Kinderkrebsstation: "Die Situation ist nicht hinnehmbar"

Kinderonkologie im Mutterhaus hat personelle Engpässe

Trier. Es ist wohl die schlimmste Diagnose, die Eltern erhalten können: Das eigene Kind hat Krebs. In Trier wird diese schon schwierige Situation derzeit noch zusätzlich verschärft: Im Klinikum Mutterhaus klafft eine Personallücke. Die Versorgung krebskranker Kinder kann derzeit nur ambulant geleistet werden.

Aus personellen Gründen konnten bereits seit Anfang 2018 neu an Krebs erkrankte Kinder in der Phase der intensiven stationären Chemotherapie nicht mehr im Mutterhaus betreut werden. Die Kinder wurden in dieser Phase an der Universitätskinderklinik Homburg, einem Kooperationspartner des Mutterhauses, behandelt. Die kleinen Patienten wurden in dieser Zeit ambulant und in der Nachsorge im Mutterhaus betreut. Kinder, bei denen vor dem Jahr 2018 Krebs diagnostiziert wurde, konnten weiterhin im Mutterhaus stationär behandelt werden. Kinder mit Neu-Diagnose konnten allerdings in Absprache mit dem behandelnden Zentrum zu einzelnen Untersuchungen oder Therapien aufgenommen werden. Nun ist auch das nicht mehr möglich. Trotz intensiver Bemühungen ist es dem Mutterhaus bislang nicht gelungen, Nachfolger für zwei Kinderonkologen zu finden, die Ende März und Ende Juni 2019 das Klinikum verlassen haben. Die Folge: Derzeit ist nur noch eine ambulante Behandlung der kleinen Patienten möglich.

Ambulante Versorgung nicht gewährleistet?

Das Mutterhaus hatte dazu eine Pressmitteilung herausgegeben. Auf den entsprechenden WochenSpiegel-Artikel meldete sich eine Leserin, die berichtete, dass auch die ambulante Versorgung im Mutterhaus derzeit nicht gegeben sei. Sie erzählte von einem Fall aus ihrem eigenen familiären Umfeld, bei welchem Eltern und Kind für eine Spritze in die Universitätsklinik nach Homburg fahren mussten. Ebenfalls berichtete sie, dass die beiden noch verbliebenen Ärzte nicht durchgehend auf der Station vertreten seien.

Mutterhaus bezieht Stellung

Auf WochenSpiegel-Anfrage heißt es von Seiten des Mutterhauses: "Die ambulante Versorgung kann durch einen kinderonkologischen Oberarzt und durch die Fachärztin, die ihre Weiterbildung mit der Prüfung Anfang August erfolgreich abschließen kann, gewährleistet werden. Selbstverständlich hat sich am umfangreichen ganzheitlichen Betreuungsangebot für die jungen Patienten sowie deren Familien durch das Nachsorgezentrum 'Villa Kunterbunt' nichts geändert." Und weiter: "Die ambulante Versorgung in Trier erfolgt im Rahmen einer KV-Ermächtigung. Dies setzt die persönliche Leistungserbringung durch den ermächtigten Arzt oder einem benannten Vertreter voraus, der eine entsprechende Qualifikation, in diesem Fall Kinder-Hämatologie hat. Dies kann werktags von uns gewährleistet werden, nicht jedoch uneingeschränkt an Wochenenden. Vor diesem Hintergrund kann es deshalb immer mal wieder zu Ausnahmefällen kommen." Warum ein krebskrankes Kind extra für eine Spritze nach Homburg fahren muss, erklärt das Klinikum Mutterhaus so: "Da die Gabe von Chemotherapeutika eine ärztliche Expertise in der Kinder-Hämatoonkologie voraussetzt, kann auch aus medizinischen Gründen die Tätigkeit des Verabreichens von Chemotherapie nicht ohne weiteres auf einen Kollegen delegiert werden, der nicht Kinder-Hämato-Onkologe ist."

"Situation nicht hinnehmbar"

Kritisch bewertet wird die derzeitige Situation im Mutterhaus auch vom Förderverein krebskranker Kinder. Auf WochenSpiegel-Anfrage heißt es: "Die Kinderkrebsstation wurde vor 30 Jahren von Prof. Dr. Rauh aufgebaut und zu dem gemacht, was sie bis vor kurzem noch gewesen ist: Eine kompetente Station, die den betroffenen Kindern und Familien aus der Region helfen konnte. Die derzeitige Situation ist für uns nicht hinnehmbar. Betroffenen Kindern und Eltern werden erhebliche Belastungen zugemutet, die es vorher nicht gab. Alleine die zeitaufwendige Reise nach Homburg und die damit verbundenen familiären Schwierigkeiten - wie Haushalt, Kinderversorgung und der finanzielle Aufwand - bedeuten erhebliche Belastungen der Betroffenen", sagt Eugen Schuh, erster Vorsitzender des Vereins. Der geschilderte Fall ist ihm bekannt. "Ich gehe einmal davor aus, dass es ein Einzelfall gewesen ist. Ich habe dies auch anlässlich eines persönlichen Gespräches mit Dr. Thomas vorgetragen und bei diesem Gespräch erfahren, dass weiterhin fieberhaft nach onkologischen Ärzten gesucht würde, um die Station wieder zu eröffnen."

Ärztesuche geht weiter

Das Klinikum Mutterhaus hat laut eigenen Angaben mehrere Stellenanzeigen geschaltet, mit professionellen Arbeitsvermittlern zusammengearbeitet und zahlreiche persönliche Gespräche mit in Frage kommenden Kandidaten, auch in anderen Kliniken, geführt. Die Suche dauert derzeit aber weiter an.

SP

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