Andrea Fischer

Kennen Sie schon »Frau Werkel«?

Trier (RoB). Im Kreativort des Trierer Frauenhauses entsteht Nützliches, Schönes – und Selbstwertgefühl

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Haben viel Freude mit Frau Werkel: (vlnr.) Teofila, Anna Isaeva, Claudia Berlingen, Besahuit.

Haben viel Freude mit Frau Werkel: (vlnr.) Teofila, Anna Isaeva, Claudia Berlingen, Besahuit.

Foto: Robert Herschler

Frauenhaus - wer denkt bei diesem Wort schon an Kreativität, Spaß, oder Handwerkskunst? Und doch ist dies auf besondere Weise Realität geworden, denn das Frauenhaus Trier betreibt seit 2019 einen kleinen Laden in der Böhmerstraße namens »Frau Werkel«, in dem sich ehemalige Bewohnerinnen unter fachkundiger Anleitung kreativ und kommunikativ ausleben und erproben können.

 

Frauen, die vor der Gewalt ihrer Partner im Frauenhaus Trier Schutz finden, bleiben dort – oftmals auch mit ihren Kindern – mitunter über mehrere Monate, bis sie woanders ein neues Leben beginnen können. In dieser oft sehr schwierigen Zeit werden diese Frauen und deren Kinder durch verschiedenste kreative Angebote auf andere Gedanken gebracht, in ihrem Selbstwertgefühl und ihrer Selbstwirksamkeit gestärkt und so auch auf das Leben danach vorbereitet.

 

Aber selbst dann, wenn der Absprung geschafft wurde, kommen diese Frauen in der Nachbetreuung immer wieder gerne auf diese Angebote zurück. »Besonders Nähen und Malen stehen hoch im Kurs,« versichert Claudia Berlingen, Mitarbeiterin der Frauenhaus-Beratungsstelle, »doch was uns damals fehlte, war ein fester Ort für all diese kreativen Angebote.«

 

Als jedoch 2019 ein Sachkostenzuschuss des Landes Rheinland-Pfalz zugesagt wurde, ging alles sehr schnell: ein Konzept wurde erarbeitet und ein geeignetes Ladenlokal mit zwei Räumen – einer für die Näharbeiten, der andere für das Malen und einem großen Schaufenster - schnell gefunden.

 

Zu guter Letzt sicherte eine Großspende für mehrere Jahre die Finanzierung der Mietkosten, und es musste nur noch ein passender Name entwickelt werden, der drei Welten auf kreative Weise zusammenfassen sollte: ehemalige Bewohnerinnen des Frauenhauses, handwerkliche Kreativität und einen guten Schuss Humor. Kurze Zeit später wurde »Frau Werkel« geboren und mit Anna Isaeva, Diplom-Modedesignerin und Inhaberin eines Trierer Textildruck-Geschäftes, eine Frau gefunden, die mit Begeisterung und Fachkenntnis andere Frauen beim Erlernen der Nähkunst gekonnt unterstützt.

 

Die Endprodukte des gemeinsamen Werkens – darunter Kissenbezüge, Handytaschen, Schürzen, Einkaufstaschen, vieles davon auch gehäkelt – werden dann für geringe Spendenbeträge im Schaufenster zum Kauf angeboten.

 

»Aber es gibt hier viel mehr als nur einen Raum zum Nähen oder Malen.,« berichtet Besahuit, die vor einigen Jahren im Frauenhaus war und längst wieder ein ganz normales Leben führt. »Hier ist auch ein Ort, wo wir uns in einem geschützten Rahmen als Frauen untereinander austauschen können, offen und freundschaftlich.« Anna, Teofila und Claudia Berlingen, die an diesem Tag mit ihr am Nähtisch sitzen, nicken bestätigend und widmen sich sogleich wieder verschiedenen Tätigkeiten. Da wird Stoff ausgemessen, ein Flicken angenäht und unter fachkundiger Anweisung ein Faden eingefädelt. Doch immer wieder wird die konzentrierte Atmosphäre vom Lachen der Frauen durchbrochen.

 

»Frau Werkel«, so fasst Anna Isaeva das Ladenkonzept des Frauenhauses schließlich zusammen »ist vor allem ein Ort, wo man seine Sorgen eine Zeit lang vergessen und so ein gutes Stück weit zu sich selbst finden kann.«

 

Falls Sie das Frauenhaus unterstützen und gleichzeitig etwas Nützliches und Schönes erwerben wollen, dann besuchen Sie »Frau Werkel« donnerstags zwischen 13 und 16 Uhr und an jedem ersten Donnerstag im Monat sogar bis 18 Uhr in der Böhmerstraße 22.


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