Nestwärme startet neues Leuchtturmprojekt in Trier

Trier. Herausfordernde aber auch spannende Monate liegen hinter dem Trierer Sozialunternehmen Nestwärme. Wie kaum bei einer zweiten Organisation ist dort der menschliche Kontakt ein integraler Bestandteil der alltäglichen Arbeit. Die Corona-Pandemie hat den Betrieb zwar nicht auf den Kopf gestellt, jedoch zu einem erheblichen Mehraufwand geführt. Doch das Team um die Gründerinnen Elisabeth Schuh und Petra Moske schaut nach vorn und plant mit dem Projekt “Das Nest” einen weiteren Meilenstein in der Unternehmensgeschichte. Unterstützt wird Nestwärme dabei von verschiedenen Partnern, darunter auch der Sender RTL, der am 19. November anlässlich des 25. RTL-Spendenmarathons um Spenden für die gemeinnützige Organisation und insbesondere das neue Projekt werben wird.

Es ist viel Bewegung bei Nestwärme in der Christophstraße. In der Nestwärme-Kinderkrippe und dem ambulanten Kinderintensiv- und hospizdienst werden viele Kinder betreut, die an schweren oder auch lebensverkürzenden Krankheiten leiden. Hier ist natürlich immer eine besondere Achtsamkeit und Aufmerksamkeit gefordert und ein Mund-Nasenschutz musste hin und wieder verwendet werden. Das war, bevor das Coronavirus den Alltag bestimmte. Seit Frühjahr verändern die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie alle gewohnten Abläufe. Wie soll die Pflege von jungen, zum Teil schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen gewährleistet werden, wenn das Virus draußen bleiben soll? Massive und stark verschärfte Hygienemaßnahmen und Kontaktbegrenzungen bestimmen jetzt den Alltag aller Familien und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Und was macht es mit den Kindern, wenn sie so viele Menschen um sich herum nicht mehr wie gewohnt sehen können? Diesen Fragen musste sich Nestwärme schnell stellen und zahlreiche Maßnahmen ergreifen, deren Ergebnisse sich unter anderem in der Schaffung eines Pandemie-Gremiums, angepasster Besuchsregelungen und kleineren, entzerrten Betreuerteams widerspiegeln. Parallel wurde ein umfassendes Online-Angebot entwickelt, das neben anderen Aspekten einen Schwerpunkt auf das Thema Resilienz legt. All das hat aber auch seine Spuren hinterlassen. “Wir befinden uns in einer Art neuen Normalität”, beschreibt Dirk Hense, bei Nestwärme verantwortlich für Wirkungsstudien, Spenderbetreuung und Marketing, die derzeitige Lage. Die Zahl der Überstunden seien kaum noch zu beziffern, bemerkt Gründerin Elisabeth Schuh. “Wir alle spüren mittlerweile deutliche Erschöpfungserscheinungen”, sagt sie.

Multifunktionales Haus will Kompetenzen bündeln

Davon nicht erfasst ist das neueste Projekt, das multifunktionale und dabei inklusive Haus “Das Nest”, das bis 2022 auf dem Petrisberg unweit der Partnerschaftsgärten der ehemaligen Landesgartenschau entstehen soll. Das Grundstück befindet sich bereits im Besitz der Trierer Stiftung Rehkids, die das Projekt finanziell maßgeblich stützt. “Die Stiftung begleitet unsere Arbeit nun schon seit sechs Jahren. Sie will damit für Kinder und Jugendliche mit besonderen Herausforderungen Lebenschancen schaffen”, erklärt Schuh. Neben der Stiftung Rehkids sind die Herbert und Veronika Reh Stiftung sowie die Nikolaus-Koch-Stiftung wichtige Unterstützer des Projekts. “Ein solches Projekt wird immer Unterstützung brauchen”, erklärt Schuh. “Die Kinderhospizarbeit ist immer auf Spenden angewiesen.“

Konzeptionelle Basis von „Das Nest“ ist eine Studie des Instituts für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ISM). Darin wurde die Versorgungssituation hinsichtlich Unterstützungsangeboten für Familien mit einem chronisch schwer, unheilbar oder lebensverkürzend erkrankten Kind wissenschaftlich analysiert. Mit verschiedensten wissenschaftlichen Methoden haben sie die Lebenssituation der Familien analysiert und haben daraus eine Bedarfsbeschreibung für „Das Nest“ abgeleitet.

Das Haus richtet sich an die rund 8.000 pflegebedürftigen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre im Großraum Trier und Saarland. Nestwärme unterstützt derzeit jährlich knapp 400 Familien. Wie komplex die Bedarfslage ist, zeigt sich daran, dass eine Familie meist mehrere Hilfsangebote nutzt, für die wiederum verschiedene Leistungsträger zuständig sind.

Eltern und Kinder sollen gestärkt werden

Nicht selten sind viele Fachkräfte parallel in einer Familie tätig – ein möglicher Ansatzpunkt für Verbesserungen. Die ism-Studie zeige ebenso, dass es zwar schon verschiedene Netzwerke gebe, sich die Angebote jedoch untereinander besser verzahnen ließen, erläutert ism-Studienleiterin Elisabeth Schmutz. Benötigt werden vor allem Betreuungsangebote, die es Eltern ermöglichen, ihre Familie mit den Geschwisterkindern stabil zu halten und idealerweise auch wieder verlässlich berufstätig zu werden. Es geht darum, unterstützende Strukturen zu schaffen und Kompetenzen zu bündeln.

Eine große Erleichterung könnte die Möglichkeit sein, im neuen nestwärme-Haus einen Kurzzeitpflegeplatz zu bekommen, so ein Ergebnis der Studie. Bedarf besteht aber auch für Angebote, die Eltern Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen, ebenso für ein flexibles teilstationäres Tages- und Nachthospiz in Wohnortnähe. Außerdem sollen bei Nestwärme auch junge Erwachsene, die außerhalb der Familie ihr eigenes Leben führen wollen, einen Platz finden.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden will nestwärme sein interdisziplinäres Team nach und nach erweitern. Interessierten eröffne sich damit die Möglichkeit, sich aktiv und gestaltend einzubringen. “Wir setzen darauf, dass Menschen den Weg zu uns finden, die gemeinsam mit uns neue Wege gehen möchten“, so Schuh.

RTL-Spendenmarathon unterstützt Projekt

Bei einem Projekt dieser Dimension ist Nestwärme auf viele Partner angewiesen. Mit an Bord ist nicht zuletzt auch der Sender RTL, der in diesem Jahr bereits zum 25. Mal seinen renommierten Spendenmarathon veranstaltet und am 19. November das Projekt vorstellt und seine Unterstützung zugesagt hat. Schon zwei Mal hat die RTL-Stiftung „Wir helfen Kindern“ Projekte von Nestwärme beim Start geholfen. Insgesamt hat der Spendenmarathon seit seiner ersten Ausstrahlung mehr als 182 Millionen Euro eingesammelt und damit hunderte ausgewählte Kinderhilfsprojekte gefördert. Im diesjährigen RTL-Spendenmarathon werden unter anderem Aufnahmen aus der aktuellen Nestwärme-Hospizarbeit gezeigt, die den Besuch des Spenden-Botschafters und ehemaligen Formel Eins Piloten Nico Rosberg in Trier dokumentieren.

Weitere Informationen zu Nestwärme und den Projekten gibt’s unter nestwaerme.de/das-nest/

(JK)

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