Andrea Fischer

Regionaler Arbeitsmarkt trotz Krisen stabil

Trier-Saarburg. Der regionaler Arbeitsmarkt behauptet sich trotz Krisen und die Arbeitslosigkeit in der Region Trier sinkt.

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Im Schnitt 10.048 Arbeitslose und eine Quote von 3,4 Prozent Das ist die niedrigste Arbeitslosenquote in Rheinland-Pfalz in den Kreisen Bitburg-Prüm und Trier-Saarburg. Inm Jahr 2022 nahmen Beschäftigung und Stellenangebote zu und die Fachkräftesicherung bleibt wichtigste Zukunftsaufgabe. Die Arbeitslosigkeit ging im Schnitt zurück, die Beschäftigung stieg an, und die Nachfrage nach Fachkräften wuchs weiter.

Positive Jahresbilanz

„Wir können eine positive Jahresbilanz ziehen“, sagt Heribert Wilhelmi, Vorsitzender der Ge-schäftsführung der Agentur für Arbeit Trier. „Der Arbeitsmarkt im Agenturbezirk Trier hat sich gut behauptet“. Im Jahresdurchschnitt verzeichnet die Statistik 10.048 Arbeitslose, 934 we-niger als im Jahresdurchschnitt 2021, und eine Arbeitslosenquote von 3,4 Prozent, 0,3 Pro-zentpunkte unter dem Wert von 2021. „Auch im Landesvergleich schneidet unsere Region gut ab“, bilanziert Heribert Wilhelmi: „Die Landkreise Eifelkreis Bitburg-Prüm und Trier-Saarburg haben mit 2,4 und 2,7 Prozent die niedrigsten durchschnittlichen Arbeitslosenquo-ten in Rheinland-Pfalz. Und die Stadt Trier, mit einer Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent, liegt auf Rang drei der rheinland-pfälzischen Städte mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit.“ Im Mai hatte die regionale Arbeitslosigkeit mit 9.106 Menschen ohne Job und einer Quote von 3,1 Prozent einen Tiefstand erreicht. Im Juni allerdings kehrte sich die Tendenz um: „Erst-mals wirkten sich die Folgen des Ukraine-Krieges aus“, erklärt der Agenturchef. „Seit März waren viele Menschen aus dem Kriegsgebiet hierher geflohen, wo ihnen mit Erteilung der Aufenthaltserlaubnis ein Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglicht wurde. Zunächst standen ihnen Leistungen aus dem Asylbewerber-Leistungsgesetz durch die Kommunen zu. Ab dem ersten Juni erhielten sie jedoch Anspruch auf Leistungen aus der Grundsicherung für Ar-beitssuchende, die über die Jobcenter ausgezahlt wird“, beschreibt Heribert Wilhelmi die Ausgangslage. „Ukrainische Geflüchtete meldeten sich daher verstärkt bei den Jobcentern der Region, wo sie auch bei der Integration in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt begleitet werden. Hier wurden und werden sie in der Arbeitslosenstatistik erfasst“. Im Dezember wa-ren in den Jobcentern der Region insgesamt 3.110 erwerbsfähige Personen aus der Ukraine gemeldet, 3.057 mehr als im Dezember 2021. Dabei verzeichneten die Jobcenter der Kreise Bitburg-Prüm und Bernkastel-Wittlich (Stand November) mit 27,2 und 26,0 Prozent den höchsten Kundenbestand an erwerbsfähigen Leistungsberechtigten aus der Ukraine in Rheinland-Pfalz.

Zwar ist durch diese Entwicklung im Rechtskreis SGB II die durchschnittliche Arbeitslosen-quote des Jahres 2022 geringfügig über Vor-Corona-Niveau geklettert. „Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Beschäftigung und die Personalnachfrage weiter zuge-nommen haben“, erklärt Heribert Wilhelmi.

