Andrea Fischer

Neue Moselhelden und Ideen gesucht

Leiwen. 13. Mosel-Kongress mit rund 250 Gästen gut besucht

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Unter dem Motto „Kultur bewegt und belebt“ konnte Gregor Eibes als Landrat des Kreises Bernkastel-Wittlich und zugleich Vorsitzender der Regionalinitiative „Faszination Mosel“ bei seiner Begrüßung begeistert auf ein volles Forum Livia in Leiwen blicken. Einen besseren Beweis, dass „es sich um ein weiteres Jahr des Aufbruchs an der Mosel handelt“ konnte der 13. Mosel-Kongress der Regionalinitiative „Faszination Mosel“ am 30. November 2022 definitiv nicht bieten, denn der Einladung waren zahlreiche EntscheidungsträgerInnen aus der Region und darüber hinaus gefolgt. Eibes betonte in seiner Eröffnungsrede deshalb auch, dass sich die „Mosel at its best“ zeige und die Notwendigkeit, die Moselregion modern zu präsentieren, dabei aber auch Traditionen, Bräuche und Moselkultur nachhaltig aufzustellen.

„Die Mosel hat den besten Wein der Welt, die schönste, einzigartige Kulturlandschaft und nette, fleißige Menschen, die die Mosel weiterbringen. Erfolgreich wird auf Dauer nur der sein, der groß denkt“, versicherte Eibes. Nur so könne man dank des vielfältigen Netzwerkes der Regionalinitiative und der Menschen im Weinanbaugebiet das gemeinsame Ziel erreichen, die Mosel als führende Genussregion Deutschlands zu positionieren. Auch die rheinland-pfälzische Tourismusstrategie 2025 deckt sich mit dem aktuellen Konzept der Regionalinitiative wie Daniela Schmitt als Staatsministerin für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau des Landes Rheinland-Pfalz erfreut konstatierte und die positive Entwicklung der Moselregion explizit lobte. Das vielseitige Weinanbaugebiet präsentiere sich als „frisch, spritzig und weltoffen“ – so wie die Thomas Bracht-Band mit Special Guest Marielle Junk, die den musikalischen Geschmack der Ministerin voll getroffen hatte. Bereits zum zweiten Mal in Folge sei die Wirtschaftsstandortmarke Rheinland-Pfalz.GOLD Partnerin des Wettbewerbs #moselhelden und sorge dafür, dass innovative und kreative Menschen rund um das aktuelle Jahresthema 2022 „Kunst und Kultur“ für ihre Projekte und „Gold-Ideen“ belohnt werden, betonte Schmitt, die auch das Engagement von Regionalinitiativen-Geschäftsführerin Simone Röhr in ihrer Laudatio hervorhob und alle sieben PreisträgerInnen gemeinsam mit den entsprechenden KooperationspartnerInnen persönlich auszeichnete.

Aus den vom 1. August bis zum 30. September 2022 insgesamt eingereichten 64 Bewerbungen im diesjährigen Wettbewerb #moselhelden wurden folgende PreisträgerInnen ausgezeichnet:

• Kulturkarawane gemeinnützige UG, Trier (Stadt Trier): Projekt „Leinen Los! – Eine Road-Show zu Wein, Musik und Lebensart mit dem Pop Up-Kulturmobil „Klein Anders”

• Vereinigung Mehringer Winzerfest e.V., Mehring (Landkreis Trier-Saarburg): „Tradition zukunftsfähig gestalten“

• Mosel Musikfestival gGmbH, Bernkastel-Kues (Landkreis Bernkastel-Wittlich): „Entwicklung eines Nachhaltigkeitsguides für Kulturveranstalter und Veranstaltungen der Moselregion“ – eine Idee der FSJler Sarah und Max

• Moselstolz, Mesenich (Landkreis Cochem-Zell): „Mia säin Moselstolz – Mia singe Platt“

• Bundesbank Bunker Cochem (Landkreis Cochem-Zell): „Bundesbank-Bunker Cochem – streng geheim: Entdecke das unterirdische Milliardenreich! Geschichte zum Anfassen – Kultur erleben – Auszeit an der Mosel“

