Andrea Fischer

»Machen wir Deutschland enkelkindtauglich«

Schweich. Im Bürgerzentrum  stellten vier Referenten stellten Lösungsansätze zur Energiewende vor.

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Im Bürgerzentrum in Schweich stellten Arndt Müller, Vorstand der Stadtwerke Trier, Gerd Schöller, Geschäftsführer Schoenergie GmbH, und Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme, Lösungsansätze vor, um eine regionale Energierevolution auf die Beine zu stellen.  Das Thema lockte viele Bürger an.

Im Bürgerzentrum in Schweich stellten Arndt Müller, Vorstand der Stadtwerke Trier, Gerd Schöller, Geschäftsführer Schoenergie GmbH, und Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme, Lösungsansätze vor, um eine regionale Energierevolution auf die Beine zu stellen. Das Thema lockte viele Bürger an.

Foto: Monika Traut-Bonato

"Wenn erst Hamburg und New York in den Fluten des Ozeans versinken, dann ist es definitiv zu spät für eine Energiewende. Deshalb „müssen wir es nur wollen und den Schalter im Kopf umlegen“, ermunterte Prof. Dr. Volker Quaschning in seinem Schlussapell die zahlreich erschienenen Gäste im Schweicher Bürgerzentrum am vergangenen Dienstagabend. Der brillante Redner und Spiegelbestsellerautor referierte im Rahmen der Veranstaltung „Regionale Energierevolution - Nachhaltigkeit als Fundament der Energieversorgung“ in Schweich. Er zeigte Wege auf, wie das Klima vielleicht doch noch zu retten ist. Eingeladen zu dem mehrstündigen Informations- und Diskussionsabend hatte die Wirtschaftsförderung Trier-Saarburg, der Industriepark Region Trier und die Schoenergie GmbH. Als klare Aufforderung zum Handeln war die Auftaktveranstaltung unter dem vielversprechenden Namen „Regionale Energie-Revolution“ gedacht. Der Begriff Revolution stand in dem Zusammenhang als radikale Veränderung der ökonomischen Bedingungen beziehungsweise Sichtweisen in Bezug auf die künftige Energieversorgung.

Stadtwerke Trier befürworten regionale Energiewende

Arndt Müller, Chef der Stadtwerke Trier und erster Referent, machte gleich zu Beginn seiner Ausführungen deutlich, dass die Stadtwerke Trier als kommunales Energieunternehmen die regionale Energiewende befürworten, antreiben und klimaneutral unterwegs sein möchten. Sie wären bereits sehr früh in grüne Energieerzeugung wie Windkraft und Photovoltaik eingestiegen. Um die Energiewende zu forcieren, hätten sie klare Vorstellungen und eine standardisierte Vorgehensweise, in der die einzelnen Schritte vollzogen werden. Dazu zählen Energie sparen, grün erzeugen, speichern und regeln sowie digital abgleichen unter Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI). Als ein Beispiel führte er die Trinkwasserversorgung der Stadt Trier auf. KI steuert bereits heute die Befüllung der Behälter, so kann klimaneutrale Trinkwasserversorgung gewährleistet und Energie gespart werden. Dasselbe Prinzip verwende man bei den Klärwerken. Mit Hilfe von KI könnten so bereits jetzt 248 t CO2 eingespart werden. Weiteres Beispiel ist die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik, hier konnte der Verbrauch konnte erheblich gesenkt werden. Weitere Überlegungen gehen dahin, vorhandene Gasspeicher als Langzeitspeicher aufzubauen, das Gasnetz zurückbauen und so das ganze Jahr nutzen. „Wir können mit unseren Maßnahmen mehr erzeugen, als wir verbrauchen“. Die eigene Erzeugung von grüner Energie soll in Zusammenarbeit mit Unternehmen eine gelebte Energiewende herbeiführen. Neben Strom müsse auch das Energiepotential von Biogasanlagen genutzt werden. „Vor uns liegt viel Arbeit, um das ambitionierte Ziel Stromwende bis 2034 umzusetzen.“ Alles in allem sparte die grüne Erzeugung der Stadtwerke im Jahr 2021 bereits 130.000 t CO2. . Ambitionierte Ziele der Stadtwerke Trier sind eine Stromwende ihrer Kunden bis 2030, eine Verkehrswende bis 2034 - bereits heute der eigene Fuhrpark zu 40% mit E-Mobilität-, sowie eine Wärmewende bis 2038.

