Karriere in der Region

Trier. Die Zeiten für Berufseinsteiger und Jobsuchende sind seit einiger Zeit besonders komfortabel. Auch in der Region Trier sind Fachkräfte in vielen Branchen heiß begehrt. Die Firmen reagieren darauf und setzen auf familienfreundliche Arbeitsplätze und zusätzliche Benefits, um sich im Wettbewerb um gute Mitarbeiter vorteilhaft zu positionieren. Der Wochenspiegel hat dazu mit drei Unternehmen aus dem Raum Trier gesprochen.

Am Hochschulstandort Trier drängen in vielen Bereichen regelmäßig gut ausgebildete Fachkräfte auf den Arbeitsmarkt. Gut qualifiziert können sich Arbeitssuchende heute viel eher aussuchen, wo sie tätig sein möchten – und zu welchen Konditionen. Und die Firmen müssen sich inzwischen viel eher ins Zeug legen, um passende Mitarbeiter zu finden und dauerhaft halten zu können. Tatsächlich gibt es je nach Branche jedoch sehr große Unterschiede.

Situation auf dem Arbeitsmarkt

Insgesamt ist die Arbeitslosenquote in der Region die letzten Jahre kontinuierlich gesunken und liegt derzeit bei niedrigen 3,6 Prozent, so die Zahlen der Arbeitsagentur für den Februar 2019. 

Die Region zeichnet sich durch ein breites Spektrum, vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen aus. Die stärksten Branchen finden sich im Gesundheitswesen, im Einzelhandel und im Baugewerbe, dicht gefolgt von der Nahrungs- und Genussmittelherstellung. Traditionellerweise ist in der Region im nationalen Vergleich auch der Dienstleistungsbereich – nicht zuletzt auch durch den Tourismus – sehr stark. Der Anteil des produzierenden Gewerbes war in den letzten Jahren etwas rückläufig. Dennoch werden in beiden Sektoren Arbeitskräfte gesucht. 

Hochqualifizierte Absolventen der Trierer Hochschulen finden passende Stellen bei einigen Firmen im Technologiepark oder orientieren sich auch in Richtung Luxemburg. Dort locken vor allem die üblicherweise höheren Gehälter. Dafür nehmen es einige Arbeitnehmer auf sich, regelmäßig zu pendeln. 

Werben um die besten Fachkräfte

Der Bedarf an gut qualifizierten Fachkräften ist in vielen Branchen hoch. Allerdings haben die Unternehmen dabei jeweils mit ganz eigenen Herausforderungen zu kämpfen. Der Wochenspiegel hat zu diesem Thema drei Unternehmen gesprochen, die aus unterschiedlichen Bereichen stammen:  

  • Die seo2b ist eine Onlinemarketing-Agentur mit den Schwerpunkten Suchmaschinenoptimierung und Content-Marketing. Am Standort in Trier hat sich das Unternehmen seit der Gründung vor rund 12 Jahren auf heute 30 feste Mitarbeiter vergrößert und gehört zu den umsatzstärksten Agenturen Ihres Segments.
  • Das Traditionsunternehmen Dr. Oetker beschäftigt am Standort in Wittlich knapp 1.350 Mitarbeiter. Dort laufen täglich rund eine Million Tiefkühlpizzen vom Band. Neben der Produktion finden sich dort auch die Bereiche der Qualitätskontrolle und die Verwaltungsabteilung.   
  • Das Hotel Park Plaza zählt als Vier-Sterne Haus, Tagungshotel mit eigenem Restaurant und einem ausgedehnten Wellness-Bereich zu den Rundum-Dienstleistern im Bereich Gästebetreuung und Bewirtung. Ein Team aus rund 50 Mitarbeitern kümmert sich in den verschiedensten Tätigkeitsfeldern um alle anfallenden Aufgaben.  

In der Tourismusbranche mit den Schwerpunkten Gastronomie und Hospitality ist traditionsgemäß der Bedarf an speziellen Fachkräften aber auch beim Servicepersonal hoch. „Gerade unsere Branche kämpft mit einem schwierigen Arbeitsmarkt“, sagt dazu Christopher Griefnow – stellvertretender Direktor des Park Plaza Hotels in Trier. „Die Besonderheiten der Hotellerie und Gastronomie liegen im Kern unserer Arbeitszeiten. Gastronomen arbeiten mit Herzblut, immer zu den Zeiten an denen andere frei haben. Unser Beruf ist ein Handwerk, bei dem wir stets mit vollem Körpereinsatz viele Stunden auf unseren Füßen verbringen“. 

Darauf hat das Hotelunternehmen mit seiner Personalpolitik reagiert. „Aufgrund sehr guter Arbeitsbedingungen, übertariflicher Bezahlung, Weiterbildungsmöglichkeiten und vielen weiteren Benefits, sind wir allerdings in der glücklichen Lage, unsere Fachkräfte langfristig an uns zu binden und diese mit uns wachsen zu sehen“, so Griefnow. 

