aa

Sportvereine sollten Innovationen nicht scheuen

Cardio Tennis, XXL Yoga für übergewichtige Zeitgenossen oder Kurzmitgliedschaften – all das sind Beispiele für Innovationen, über die Sportvereine nachdenken sollten, um dem wachsenden Wettbewerb standhalten zu können. Felix Wemmer, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Lehrstuhl für Sport- und Gesundheitsmanagement der Technischen Universität München, gewährte beim Forum des Landessportbundes Rheinland-Pfalz (LSB) „Bewegung, Sport und Gesundheit im Kontext kommunaler Entwicklung“ an der Europäischen Sportakademie Trier den fast 60 Zuhörern Einblicke in den aktuellen Stand seiner praxisnahen Forschung.
Bilder

"Wenn wir ehrlich sind, wissen wir über Bedingungen von Innovationen in freiwilligen Organisationen ziemlich wenig", machte Prof. Dr. Eike Emrich, Vorsitzender des LSB-Kuratoriums Sportwissenschaft, gleich zu Beginn deutlich. Die Forschung von Wemmer über offene Innovationen in Sportvereinen sei daher sehr begrüßenswert. Der Experte von der TU München stellte dem Plenum eine qualitative und eine quantitative Studie vor und gab den Zuhörern aus Kommunalpolitik, Sportverbänden und Sportvereinen Empfehlungen für ihre künftige Arbeit mit auf den Weg. "Sportvereine, die nicht vor Kooperationen mit Konkurrenten zurückschrecken und damit wertvolles externes Wissen gewinnen, sind erfolgreicher in Bezug auf Finanzen und Mitgliederentwicklung", war eines der zentralen Forschungsergebnisse des Sportwissenschaftlers.

Keine Angst vor Innovation!

Angst vor Innovationen sollten die Klubs keinesfalls haben, so der Tenor.Wemmer legte dar, dass das Mitgliederwachstum in den Sportvereinen der Landessportbünde zwischen 2009 bis 2014 genau null Prozent betrug, die Mitgliederzahlen der Fitnessstudios indes - die laut Emrich "vielleicht moderner, modischer sind und mehr Reputation haben" - stiegen im gleichen Zeitraum um fast 39 Prozent. Ein europaweites Phänomen, so Wemmer. "Wenn Vereine bereit sind das Leistungsangebot zu verbessern und dafür vielleicht auch die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen, kommen mehr jüngere Mitglieder - und die stellen die höchste Innovationsressource dar."Stefan Henn, Leiter des Institutes für Sportstättenentwicklung (ISE) an der Europäischen Sportakademie Trier, stellte die Arbeit seiner Institution vor. Das ISE bietet rheinland-pfalzweit erstmals wissenschaftlich fundierte und problemorientierte Beratungsleistungen für Kommunen, Verbände und Sportvereine zur Sportentwicklungsplanung an.

Institute unterstützen

Die sportwissenschaftlichen Institute unter Leitung der Professoren Eike Emrich und Lutz Thieme der Hochschulen Saarbrücken und Remagen leisten dabei entscheidende Unterstützung. Im Mittelpunkt der Projektarbeit stehen die Sportanlagen und Sporträume. Der ISE-Leiter fasste die Ziele des Angebotes zusammen: Umsetzung von Politik- und Vereinsberatung durch Erhebung und Analyse der Situation vor Ort, Beseitigung von Informationsdefiziten, Versachlichung von Diskussionen und Entscheidungsprozessen und Gewährleistung nachhaltiger Sportentwicklung auf der Basis gesicherter Daten.Aus der Vorstellung der aktuellen ISE-Auftragsprojekte ragte der interaktive digitale Sportstättenatlas der Stadt Trier heraus. Das Informationsinstrument zu Sportvereinen und Sportstätten im Großraum Trier wurde von Europäischer Sportakademie und ISE initiiert und ist im Internet unter www.trier.sportatlas.info abzurufen. Der Atlas wird im Auftrag der Stadt Trier ständig aktualisiert. Als wichtigen Baustein der Sportentwicklungsplanung bietet das ISE auch anderen Städten, Kommunen und Kreisen damit ein Referenzprojekt besonderer Güte.