Potenzielle und effiziente Umsetzung der Energiewende

Gerd Schöller, Geschäftsführer Schoenergie GmbH, sprach sich als zweiter Referent vehement für eine potenzielle und effiziente Umsetzung der Energiewende aus. Eine Klimaneutralität bis 2040 sei zu spät „Wir müssen vor Ort unsere Unterstützung anbieten“. Gefragt seien bezahlbare und nachhaltige Energie, um die Energiewende zu realisieren. Sein ambitioniertes Ziel: „Künftig soll 50 % der Energiemenge aus Solarstrom hergestellt werden.“ Daher plädiere er für einen Schulterschluss von Unternehmen und Kommunen. „Energiewende kann nur die Flucht nach vorne. Es braucht mutige Entscheidungen der Unternehmer und der Kommunalpolitik.“

"Energierevolution jetzt"

Anschließend referierte Spiegelbestsellerautor Prof. Dr. Volker Quaschning aus seinem Buch „Energierevolution jetzt“. Er zeigte eindrucksvoll auf, dass die Klimaveränderung da ist. Noch nie zuvor in der Erdgeschichte hätte sich das Klima so schnell verändert wie heute. Der einzige Verantwortliche: der Mensch. Das wäre besonders gut zu sehen an Extremwetterereignissen und Nahrungsmittelkrisen weltweit. Die Klimaveränderung stelle die Menschheit vor echte Herausforderungen. „Die Konflikte werden die Zivilisation zerstören, deshalb muss man jetzt handeln. Nur dann haben wir noch eine Chance, die Reißleine zu ziehen“. Dabei sei jeder einzelne und auch die Politik gefragt. Das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 sieht eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad vor. Dabei unternehmen alle Staaten eigene Maßnahmen. „Jeder muss seinen Beitrag leisten“, so sein Fazit. Und nicht mit dem Finger auf andere zeigen, Wärme und Verkehr müssten dringend reduziert werden. Die Klimaschutzpolitik der deutschen Vorgängerregierung wurde seitens richterlichen Urteils als nicht verfassungsgemäß erklärt. „Die Welt muss bis 2044 klimaneutral werden. Wir brauchen eine Energierevolution, keine leichte Veränderung“, machte er deutlich. „Wir brauchten ebenso eine Wärmewende, daher sollten keine Öl- und Gasheizungen mehr eingebaut werden.“ Als mögliche Alternative nennt er den Einsatz von Wärmepumpen, auch für die Industrie. Der Verkehr müsse halbiert werden, mehr E-Autos eingesetzt - sie brauchen nur rund 1/3 der Energie wie herkömmliche Autos, so Quaschning.

Die Zukunft sieht er allerdings in der Windkraft. „Ohne Windkraft funktioniert keine Energiewende.“ Er kenne die Argumente der Gegner alle. Jedoch werde es eine Energiewende, die man nicht sieht, nicht geben und nicht funktionieren. Es existierten viele Vorbehalte gegenüber regenerativen Energien, deshalb habe man bislang immer mit angezogener Handbremse die Energiewende angegangen.

Unabdingbar sei auch der Einsatz von Photovoltaik und Batterien als Speicher. „Jede Anlage zählt“. Damit könne jeder einen Beitrag leisten. Zudem entstünden gerade viele neue Arbeitsplätze und -felder in dem Sektor. „Machen wir Deutschland enkelkindertauglich“, so sein eindringlicher Appell. Schlussendlich, nach Beantwortung vieler Fragen aus dem interessierten Podium, zeigte sich Professor Quaschning überzeugt: „Ich glaube, dass wir gute Chancen haben.“

Monika Traut-Bonato