Als internationaler Konzern setzt Dr. Oetker bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter auf eigens organisierte Aktivitäten. „Wir achten darauf, dass wir über die Stellenausschreibungen hinaus verschiedene Aktionen und Maßnahmen bieten – von der Personalentwicklung bis zum betrieblichen Gesundheitsmanagement. Außerdem legen wir Wert auf den direkten Dialog mit unseren Zielgruppen, ob Schüler oder Hochschulabsolvent“, sagt Tamara Neumann, die Personalleiterin im Werk Wittlich. „Deswegen initiieren wir eigene Bewerbertage und Flyer-Aktionen und sind auf unterschiedlichen Berufsmessen für Jobsuchende und Auszubildende, wie der TAKE OFF und der Future, präsent.“ 

Gerade jüngere Absolventen wissen oft nicht, wie vielfältig die Arbeitsmöglichkeiten auch in einer industriellen Produktion sein können. Die eigens initiierten Veranstaltungen sind deshalb eine gute Herangehensweise, um Interessenten zu informieren. 

Neue Anforderungen im modernen Berufsalltag

Eine ganz andere Herausforderung hat die Agentur seo2b: Der Bereich Suchmaschinenoptimierung (SEO) ist noch eine relativ junge Disziplin, in einer gewachsenen Branche durch Google & Co.. „Spezielle Ausbildungsmöglichkeiten gibt es bislang nur Wenige“, so Timo Abid, Co-Founder und CEO der Agentur. „Dementsprechend hoch ist bei uns die Quote an junge Studienabsolventen, die bei uns ausgebildet werden und auch Quereinsteigern. Die speziellen Fachkenntnisse erwerben unsere Mitarbeiter dann schrittweise in der Praxis. Daher ist eine intensivere Einarbeitungszeit notwendig.“ Bewerber müssten vor allem die Motivation und Bereitschaft mitbringen, stets dazuzulernen. Denn gerade im Online-Marketing und speziell in der Suchmaschinenoptimierung gibt es stets neue Entwicklungen, die berücksichtigt werden müssen.      

Auch Tamara Neumann kann dies bestätigen. Bei Dr. Oetker müssen die Mitarbeiter ebenfalls offen sein und sich künftig auf Veränderungen bei herkömmlichen Arbeitsabläufen einstellen. „Die Besonderheiten in den meisten Berufen im gewerblich-technischen Bereich liegen in den kontinuierlichen Herausforderungen im Rahmen der zunehmenden Technologisierung und Digitalisierung. Aus diesem Grund achten wir auf die kontinuierliche Weiterentwicklung und Befähigung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowohl im gewerblich-technischen als auch im kaufmännischen Bereich.“

In der heutigen Zeit hat lebenslanges Lernen eine große Bedeutung. Kaum eine Branche ist davon ausgenommen. Selbst in einem Hotel kommen ständig neue Herausforderungen hinzu. Auch im Hotel Plaza werden die Mitarbeiter deshalb bei verschiedenen Weiterbildungsmaßnahmen unterstützt. 

Gute Work-Life-Balance ist besonders gefragt 

Zudem sind die Arbeitszeiten in einigen Branchen ein wichtiges Thema. Christopher Griefnow weiß, dass Freizeit und Familie vielen sehr wichtig ist. „In der fordernden Gastronomie- und Hotelleriebranche liegt unseren Bewerbern und Angestellten eine ausgeglichene Work-Life-Balance, faire Arbeitszeiten und ein gutes Betriebsklima besonders am Herzen“, sagt er. 

Auch bei Dr. Oetker spielen geregelte Arbeitszeiten eine immer größere Rolle. „Grundsätzlich stellen wir fest, dass unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie potentiellen Bewerbern ein sicherer Arbeitsplatz sowie eine klare Organisation sehr wichtig sind“, so die Erfahrung von Tamara Neumann. Wenn beide Elternteile berufstätig sind, muss die Kinderbetreuung gut geplant werden können. Hier helfen klar geregelte Zeiten dabei, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen.   

Das Unternehmen setzt zudem auf Gesundheitsvorsorge. „Im Rahmen unseres betrieblichen Gesundheitsmanagements, welches auf Prävention setzt, haben wir auf unserem Firmengelände einen eigenen betrieblichen Fitnessbereich eingerichtet“, berichtet Tamara Neumann. 

Die Agentur seo2b setzt bei seinen Mitarbeitern vor allem auf die Möglichkeit, sein Arbeitsumfeld und Aufgaben stark selbst zu bestimmen. Hierzu gehört auch im Home-Office arbeiten zu können. „Da bei uns primär am „online“ gearbeitet wird, nutzen bei uns viele Angestellte diese Option. Durch den Wegfall von Anfahrten ins Büro und wieder nach Hause bleibt mehr Freizeit. Unsere Mitarbeiter schätzen dies als echtes Plus an Lebensqualität“, so Timo Abid. Wichtig sei allerdings eine gut funktionierende Kommunikation. „Wir lassen unsere Leute zuhause nicht alleine. Jeder hat immer einen passenden Ansprechpartner zur Hand und ist auch regelmäßig in der Agentur. “

Unter das Schlagwort Work-Life-Balance fällt nicht zuletzt auch das Betriebsklima. Ein Punkt, der sich allerdings nur sehr schwer messen lässt. Ein ehrlicher Umgang miteinander und ein offenes Ohr sowohl für Probleme als auch für Vorschläge sollte selbstverständlich sein. Darüber hinaus können auch verschiedene Benefits dazu beitragen, dass die Mitarbeiter ihr Bestes geben und gerne zur Arbeit kommen.  