• Musikverein Löf e.V., Löf (Landkreis Mayen-Koblenz): „Musikalisches Kultur-Picknick“ –

• Publikumsliebling (durch öffentliche Abstimmung ermittelt): Gruppe der anonymen Wagenbauer e.V., Bernkastel-Kues (Landkreis Bernkastel-Wittlich) – darüber hatten 12.540 TeilnehmerInnen online abgestimmt

Die GewinnerInnen erhielten einen symbolischen Scheck in Höhe von jeweils 1.000 EUR, eine Trophäe sowie eine Urkunde. Die gekrönten #moselhelden überzeugten das faszinierte Saalpublikum in kurzweiligen Videoclips und Ansprachen von ihren Projekten aus dem Bereich „Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft“.

Nur 19 Cent täglich für Kulturförderung in RLP Im Rahmen seiner aufrüttelnden Keynote beschäftigte sich Bartel Meyer als Kulturberater Rheinland-Pfalz mit der Frage: “Kultur –kann das weg?“ und fand auch schnell die passende Antwort: „Wer das sagt, der kann weg!“ Meyer stellte klar, dass Kultur „Grundlage unseres Seins ist – sie ist alles, was wir haben und uns ausmacht“. Er wies darauf hin, dass es derzeit durch Corona und seine Folgen bei den meisten Veranstaltungen einen Publikumseinbruch von 60% gebe und dass es deshalb neuer Strategien bedürfe. Manche Formate seien einfach so nicht mehr weiterführbar. Gleichzeitig bedauerte er, dass für die freiwillige Aufgabe „Kultur“ in Rheinland-Pfalz lediglich ein Betrag von 0,19 EUR pro Tag (68.15 EUR pro Jahr) an Fördermitteln zur Verfügung stehe und man damit im Bundesdurchschnitt auf dem letzten Platz rangiere. Er machte sehr deutlich, dass das Ehrenamt in der Kulturarbeit nicht mehr die Stütze wie früher sei und daher dringend neue Anreize und Perspektiven geschaffen werden müssen, um junge Menschen in den ländlichen Regionen zu halten. Im Gespräch mit dem WochenSpiegel erklärte Meyer, seine Einstellung zu den #moselhelden: „Es ist ein liebevolles Podium, um Menschen und ihre Ideen, ihr Schaffen und ihr Engagement sichtbar zu machen. Vielleicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft?“ Darüber, was er als Kulturbeauftragter vom 13. Mosel-Kongress mitnimmt, fasste er zusammen: „Es gibt unzählige, engagierte Menschen und nur wenige Auszeichnungen. Wie aber gehen wir wertschätzend und respektvoll mit denen um, die an diesem Abend nicht auf der Bühne standen? Wer hat dazu eine passende Idee? Das wäre für mich ein weiterer Moselheld!“

In der anschließenden, einstündigen Talkrunde - moderiert von Dr. Sonja Christ-Brendemühl -diskutierten Bartel Meyer, Gabi Olinger (Vereinigung Mehringer Winzerfest e.V.), Frank Hoffbauer (Kunsttage Winningen e.V.), Sarah Röhl (Musikerin, Dirigentin, Moselweinkönigin), Tobias Scharfenberger (Intendant Mosel Musikfestival) und Simone Röhr (Regionalinitiative „Faszination Mosel“) über die Bedeutung und den Stellenwert der Kultur im Weinanbaugebiet Mosel. Dabei wurden sehr offen und ehrlich Probleme angesprochen und entsprechende Wünsche v.a. an die Politik formuliert. Frank Hoffbauer und Gabi Olinger betonten, wie wichtig es sei, Moselkultur neu aufzustellen und neue Zielgruppen zu gewinnen. Man müsse für die Sache selbst brennen und aktiv junge Menschen ansprechen, so die Erfahrung von Olinger. Und Simone Röhr ergänzte: „Das Potential ist vorhanden – allerdings müssen wir die Sichtbarkeit der kulturellen Akteure unbedingt verbessern.“ Tobias Scharfenberger berichtete von der Problematik des Abrufs von Fördermitteln und der Kultur als „freiwillige Leistung“, von der man wegkommen müsse, um aus der Förderproblematik raus zu kommen. Bereitgestellte Gelder seien in der Regel projekt- und zweckgebunden. Personal werde meist nur befristet bereitgestellt, was er sehr bedauerte. Mit dem Blick von außen zeigte sich Bartel Meyer beeindruckt: „Mir imponiert, was ihr hier an der Mosel rockt“. Allerdings empfahl er, langfristig neue Konzepte zu entwickeln. Gleichzeitig bot er Kulturschaffenden seine Hilfe als Berater (www.kulturbuero-rlp.de) an.

