SPD-Mann Stefan Metzdorf will Landrat werden

Trier. Stefan Metzdorf ist Ortsbürgermeister seines Heimatortes Gusterath und zudem Beigeordneter der VG Ruwer und Mitglied des Kreistags Trier-Saarburg. Er geht für die SPD ins Rennen. Metzdorf arbeitet als Datenverarbeitungskaufmann an der Universität Trier. Wir haben mit ihm über seine Pläne gesprochen.

Was sind Ihre politischen Ziele und inwieweit wollen Sie die Bürger in die Umsetzung einbinden?

Eine gute wohnortnahe medizinische und pflegerische Versorgung, der Ausbau der Radwege, verbesserte Anbindung an den ÖPNV, die Förderung alternativer Mobilitätsformen, ein gutes Konzept für mehr Klimaschutz und der Ausbau erneuerbarer Energie, um nur einige meiner Schwerpunkte und Ziele zu nennen. Ich bin in unserer Region tief verwurzelt und möchte unsere Heimat aktiv gestalten und Verantwortung übernehmen. Viele Bürgerinnen und Bürger kennen mich bereits als Ortsbürgermeister von Gusterath, als erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Ruwer oder als Mitglied des Kreistags von Trier-Saarburg. In all diesen Funktionen habe ich immer den Dialog mit den Menschen gesucht. Den brauchen wir, wenn wir im Landkreis gemeinsam mit den Bürger:innen und unseren Ortsgemeinden etwas verändern möchten. Mein persönliches Motto dabei war stets: Zuhören. Anpacken. Umsetzen.

Wie wollen Sie verhindern, dass die Dörfer im eher ländlich geprägten Kreis Trier-Saarburg aussterben oder dass die Bürger wegziehen?

Ein Dorf mit Breitband-Anschluss, Mehrgenerationen-Zentrum und viel Natur drumherum ist für manche Familie eine echte Alternative zur Stadt. Im Moment geht der Trend befördert durch die Pandemie genau in diese Richtung. Wir müssen auf dem Land die Infrastruktur schaffen damit, die Dörfer für Jung und Alt attraktiv bleiben. Dazu gehören wohnortnahe Schulen genauso wie gute ÖPNV Angebote wie die Förderung von Mehrgenerationen wohnen sowie schnelles Internet. Attraktive Dörfer und gute Nachbarschaften leben davon, dass Menschen ihre Heimat mitgestalten und gemeinsam etwas bewegen wollen. Davon will ich ein Teil sein, wir haben in unseren Kommunen viele Ehrenamtliche in Räten, Gremien und Vereinen. Sie und Ihr Engagement will ich fördern und motivieren, selbst aktiv zu werden. Hier werde ich für alle im Landkreis mit Rat und Tat ein verlässlicher Ansprechpartner sein.

Das Wort "Digitalisierung"  ist für viele Menschen ein großes Thema. Wie stehen Sie dazu und was sind hier Ihre konkreten Vorschläge für den Kreis?

Für tägliche Videokonferenzen im Homeoffice, digitalen Schulunterricht – ohne schnelle, stabile Internetverbindungen ist unser Alltag insbesondere in Pandemiezeiten kaum mehr zu bewerkstelligen. Bei der Breitbandversorgung müssen wir als Landkreis dringend weiter am Ball bleiben, bis auch die letzten „weißen Flecken“ verschwunden sind, denn es ist völlig klar, dass die Anforderungen an die Netze weiter steigen werden. In der Digitalisierung sehe ich viele Chancen für unsere Region, so hat beispielsweise der Bund Förderprogramme wie das Programm Smarte.Land.Regionen. Mit diesem Programm werden die Möglichkeiten der Digitalisierung in den Bereichen Gesundheit und Pflege regional ausgebaut. Der Landkreis Trier-Saarburg ist hier leider bisher nicht vertreten, das würde ich als Landrat in Zusammenarbeit mit Verena Hubertz die unsere Region hoffentlich nach der Wahl in Berlin vertritt gerne ändern.Es muss auch einfacher werden, Fahrscheine für den ÖPNV zu erwerben. Auch hier bietet die Digitalisierung Möglichkeiten, ohne dass die Menschen vergessen werden dürfen, die keinen oder nur begrenzten Zugang zu digitalen Medien haben. Als IT-Experte bin ich der Richtige, um den Landkreis beim Thema Digitalisierung voranzubringen.


Die öffentlichen Haushalte werden immer mehr belastet. Wo wollen Sie etwas einsparen, damit der Kreis weiterhin handlungsfähig bleibt?

Der Landkreis Trier-Saarburg ist trotz Corona Pandemie mit seinem Haushalt bisher gut durch die Krise gekommen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass aufgrund der Zusammenarbeit mit der Landeskrankenhaus AöR das Kreiskrankenhaus Saarburg in ruhigeres Fahrwasser gebracht werden konnte. Über viele Jahre wurden hier teure Fehlentscheidungen getroffen, während der Landkreis es versäumt hat zu handeln. Allein für dieses Jahr waren im Haushalt bereits 5,6 Millionen Euro an die kreiseigene Krankenhaus GmbH als Verlustausgleich eingeplant, die nun hoffentlich eingespart werden können.

