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Recycling - das muss besser werden!

Am 1. Januar 2019 ist das neue Verpackungsgesetz in Kraft getreten. Es soll dabei helfen, Verpackungsabfälle so weit wie möglich zu vermeiden sowie einen hohen Grad an Wiederverwendung und Recycling zu erreichen.
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Am 1. Januar hat Remondis in Erftstadt bei Köln eine der größten und leistungsfähigsten Sortieranlagen für Abfälle aus dem Dualen System eröffnet. Die Anlage kann bis zu 120.000 Tonnen Material in seine wertstofflichen Bestandteile sortieren.  Im Landkreis Trier-Saarburg/Stadt Trier wurden von Remondis im Jahr 2018 6.023 Tonnen erfasst, im LK Bitburg-Prüm 2.756 Tonnen. Foto: Remondis Lünen

Am 1. Januar hat Remondis in Erftstadt bei Köln eine der größten und leistungsfähigsten Sortieranlagen für Abfälle aus dem Dualen System eröffnet. Die Anlage kann bis zu 120.000 Tonnen Material in seine wertstofflichen Bestandteile sortieren. Im Landkreis Trier-Saarburg/Stadt Trier wurden von Remondis im Jahr 2018 6.023 Tonnen erfasst, im LK Bitburg-Prüm 2.756 Tonnen. Foto: Remondis Lünen

In Deutschland wurden bislang offiziell nur rund 36 Prozent aller Kunstoffverpackungen recycelt. Ab 2019 gilt die Mindestvorgabe von 58,5 Prozent. 2022 schreibt der Gesetzgeber sogar 63 Prozent Recycling vor. Der WochenSpiegel hat bei einem der großen Recyclingunternehmen der Region, der Remondis GmbH - zuständig für die "Gelbe Sack"-Entsorgung in den Landkreisen Trier-Saarburg, im Eifelkreis Bitburg-Prüm und der Stadt Trier (im Landkreis Bernkastel-Wittlich ist die Veolia Umweltservice West GmbH zuständig) - nachgefragt, wie diese Zwischenziele auf dem Weg zu einem 100-Prozent-Recycling zu erreichen sind und was der Verbraucher selbst tun kann.

Mehr Abnehmer notwendig

"Recyclingunternehmen allein können das Problem nicht lösen - wir brauchen konzertierte Ansätze, die alle Teile der Gesellschaft mit einbinden. Dazu gehören Investitionen in Anlagenbau, Forschung und Entwicklung, um Kunststoffe fit für die Recyclingzukunft zu machen. Außerdem muss die Abnehmerquote erhöht werden. In Deutschland werden bislang erst 14 Prozent des Rohstoffbedarfs der Industrie aus dem Recycling gedeckt. Dafür braucht es aber auch Produkte, die sich vollumfänglich recyclen lassen. Da ist dann auch die Politik gefordert. Außerdem kann die öffentliche Hand beim ökologischen Umbau der Gesellschaft einflussreich eingreifen. Mit einem Investitionsvolumen von rund 300 Milliarden Euro im Jahr verfügt sie über eine erhebliche Nachfragemacht", erklärt Remondis-Pressesprecher Michael J. Schneider auf Anfrage.

Verbraucher kann helfen

Und auch der Verbraucher selbst kann helfen, indem er seinen Joghurtbecher, der aus einer Papierbanderole, dem Plastikbecher und einem Aludeckel besteht, in drei Fraktionen trennt, fällt es natürlich auch den Entsorgungsbetrieben leichter den Verpackungsmüll gezielt zu verarbeiten. RED/FIN

Hintergrund

Warum ist es so wichtig, den Plastikmüll richtig zu sortieren? Keine Sortieranlage der Welt kann so gut sortieren, wie der Mensch. Der Sortiererfolg der Anlagen hängt also ganz wesentlich von der korrekten Abfalltrennung in den Haushalten ab. Dies ist von großer Bedeutung für den Klima- und Umweltschutz, denn jedes Kilogramm Rohstoff, das wir aus Abfällen zurückgewinnen, spart ein Vielfaches an sogenanntem Primärrohstoff ein. Aus unserer Rohstoffquelle Abfall bekommt man große Mengen gleichwertiger Rohstoffe ohne nennenswerte Umwelt- und Klimabelastung - korrekte Abfalltrennung im Haushalt vorausgesetzt. Was entgegnen Sie Sortiermuffeln, die sagen "Es wird doch sowieso alles verbrannt"? Das ist falsch. Es würde auch keinen Sinn ergeben, wenn Recyclingunternehmen Millionenbeträge in moderne Sortieranlagen investieren, nur um das Material dann doch einfach zu verbrennen. Schon der Gesetzgeber schreibt ganz klare stoffliche Verwertungsquoten vor, die aber - siehe Frage 1 - nur bei richtiger Abfalltrennung im Haushalt realistisch zu erreichen sind. Wahr ist aber auch, dass ein Teil des Inhalts der Gelben Säcke tatsächlich zu Ersatzbrennstoffen verarbeitet wird, rund 40 Prozent. Hierbei handelt es sich vor allem um die Fehlwürfe, also das Material, das ohnehin sofort in die Graue Restmülltonne gehört hätte und somit den vorgesehenen Weg in die Verbrennungsanlage gegangen wäre. Außerdem werden von den Sortieranlagen auch noch jene Kunststoffabfälle aussortiert, die bereits mehrfach recycelt worden sind und somit nicht mehr sinnvoll stofflich verwertet werden können, weil die molekulare Stabilität des Materials sich mit jedem Recyclingprozess etwas verringert. Per Verpackungsgesetz müssen jedoch 63 Prozent der Kunststoffabfälle aus dem Gelben Sack ab 2022 stofflich verwertet werden. (2019: 58,5 Prozent). Wann gehört Plastik in den Gelben Sack? Das hängt davon ab, ob es sich dabei um eine Verkaufsverpackung handelt oder nicht. Das System finanziert sich aus den Lizenzgebühren der sogenannten Inverkehrbringer, also der Unternehmen, die Verpackungen herstellen und der Supermarktketten, die das Material in den Markt stellen. Deshalb gehören nur lizenzierte Verkaufspackungen wie Shampooflaschen, Yoghurtbecher mit - wichtig - vollständig abgetrenntem Aludeckel und restentleerte, aber nicht gespülte Lebensmittelverpackungen sowie Transportverpackungen wie Styropor und Folien in den Gelben Sack - unabhängig von der Größe. Alle anderen Wertstoffe sollten zum Wertstoffhof gebracht werden, während Restabfälle mit der Grauen Tonne entsorgt werden. (Quelle: Remondis)