„Wir organisieren regelmäßig gemeinsame Events, bei welchen wir den Teamgeist unserer Mitarbeiter fordern und stärken“, gibt Christopher Griefnow ein Beispiel. Auf solche Erlebnisse im Team setzen auch die anderen Unternehmen. Dr. Oetker ist es besonders wichtig, auch die ganze Familie mit an Bord zu nehmen. „Wir bieten Ferienfreizeiten und Weihnachtsfeiern für die Kinder unserer Mitarbeiter an.“

Das jährliche Weihnachtsfest gehört bei der seo2b ebenfalls zum Standard. Darüber hinaus finden auch übers Jahr verteilt immer wieder Firmenevents statt. „Hier bleiben Gespräche über die Arbeit außen vor und die Mitarbeiter lernen sich von einer ganz anderen Seite kennen. Das fördert die Kommunikation und den Zusammenhalt“, bekräftigt Timo Abid. 

Zusätzliche Benefits sind gerne gesehen  

Im „Rennen“ um die besten Fachkräfte sind es am Ende oft die Details, die für die Bewerber den Unterschied machen. Neben Zuschüssen zur betrieblichen Altersvorsorge bietet die seo2b GmbH deshalb zusätzliche Boni für gute Leistungen. "Eine faire und leistungsgerechte Bezahlung ist ebenfalls ein wichtiger Punkt um unsere Wertschätzung der Arbeit zu zeigen und die Motivation aufrechtzuerhalten“, so Abid.  

Im Hotel Plaza profitieren die Mitarbeiter auf ganz andere Weise, erzählt Christopher Griefnow: „Aufgrund unserer Zugehörigkeit zur Radisson Hotel Group, erfreuen sich unsere Mitarbeiter an weltweiten Mitarbeiterhoteltarifen. Zusätzlich bieten wir ihnen hochwertige Personalverpflegung in unserer hauseigenen Kantine.“  Das Beispiel zeigt, wie vielfältig solche Benefits ausfallen können. Neben einem geldwerten Vorteil unterstützen solche Vergünstigungen oder zusätzlichen Leistungen auch die Mitarbeiterbindung ans Unternehmen. 

Auch bei Dr. Oetker gibt es ein Betriebsrestaurant, das nahezu rund um die Uhr geöffnet ist. Hier gibt es für alle Mitarbeiter ein abwechslungsreiches Angebot an Speisen und Getränken. „Im Dr. Oetker Mitarbeiter Shop können zudem Dr. Oetker Produkte zu vergünstigten Preisen erworben werden“, ergänzt Tamara Neumann. „Wir garantieren unseren Mitarbeitern zudem eine marktgerechte Vergütung sowie attraktive Sozialleistungen, wie zum Beispiel Sondervergütungen in Form von Urlaubs- und Weihnachtsgeld.“ 

Personalpolitik auch eine Imagefrage

Am Ende profitiert auch der Ruf eines Unternehmens von einem guten Umgang mit den Mitarbeitern und zusätzlichen Leistungen. „Durch das Einhergehen der positiven Grundstimmung in unserem Unternehmen und der gebotenen Benefits genießen wir einen guten Ruf bei unseren Bewerbern und Mitbewerbern“, bestätigt dies Christopher Griefnow. In der Branche sprechen sich gute als auch schlechte Arbeitsbedingungen schnell herum. Dementsprechend leicht oder schwer fällt es, neue Mitarbeiter zu finden. 

Arbeitgeber haben zudem verschiedene Möglichkeiten, Ausgaben etwa für Mitarbeiterboni steuerlich geltend zu machen – ein positiver Nutzen für beide Seiten. Solche Zusatzleistungen sind bei vielen Fachkräften gerne gesehen. „Bei Park Plaza steht der Mitarbeiter im Fokus, daher nehmen wir gerne jede Hürde, um Benefits erfolgreich in unserem Unternehmen zu implementieren und schöpfen den steuerlich und gesetzlich geregelten Rahmen im Sinne unserer Mitarbeiter gerne aus“, sagt Griefnow. 

Timo Abid kann dem nur zustimmen: „Ein guter Arbeitgeber zeichnet sich unter anderem auch dadurch aus, dass er ein offenes Ohr für seine Mitarbeiter hat und auch deren Anregungen ernst nimmt. Regelmäßige Gespräche, zeigen, dass ein wirkliches Interesse an der Person und nicht nur an seiner Leistung gegeben ist. Zudem ist die flache Hierarchie in unserem Unternehmen bei Bewerbern immer wieder gerne gesehen. Wer seinen Mitarbeiter Wertschätzung gegenüber bringt, wird auch automatisch von einem positiven Image profitieren“.

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