Die Menschen werden immer älter. Seniorenresidenzen sprießen wie Pilze aus dem Boden. Warum sollten gerade ältere Menschen Sie wählen?

Es stimmt, die Menschen in unserer Gesellschaft werden immer älter – und das ist gut so. Es stellt uns aber vor neue Herausforderungen. Wir wollen allen ermöglichen, so selbstbestimmt und unabhängig wie möglich alt zu werden. Initiativen wie die GemeindeschwesterPlus, die Landarztquote und ein Netz von Pflegestützpunkten tragen viel dazu bei, um es Menschen zu ermöglichen, ihren Lebensabend im gewohnten Umfeld in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Ich setze mich dafür ein, diese Angebote weiter auszubauen und noch besser miteinander zu vernetzen. Viele von uns sind jedoch auch im Alter auf Hilfe angewiesen, die einen mehr, die anderen weniger. Ich werde mich für passgenaue Lösungen einsetzen. Mit innovativen Wohnformen für diejenigen, die sich einen Teil ihrer Selbstständigkeit erhalten können und wollen.

Mit welchen Maßnahmen wollen Sie berufstätige Eltern bei der Betreuung ihrer Kinder unterstützen?

Im Bereich der frühkindlichen Bildung gibt es durch das Kita-Zukunftsgesetz derzeit große Veränderungen. Eines der Ziele dieser Reform ist die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, deshalb wird durch das neue Gesetz beispielsweise ein Anspruch auf eine durchgängige Betreuung von 7 Stunden gewährleistet. Um das zu erreichen, braucht es oft räumliche und personelle Verbesserungen, wie etwa Kita-Küchen für ein warmes Mittagessen. Gerade für den Ausbau des Personals fehlt es aber häufig an ausreichend Nachwuchserzieher:innen. Wir müssen gemeinsam mit dem Land ausgetretene Pfade verlassen und neue Wege gehen, um mehr junge Menschen, vor allem auch junge Männer für dieses Berufsfeld zu begeistern. Hierfür will ich mich einsetzen, schließlich geht es dabei um die Zukunft unserer Kinder.

Warum sollten junge Familien ausgerechnet Sie zum Landrat wählen?

Junge Familien brauchen eine gute Infrastruktur vor Ort, etwa wohnortnahe Kitas und Schulen und gute Anbindungen an den ÖPNV. Ich werde mich dafür einsetzen diese Angebote zu erhalten und wo nötig unsere Kommunen dabei helfen sie zu schaffen. Als Landrat ist es mir außerdem wichtig die Treffpunkte für Jugendliche unterstützen, beispielsweise bei der Einrichtung von Spielplätzen, Skate- oder Bikeparks. In Vereinen, Jugendbüros und Jugendnetzwerken wird im Landkreis bereits jetzt hervorragende Jugendarbeit geleistet, diese will ich finanziell stärken.

Der Traum vom Eigenheim rückt für viele Menschen immer mehr in weite Ferne. Was würden Sie als Landrat gegen diese Preisexplosion im Hausbau unternehmen?

Egal ob in der Stadt oder auf dem Land oder an der Luxemburger Grenze: Wohnen darf kein Luxusgut werden. Ich sehe in kommunalen und genossenschaftlichen Modellen wie Kreiswohnungsbaugesellschaften oder Wohnungsbaugenossenschaften besonders nachhaltige und geeignete Instrumente zur Schaffung von mehr sozialem Wohnraum. Hier können und müssen wir als Landkreis mehr tun. Auf andere Faktoren, wie etwa die derzeit stark steigenden Materialpreise hat der Landkreis keinen Einfluss. Allerdings gibt es bereits jetzt Fördermittel über die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB), die man bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze über die Kreisverwaltung beantragen kann. Diese Fördermittel hat meine Partei auf Landesebene von 2016 bis heute mehr als verdoppelt, als Landrat werde ich mich dafür einsetzen, diesen Weg weiterzugehen. Denn mir ist es wichtig, dass alle, die hier leben möchten, dies auch tun können und niemand ausgeschlossen ist.

Seit diesem Jahr müssen Landräte und Oberbürgermeister ihre Nebeneinkünfte offenlegen. Wie stehen Sie dazu?

René Quante vom Bund der Steuerzahler sagte dazu: „Es muss klar sein, dass Landräte vom Staat bezahlt werden, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Wenn aber ein Landrat im Nebenjob bei RWE mehr verdient denn als Landrat, kann man das keinem Bürger erklären.“ Diese Ansicht teile ich und will mich mit ganzer Kraft dem Landkreis Trier-Saarburg widmen. Ich will für unseren Landkreis die Ärmel hochkrempeln und die Anliegen der Bürger aufgreifen, anstatt meine Amtszeit in Aufsichtsgremien zu verbringen. Ich möchte 100% Landrat sein.

Interview: Andrea Fischer

 

 

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