Weinköniginnen brauchen mehr Wertschätzung

Sarah Röhl insistierte, dass das Amt der Weinhoheiten Teil der Moselkultur sei und nicht nur aus einem freundlichen Lächeln mit Weinglas in der Hand bestehe, sondern dass die jungen Frauen viel mehr leisten. Sie repräsentieren ihre Heimat in allen Facetten und verdienen Anstand und Respekt. Fast jede Weinkönigin und Weinprinzessin könne von sexuellen Belästigungen berichten, und das sei wahrlich nicht Bestandteil von Moselkultur, so Röhl. Des Weiteren forderte sie die Moselaner auf, ihren „ausgeprägten Dorfstolz“ zu überwinden, über den Tellerrand hinaus zu blicken und sich mit Akteuren aus Nachbargemeinden zusammen zu schließen, um gemeinsam zukunftsfähige Konzepte zu erarbeiten. Auch Sarah Röhl haben wir gefragt, was sie vom 13. Mosel-Kongress mitnimmt und welches Feedback sie als Diskussionsteilnehmerin bekommen hat? „Die Diskussionsrunde hat deutlich gemacht, dass wir als Region nicht erfolgreich sein werden, wenn wir nach dem Motto: ‚das haben wir schon immer so gemacht‘ handeln. Wir müssen kritisch mit uns selbst sein, und ich glaube, dass ich mit meiner Direktheit und Offenheit an dem Abend meinen Beitrag dazu leisten konnte.“ Darüber wie sich Moselweinkönigin Sarah die Entwicklung von mehr Wertschätzung für das Amt einer Weinkönigin vorstellt, betonte sie auf unsere Nachfrage: „Wir müssen mehr Bewusstsein dafür schaffen, dass sich die Frauen in ihrem Amt mit Fachwissen und Rhetorik für die Weinbranche einsetzen. Zu häufig werden sie auf ihr Erscheinungsbild reduziert und objektiviert. Dafür, dass sich diese Situation ändert, tragen wir alle die Verantwortung.“

Auch die Digitalisierung war übrigens ein Diskussionsthema. Hier empfahl Röhl einen Blick über den Tellerrand in die Pfalz, die bereits wüsste, wie’s digital besser laufe. Gewünscht wurde zudem eine gemeinsame Veranstaltungsplattform, die kulturelle Events schnell und einfach sichtbar macht. Hieran sei weiter zu arbeiten – bestehende Formate sollten optimiert und besser kommuniziert werden.

Einig war sich die Talkrunde darin: Kultur ist Wirtschaftsfaktor und „Lebensmittel“ zugleich. Kultur ist Inspirationsquelle, lebt und bewegt, und NEIN!: Kultur kann und darf nicht weg! Sie ist elementar für die Persönlichkeitsbildung, das Gemeinwesen und die Demokratie. „Ohne Kultur wären wir keine Menschen“, so der Tenor der PodiumsteilnehmerInnen.

Gefördert wurden der Mosel-Kongress und die Preisverleihung #moselhelden durch das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums – eingeladen hatten die Trägerinnen und PartnerInnen der Regionalinitiative. Die Filmclips über die #moselhelden gibt’s über den YouTube-Kanal der „Faszination Mosel“: https://www.youtube.com/@faszinationmosel5795

Text und Fotos: Sabine Krösser


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