Ob das Karl Marx gefallen hätte?

Trier. Am Samstag öffnet die große Karl-Marx-Landesausstellung in Trier ihre Türen. Da dürfen natürlich auch die entsprechenden Souvenirs nicht fehlen. Das nimmt mitunter allerdings skurrile Züge an.

Trier steht ganz im Zeichen von Karl Marx: Ampelmännchen, Statue und jede Menge Merchandising. Viele dieser Souvenirs hat die Trierer Tourismus und Marketing GmbH (ttm) auf den Markt gebracht, darunter Brillenputztücher, Aufkleber, Keksausstecher, Badeenten und Tassen sowie einen Null-Euro-Schein mit dem Konterfei des berühmten Philosophen. Die Nachfrage ist groß, so war der Schein beispielsweise innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Die zweite Auflage, die immerhin 20.000 Stück umfasst, erscheint in Kürze. Im Internet werden die Scheine, die 3 Euro kosten, mittlerweile für ein Vielfaches des Kaufpreises gehandelt. Aber können solche Andenken einer historischen Persönlichkeit wie Karl Marx überhaupt gerecht werden? Der WochenSpiegel hat bei ttm-Geschäftsführer Norbert Kähtler nachgefragt.

Wie kam die Idee, einen Null-Euro-Schein mit dem Konterfei von Karl Marx auf den Markt zu bringen, zustande?
Norbert Käthler: "Kiel hat einen Euro-Schein mit der Gorch Fock  (Segelschulschiff der Deutschen Marine, Anm. d. Red.) erstellt, in Anspielung auf den 10-DM-Schein. Das hat uns inspiriert."

In einer Pressemitteilung sagten Sie vor Kurzem, der Null-Euro-Schein solle sich »spielerisch mit der Marx’schen Kapitalismuskritik« auseinandersetzen. Wie kann das funktioren?
"Marx hat in seiner Geld- und Mehrwerttheorie das Geld infrage gestellt. Mit einem Null-Euro-Schein ist bezahlen nicht möglich, er ist als Zahlungsmittel nicht anerkannt und spielt mit einer zentralen Forderung von Karl Marx. Interessant finde ich, dass dieser Aspekt von Karl-Marx-Kritikern durchaus wahrgenommen wird und sie den Null-Euro-Schein als intelligenten Kommentar zu Marx begreifen."
   
Was geschieht mit den Einnahmen aus dem Null-Euro-Schein?
"Wie bei anderen Einnahmen aus Merchandising-Artikeln setzen wir diese ein, um den Tourismus zu fördern mit neuen Stadtführungen, Erlebnisführungen und Veranstaltungen, zum Beispiel mit ‚Marx! Love! Revolution!‘ – einem Theaterstück zum Mitgehen, das gerade den jungen Trierer Marx in den Mittelpunkt stellt, oder mit der neuen Marx-Guide-App."

Marx-Badeenten, Keksausstecher und Brillenputztücher: Sind noch weitere Merchandising-Artikel geplant?
"Solche Artikel haben ihre Fans. Und sie helfen auch, Trier zu kommunizieren. Insofern passen wir unser Sortiment dem Bedarf an."

Dass Karl Marx ein eher schwieriges Verhältnis zu Geld hatte, ist hinreichend bekannt. Glauben Sie, es hätte ihm gefallen, dass mit seinem Konterfei Profit gemacht wird?
"Die ttm ist eine rein städtische Gesellschaft und gerade nicht profitorientiert. Unsere Ziele liegen darin, Trier im Städtewettbewerb nach außen bekannter zu machen und nach innen zu profilieren. Ob das Marx gefallen hätte, mag ich nicht beurteilen. Denn einerseits wäre er ohne Trier sicher nicht das geworden, was er geworden ist, andererseits hatte er aber auch ein gespaltenes Verhältnis zu seiner Heimatstadt."

Welchen Mehrwert für die Landesausstellung und seine Besucher versprechen Sie sich von diesen Merchandising-Artikeln?
"Ich wundere mich manchmal auch, welche Artikel von unseren internationalen Besuchern gekauft werden. Gerade Besucher aus Übersee haben da ganz andere Vorlieben. Die Rolle der ttm liegt darin, unseren Gästen Erinnerungsstücke aus Trier anzubieten, damit sie ein Stück von Trier mit nach Hause mitnehmen können. Ich habe durchaus den Eindruck, dass unsere Besucher den ironischen Bezug zwischen Karl Marx und dem Null-Euro-Schein begreifen. Und die internationale Presseresonanz auf den Null-Euro-Schein steigert sicher auch die Aufmerksamkeit auf Trier und die Landesausstellung."

Ein Interview mit dem Trierer Soziologie-Professor Martin Endreß zum Thema Marx und Konsum lesen Sie hier.

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