Beschäftigung, Stellenmarkt und Qualifizierung

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist gegenüber 2021 angestiegen. Zum Stichtag 1. Juni lag ihre Zahl bei 179.822 und damit um 2.222 oder 1,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Und auch die Nachfrage nach Arbeitskräften blieb in 2022 weiter sehr hoch. Davon profitierte auch die Gruppe der Langzeitarbeitslosen. Ihre Zahl sank im Schnitt um 505 oder 14,7 Prozent auf 2.930 Personen.

Im Jahresdurchschnitt stieg der Bestand an gemeldeten Stellen weiter, um 1.240 auf 6.381 Ausschreibungen. Nur im Zugang gab es eine leichte Abnahme: Summiert wurden der Agen-tur für Arbeit Trier 12.599 neue Ausschreibungen gemeldet, 662 oder 5,0 Prozent weniger als im Vorjahr.

„Die Fachkräftesicherung bleibt weiterhin beherrschendes Thema auf dem Arbeitsmarkt, insbesondere vor dem Hintergrund der großen strukturellen Umbrüche demografischer Wandel, Transformation und Digitalisierung“, bilanziert Heribert Wilhelmi.

Dabei sind einige Herausforderungen zu meistern: „Unternehmen finden kaum Nachwuchs-kräfte, weil aufgrund der demografischen Entwicklung weniger junge Menschen zur Verfü-gung stehen und diese zudem weniger ausbildungsbereit sind“, erläutert Stefanie Adam, operative Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Trier. „Die Betriebe der Region suchen vorrangig Fachkräfte, Experten oder Spezialisten. Den rund 73 Prozent der gemeldeten Stellen mit diesem Anforderungsprofil stehen allerdings 53 Prozent Arbeitslose gegenüber, die keinen Berufsabschluss haben“, berichtet die Expertin. „Wir als Agentur für Arbeit forcie-ren daher unseren Einsatz, Menschen für die Anforderungen des Arbeitsmarktes auszubil-den und zu qualifizieren, sowie neue Potenziale zu erschließen“, sagt Stefanie Adam:

„Wir halten ein Bündel an Maßnahmen für Unternehmen, Beschäftigte und Arbeitssuchende bereit, zum Beispiel attraktive Förderangebote zur Qualifizierung und Weiterbildung über das Qualifizierungschancengesetz“. Im Rahmen dessen sind im Jahr 2022 insgesamt 191 Qualifizierungen von beschäftigten Menschen ermöglicht worden, darunter abschlussorien-tierte Weiterbildungen in der Pflege, dem Handwerk, der Logistik und dem Gastronomie-Bereich, wo die Nachfrage nach Fachkräften besonders hoch ist. „Außerdem haben wir die lebensbegleitende Berufsberatung ausgebaut, die Jugendliche, Arbeitssuchende und Be-schäftigte in jeder Phase der beruflichen Orientierung unterstützt, die Arbeitgeberarbeit ver-stärkt und Informationsangebote am Übergang von Schule zu Beruf ausgebaut“, sagt Ste-fanie Adam. „Um die vielfachen Möglichkeiten und Perspektiven von Qualifizierung aufzu-zeigen, haben wir zudem unser neues Informations- und Messeangebot „JobQ – Qualifizie-rung bringt weiter“ fortgesetzt. Aktuell arbeiten wir an der Vernetzung regionaler Bildungsan-gebote“. 2023 werde die Erschließung neuer Potenziale, insbesondere die Gewinnung aus-ländischer Fachkräfte stärker im Fokus stehen. Die Weiterentwicklung unseres Dienstleis-tungsangebotes und eine zweckmäßige Nutzung unserer Online-Angebote und -Services stehen ebenfalls auf dem Programm sagt Stefanie Adam: „ Hier sind wir als BA übrigens Vorreiterin: Als erste deutsche Großbehörde haben wir mit 70 Online-Angeboten in 2022 die gesetzlichen Vorgaben des Deutschen Online-Zugangs-Gesetztes (DGO) zum Nutzen unse-rer Kundinnen und Kunden erfüllt“.

https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/trier/startseite


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