe und künstlerische Gestaltung der Statue, die ein Geschenk der Volksrepublik China an die Stadt Trier anlässlich des 200. Geburtstages von Karl Marx ist, ein.

Müssen Marx nicht verstecken

Oberbürgermeister Wolfram Leibe betonte in seiner Ansprache, die Stadt Trier habe sich nach einer breiten Diskussion in einem „bewussten Akt“ für die Annahme des Geschenks und die Aufstellung der Statue entschieden. „Wir müssen Karl Marx nicht verstecken und freuen uns über diese Geste der Freundschaft der Volksrepublik China an seine Geburtsstadt,“ so der Trierer Oberbürgermeister.

Nicht zum Heiligen sprechen

Ministerpräsidentin Malu Dreyer wertete das Marx-Denkmal als Brückenpfeiler der Partnerschaft zwischen Deutschland und China. „Sie soll dazu dienen, sich gegenseitig zu verstehen und sich auszutauschen auch über unterschiedliche Haltungen und Meinungen“, sagte Dreyer.

"Das Geschenk aus China empfinde ich als eine Säule und Brücke der Partnerschaft, so die Ministerpräsidentin. Der 200. Geburtstag von Marx sei eine Gelegenheit, neu auf Marx zu blicken und sich mit ihm auseinanderzusetzen. Dreyer rief zu einem differenzierten Blick auf den Philosophen auf: "Man kann Karl Marx nicht die Gräueltaten im 20. Jahrhundert anheften und er eignet sich genauso wenig zum Heiligen."

Marx Ideen und chinesischer Pragmatismus

An der Spitze der großen chinesischen Delegation stand Guo Weimin, Vizeminister des Informationsbüros im Staatsrat der Volksrepublik China. Die Statue sei ein Zeichen des kulturellen Austauschs zwischen China und Deutschland, auf dessen Gedeihen die chinesische Regierung größten Wert lege, erklärte Guo. Die Philosophie von Marx, deren Grundlagen in der besonderen Atmosphäre der Stadt Trier geformt worden seien, bezeichnete der Vizeminister als „kostbaren geistigen Reichtum der Menschheit“ und „großartige Instrumente der Erkenntnis“. Der chinesische Botschafter in Berlin, Shi Mingde, bezeichnete die Statue als "Zeugnis unseres freundlichen Austausches". Damit wolle die Volksrepublik "dem großen Karl Marx unseren Respekt und das Gedenken Chinas und der chinesischen Bevölkerung vermitteln." China habe die Gedanken von Karl Marx weiterentwickelt und unter Berücksichtigung der chinesischen Geschichte und kultureller Eigenheiten  pragmatisch in die Moderne umgesetzt. Damit gehe die Volksrepublik ihren eigenen Weg, betonte Mingde.

Große Skulptur für großen Philosophen

Baudezernent Andreas Ludwig ging in seinem Rückblick auf die Entstehungsgeschichte der Statue auch auf die Gefühle des Künstlers 'Wu Weishan an, der die zunächst von Trierer Seite vorgeschlagene kleinere Variante der Statue auf einem Platz in der Nähe des Karl-Marx Hauses ablehnte und sich getreu seiner Überzeugung "ein großer Philosoph braucht auch eine große Skulptur“ letztlich durchgesetzt hat. Auch, wenn die ursprünglich auf 6,30 Meter geplante Statue nun "nur" 5,50 Meter hoch sei. 

Der Künstler selbst zeigte sich hoch erfreut, dass Marx, der von Trier mit 17 Jahren in Welt ging, wieder zurück sei und erklärte mit Bezug zum strahlenden Sonnentag: „Der Sonnenschein heute steht für die Freundschaft, die Liebe und eine gute Zukunft voller Glück".

Fakten zur Statue

Die 2,3 Tonnen schwere Bronzestatue, die auf einem stufenförmig angelegten Treppensockel aus Basaltlava-Blöcken steht, erreicht eine Gesamthöhe von 5,50 m und wird durch integrierte LED_Lichtleisten und- spots beleuchtet. Der Sockel hat fünf abgerundete Ecken, die für die fünf wichtigsten Lebensstationen von Karl Marx stehen: Trier, Berlin, Hamburg (dort lebte sein Verleger), Paris und London. Die Gesamtkosten der Statue belaufen sich nach Auskunft des Presseamtes auf 92.500 Euro, von denen Trier für die Errichtung etc. 36.500 Euro übernimmt. Die Stadtwerke Trier kommen für die Beleuchtungskosten auf.

Demonstrationen und Proteste  

Begleitet wurden die Enthüllungsfeierlichkeiten von zahlreichen teilweise lautstarken Protesten. Die größte Gruppe bildeten dabei die Aktivisten des "Karl-Marx-Bündnisses". Die mit rund 250 Teilnehmern bereits um 9.30 Uhr am Viehmarktplatz gestartete Kundgebung machte an mehreren Stationen in der Trierer Innenstadt Halt und wuchs zum Ende der Veranstaltung auf  dem zugewiesenen Platz im Margaretengässchen mit Blick auf die Karl Marx Statue auf rund 500 Teilnehmer an.   

Mit rund 70 Anhängern zog die AfD durch die Stadt in Richtung des Festaktes, das Multikulturelle Zentrum Trier setzte diesen etwa 150 Demonstranten entgegen, die sich lautstarke verbale Auseinandersetzungen lieferten.

Mehrere Hundertschaften an Polizeibeamten aus dem Bereich des Polizeipräsidiums Trier, ganz Rheinland-Pfalz sowie dem Saarland und Nordrhein-Westfalen hatten die Lage aber jederzeit im Griff.

 Der für den polizeilichen Einsatz verantwortliche Leiter der Polizeidirektion Trier, Polizeidirektor Ralf Krämer, zeigte sich denn auch sehr zufrieden mit dem Verlauf des Polizeieinsatzes und lobte auch die Demonstranten. "Die Anmelder der Demonstrationen und Kundgebungen haben sich an die Absprachen gehalten, die in den vorausgegangenen Kooperationsgesprächen gemeinsam getroffen wurden. Die Teilnehmer haben sich sehr diszipliniert verhalten! ", bilanzierte Krämer nach Ende des Polizeieinsatzes am Samstagnachmittag.

Fin/Red/PA Fotos: Funkbild

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.