SP

Keine Klage gegen Atomkraftwerk Cattenom

Trier. Das Atomkraftwerk (AKW) im französischen Cattenom entspricht nicht den heutigen Sicherheitsstandards für den Neubau von Atomanlagen. Das geht aus einem neuen Gutachten hervor. Eine Klage gegen das AKW wird es dennoch nicht geben.

Das grenznahe AKW, das auch als Pannenmeiler bekannt ist, entspricht nicht den heutigen europäischen Sicherheitsstandards für den Neubau von Atomanlagen und kann dieses Niveau auch durch Nachrüstungen nicht mehr erreichen. Das geht aus dem sicherheitstechnischen Gutachten hervor, das das Öko-Institut in Darmstadt im Auftrag der Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und des Saarlands erstellt hat. Für die Mainzer Umweltministerin Ulrike Höfken steht fest: "Cattenom stellt ein hohes Risiko für die gesamte Region dar." Eine Klage gegen den Weiterbetrieb des AKW werden die beiden Bundesländer dennoch nicht einreichen. Zur Begründung verwies Höfken auf die hohen Kosten für eine lückenlose Beweisführung bei gleichzeitig geringen Erfolgsaussichten vor einem französischen Gericht. Nun gelte es, die Ergebnisse des Gutachtens "als weitere Argumentationsgrundlage für den politischen Dialog" mit Frankreich zu verwenden. Höfken denkt dabei insbesondere an das anstehende Verfahren für eine Laufzeitverlängerung um weitere zehn Jahre.

"Sehr enttäuscht und frustriert"

Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe zeigte sich in einer ersten Reaktion "sehr enttäuscht und frustriert" von dem Ergebnis: "Für mich stellt sich jetzt die Frage, wie ich das den Menschen vermitteln soll. Trotz vieler Anläufe kommen wir nicht voran." Leibe hatte 2016 nach einem Beschluss des Stadtrats ein regionales Bündnis gegen den Weiterbetrieb von Cattenom initiiert, dem sich auch der Landkreis Trier-Saarburg sowie weitere Kommunen aus dem Saarland und Luxemburg angeschlossen hatten.

Gutachten zählt Defizite auf

In dem Gutachten des Öko-Instituts werden acht Defizite des AKW Cattenom aufgezählt, die alleine oder in der Summe schwerwiegende Risiken für die Menschen und die Umwelt zur Folge haben können. Demnach bestehe die Gefahr, dass das Feuerlöschsystem und die Notstromversorgung bei einem Erdbeben ausfallen. Weiter wird bemängelt, dass die Anlage nur für den Absturz kleinerer Flugzeuge gerüstet sei, nicht aber gegen den unfallbedingten oder gewollten Absturz einer größeren Verkehrsmaschine, der die sehr frühe  Freisetzung großer Mengen Radioaktivität zur Folge haben könne.

RED/PA

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.