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Neue Serie: Vom Kälbchen zur Kuh

In einer Serie wollen wir das Leben eines Kalbes verfolgen, bis es selber kalbt – und damit zur Kuh wird. Das neugeborene Kalb, über das wir nun regelmäßig berichten, kommt vom Palmatius-Hof, einem Bio-Betrieb in Züsch. Zum Auftakt wollen wir gemeinsam mit unseren Lesern ein passenden Namen für das kleine Highland Cattle finden.
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Eine Geburt ist immer eine große Sache. Das ist beim Menschen so, und beim Rind ebenfalls. Auch die Dauer der Schwangerschaft ist ähnlich. »Die meisten Kälber kommen in der Nacht zur Welt. Da müssen wir dann mal öfter raus und nachschauen«, erzählt Uwe Fischer. Die Rinder leben ganzjährig draußen. Kalte Temperaturen machen den schottischen Hochland-Rindern nichts aus. Dennoch ist es dem Hobby-Züchter am liebsten, wenn die Kälber bei gutem Wetter zur Welt kommen. Manchmal komme er aber auch morgens zur Weide und ein neugeborenes Kälbchen stehe bereits bei seiner Mutter und trinke. Das seien immer die schönsten Überraschungen, wenn alles so glatt läuft, so Fischer. Die meisten Kälber kommen nachts zur Welt Die meisten Kühe brauchen keine Hilfe. Auch bei Elly, der Lieblingskuh der Familie, lief wieder alles reibungslos. Für Elly ist das kleine Kuh-Mädchen inzwischen das sechste Kalb. Die eigentliche Geburt ging schnell vonstatten. Da Elly nicht im Stall steht, sondern sich immer frei bewegen kann, ist sie zwischen den Wehen auch immer wieder ein Stück gelaufen, hat sich wieder hingelegt, ist wieder aufgestanden, bevor es in die letzte Phase der Geburt ging. Stunden zuvor schauten schon eine ganze Weile die Vorderklauen des noch ungeborenen Kalbs heraus, während die Kuh noch friedlich graste. »Anfangs wussten wir nicht, wann wir der Kuh helfen sollen, aber die Natur regelt das fast immer von alleine«, so Fischer. Schon kurz nach der Geburt steht das kleine Kalb auf wackeligen Füßen. Mama Elly leckt es ab und kurbelt so den Kreislauf an. Immer wieder schubst sie es in Richtung Euter, damit es trinkt. Die erste Milch, die sogenannte Biestmilch, ist extrem fett und ganz besonders wichtig. Sie stärkt die Abwehrkräfte  und macht das Kalb gegen viele Umwelteinflüsse immun. Anders als in der Milchwirtschaft bleibt das Kalb das erste Lebensjahr über bei seiner Mutter. Bereits eine halbe Stunde nach der Geburt steht das kleine Kalb an der Milchbar seiner Mutter und trinkt. Dabei stößt es immer wieder mit dem Kopf nach oben, so dass bei Elly die Milchproduktion angeregt wird. Kennzeichnungspflicht und Gesundheitscheck Die ersten zwei Tage lässt Uwe Fischer das Kleine noch in Ruhe, dann muss er jedoch zur Tat schreiten und dem Kalb einen »Ausweis« verpassen. Das verursacht schon ein wenig Stress, denn der Biobauer muss sich beeilen und dem Kalb mit einer Stanzzange eine Ohrmarke anziehen, da die ganze Herde auf den kleinen Nachwuchs aufpasst und ihn angreifen könnte. »Mittlerweile habe ich das ganz gut drauf. Ich setze die Marke an einer Stelle, an der das Kalb kaum etwas spürt«, freut sich Fischer. Gleichzeitig mit der Ohrmarke wird eine Gewebeprobe entnommen. Diese wird per Post an das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz geschickt.  Elly kennt das alles schon und so überlässt sie Fischer auch freiwillig ihr Kalb, damit er in aller Ruhe die Ohrmarken anziehen kann. Fischer klemmt das Kalb zwischen die Beine und Klack-Klack, schon sitzen die Marken an beiden Ohren. „Die Ohrmarken müssen an beide Ohren, falls das Tier eine verliert“, erklärt Fischer. Diesmal ging alles schnell über die Bühne und das Kalb hat auch nicht geschrien. Fischer hatte auch schon andere Fälle erlebt. Und dann kommt die ganze Herde und schaut nach, was da vor sich geht. „Ralf passt immer auf, dass der Herde nichts geschieht“, erzählt Fischer und zeigt auf einen mächtigen Bullen – der Vater unseres Serienkälbchens.  Extra: Alle seit 1998 neugeborenen und in EU-Betrieben gehaltenen Tiere müssen nach spätestens sieben Tagen mit einer so genannten Ohrmarke gekennzeichnet werden. Dieses ist eine einheitliche und flexible gelbe Kunststoffmarke an beiden Ohren der Rinder, welche Angaben über das Herkunftsland und Bundesland sowie eine fortlaufende Nummer enthalten. Gleichzeitig erfolgt eine Meldung an eine zentralen Datenbank – der HI Tier (Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere). So kann genau nachvollzogen werden, wo das Tier geboren wurde und gelebt hat. Ohrmarken gibt es vom Landeskontrollverband und kosten vier Euro. Diese Meldepflicht hat ihren Ursprung in der BSE-Krise und besteht seit 1998. Seit 2011 ist es bei allen Rindern zwingend erforderlich, dass gleichzeitig mit der Ohrmarke eine Gewebeprobe entnommen wird. Beim regionalen Tiergesundheitsdienst wird untersucht, ob das Rind ein Virusträger der ansteckenden Rinderseuche BVD/MD ist. Etwa eine Woche später kommen die Ergebnisse zurück, inklusive Rinderpass, sozusagen dem Personalausweis für jedes Rind, das es ein ganzes Leben lang begleitet. FIS