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Kreativität findet Stadt

Kaum ein Bild kann eine höhere Symbolkraft entfalten: Die ehemalige Staatsanwaltschaft auf dem Irminenfreihof in Trier wird am 23. Und 24. Oktober zur Projektionsfläche einer audio-visuellen Live-Performance. Eine elektronische Klangwelt soll dann in Echtzeit durch eine Software in Bilder überführt und an die Fassade der alten Staatsanwaltschaft projiziert werden. Eins macht dieses Beispiel deutlich: Trier will an diesem Wochenende sein kreatives Gesicht zeigen. Der Fachbereich Gestaltung der Hochschule Trier organisiert gemeinsam mit der Stadt Trier die ersten Design- & Kulturtage. Kann sich die Moselmetropole dadurch als Kreativhochburg neu erfinden?
Bilder

Ausstellungen, Konzerte, ein Wissenschaftssymposium, eine große Modenschau mit Verleihung des Trierer Modepreises, ein Designkaufhaus, ein Schülertag und vieles mehr. All das soll das innovative Potential des Kultur- und Kreativstandorts Trier dokumentieren und in die breite Öffentlichkeit tragen. "Das besondere ist, dass unterschiedliche Fachbereiche unserer Hochschule für die Projekte zusammenarbeiten", betont Selâle Franger, Fachbereichskoordinatorin / Marketing und Events des Fachbereichs Gestaltung. So werde etwa die Projektion eines Computerspiels auf die Porta Nigra das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Informatikern und Intermediadesignern sein. "Diese Kooperationen machen den Standort Trier einzigartig", verdeutlicht Franger.

Gute Zusammenarbeit

Künstler und kreative Freigeister trafen für die Vorbereitungen auf Bürokraten und Politiker. Hier wuchs zusammen, was auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammen gehört. Jedoch haben "die Verantwortlichen der Stadt sich als gute Ratgeber erwiesen", so die Ansicht von Selâle Franger. Zwar seien in den anderthalb Jahren der Vorbereitung hier und da Abstriche für die Kreativen nicht zu verhindern gewesen, insgesamt habe die Zusammenarbeit aber zu den „bestmöglichen Ergebnissen“ geführt, so Franger.

Wirtschaftskraft

Manchmal hängt der Kultur- und Kreativwirtschaft der Ruf an, nicht viel mehr als brotlose Kunst zu sein. Die Statistik für die Bundesrepublik spricht jedoch eine andere Sprache. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums betrug der Beitrag der Kultur- und Kreativwirtschaft zum Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2013 ungefähr 65 Milliarden Euro. Diese Zahl ist etwa vergleichbar mit den Ergebnissen zentraler Industriesektoren wie der Automobilindustrie. Auch die Stadt Trier hat die Bedeutung des Kultur und Kreativsektors für die Stadtentwicklung erkannt: "Für junge Familien ist bei der Wahl ihres Wohnorts das kulturelle Leben in einer Stadt ein wichtiger Faktor", so Ralf Frühauf von der Stadt Trier. Hier sehe man sich, in erster Linie durch die Universität und die Hochschule, gut aufgestellt.

Quo vadis Kreativszene?

Neben der Aufbruchsstimmung für die Kreativszene, welche durch die anstehenden Design- und Kulturtage in Trier erzeugt wird, gibt es hier auch nachdenkliche Töne. "Junge Künstler finden in Trier selten eine Plattform", sagt Laas Köhler. Der 42-jährige gebürtige Berliner betreibt mit "KM 9" einen Kunstraum in der Karl-Marx-Straße. Dort wird an den Design- und Kulturtagen der digitale Maler Oliver Wetter seine Arbeiten präsentieren. Köhler sieht in "veralteten Strukturen", wie er sagt, ein Problem für junge Künstler, deren Antrieb stark von Spontanität lebe. "Um zum Beispiel gestalterische Ideen umzusetzen, braucht man in Trier einen langen Vorlauf, bis man einen Raum genehmigt bekommt", kritisiert Köhler. Gleichzeitig richtet er einen Aufruf an den kreativen Nachwuchs in Trier: "Unsere Kulturszene lebt ganz stark vom Ehrenamt. Wenn ihr wollt, dass Trier lebendig bleibt, engagiert euch dafür!" Es brauche vor allem ein Mehr an Hartnäckigkeit, um Strukturen aufzubrechen und diese zu verändern. Weitere Infos zu den Design- und Kulturtagen sowie das komplette Programm gibt es hier.DW