Andrea Fischer

Lebenslange Haftstrafe für Amokfahrt

Trier. Lebenslange Haft und Festellung der besonderen Schwere der Schuld für den 52-jährigen Amokfahrer aus Trier

Bilder
Zahlreiche Zuschauer und Journalisten warteten - zum Teil schon Stunden vor der Urteilsverkündung -  bei hochsommerlichen Temperaturen vor dem Gerichtsgebäude auf Einlass im Trierer Amokfahrt-Prozess. Immer dabei auch zahlreiche Sicherheitskräfte, die den reibungslosen organisatorischen Ablauf garantierten.

Zahlreiche Zuschauer und Journalisten warteten - zum Teil schon Stunden vor der Urteilsverkündung - bei hochsommerlichen Temperaturen vor dem Gerichtsgebäude auf Einlass im Trierer Amokfahrt-Prozess. Immer dabei auch zahlreiche Sicherheitskräfte, die den reibungslosen organisatorischen Ablauf garantierten.

Foto: FF

Im Prozess um die Amokfahrt von Trier hat das Landgericht Trier den Angeklagten 52-jährigen Bernd W. aus Trier am Dienstag wegen Mordes und versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Zudem stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest und ordnete für den Angeklagten die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an. Außerdem wird dem Angeklagten auf Lebenszeit der Führerschein entzogen.

Trier. (SK/Red/Fin) Niemand wird in Trier je den 1. Dezember 2020 vergessen als die Römerstadt international Schlagzeilen machte, weil ein Amokfahrer grundlos fünf Menschenleben auslöschte und 18 weitere Opfer schwer verletzte, Dutzende traumatisiert zurückließ und eine Stadt in Schockstarre versetzte. Fast genau ein Jahr nach Prozessbeginn am 19.08.2021 verkündete Richterin Petra Schmitz am 16. August kurz nach 13 Uhr knapp 70 Minuten lang das Urteil im Strafverfahren 1 Ks 8032 Js 35057/20 »Trierer Innenstadtverfahren« besser bekannt als »Amokfahrerprozess«.

Urteil nach 42 Verhandlungstagen

Vor 13 zugelassenen JournalistInnen (von insgesamt rund 60) und 23 ZuschauerInnen – darunter sechs Justizanwärterinnen – Chefankläger Oberstaatsanwalt Dr. Eric Samel, Opferanwälten und Opfern sowie Hinterbliebenen fasste die vorsitzende Richterin die Geschehnisse des 1. Dezembers noch einmal zusammen, um damit zu enden, dass der Angeklagte Trierer bis zum heutigen Tage kein Geständnis abgelegt hat und der Prozess sich deshalb über 42 Tage Verhandlungstage hinzog, um das Urteil »wasserdicht« seitens der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Trier zu erarbeiten.

Besondere Schwere der Schuld festgestellt

Jeder einzelne Verhandlungstag war ein Schlag ins Gesicht für die rund 100 gehörten Zeugen, die Opfer und die Hinterbliebenen. Bedrückend deshalb auch die Stimmung im Gerichtssaal als die Richterin das Urteil für den 52-jährigen Elektrotechniker verkündete: Das Gericht verurteilte den Angeklagten wegen mehrfachen Mordes und versuchten Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Das Landgericht Trier befand am Dienstag zudem die besondere Schwere der Schuld und ordnete die Unterbringung des Mannes in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus an. Zudem entzog es dem Amokfahrer lebenslang den Führerschein und zog das Tatfahrzeug ein. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 52-Jährige am 1. Dezember 2020 mit seinem Geländewagen – Modell Landrover - durch die Fußgängerzone raste, um möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen.

Kein Geständnis, keine Entschuldigung, keine Erklärung

Kein Wort des Bedauerns für seine Opfer, keine Entschuldigung, kein Geständnis und schon gar keine Erklärung zu seinen Motiven hatte der Täter übrig. Der Angeklagte nahm die Verkündung des Urteils stoisch und regungslos, aber aufmerksam hin. Er hatte sich auch über den gesamten Prozess hinweg nicht zu seinen Motiven geäußert. Einer seiner Pflichtverteidiger, RA Dr. Frank K. Peter, erklärte gegenüber der Presse, sie hätten ihren Mandanten auf das Urteil vorbereitet, die Verteidigung überlege noch, ob sie Revision einlege. Die Tendenz gehe dahin. Man wolle aber noch einmal darüber schlafen und auch mit dem Angeklagten darüber diskutieren. Die Verteidigung des Angeklagten hatte eine sogenannte zeitige Freiheitsstrafe, das heißt: keine lebenslange Haft, sondern eine Freiheitsstrafe von maximal 15 Jahren gefordert. Das Gericht war allerdings der Forderung von Staatsanwaltschaft und der Anwälte der Nebenkläger gefolgt, die am 15. Juli 2022 eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert hatten und dass das Gericht die besondere Schwere der Schuld feststellt. Das bedeutet, dass der Angeklagte, der an einer paranoiden Schizophrenie mit bizarren Wahnvorstellungen leidet und als gemeingefährlich gilt, für mindestens 20 bis 25 Jahre ins Gefängnis muss.