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Trierer Missbrauchs-Opfer fordern Bischofs-Rücktritte

Nach der Veröffentlichung der Recherchen des "Spiegel" zum Missbrauchsskandal im Bistum Trier fordert die Trierer Opferorganisation MissBiT den sofortigen Rücktritt der verantwortlichen Bischöfe Ackermann, Marx und Bätzing.
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Titelseite des aktuellen Spiegel Foto: Screenshot

Titelseite des aktuellen Spiegel Foto: Screenshot

"Das Schweigen der Hirten - die ungesühnten Verbrechen im Bistum Trier" – das ist dieser Woche die Titelstory des Nachrichenmagazins "Der Spiegel". Für den mehrseitigen Artikel mit dem Titel "Der Teufel hinter der Kirchentür" (Spiegel+) war ein vierköpfiges Reporterteam monatelang durch das Bistum Trier gereist, sprach mit Dutzenden Betroffenen und Zeugen. Die Recherche zeige das wahre Ausmaß des Missbrauchsskandals – und wie Kirchenobere mutmaßliche Täter in manchen Fällen geschützt haben. Die Trierer Opferorganisation MissBit hat jetzt daraufhin eine Stellungnahme veröffentlicht: "Die Recherchearbeit des 'Spiegel' hat Hintergründe von schon bekannten Fällen sexualisierter Gewalt ans Tageslicht gehoben, aber auch Fälle, die bisher der Öffentlichkeit vorenthalten wurden. Es wird durch den Artikel klar, wie systematisch Bischöfe und andere Verantwortliche des Bistums Trier über Jahre priesterliche Täter geschützt und den Schutz von anvertrauten Menschen verletzt haben." Aufarbeitung Journalisten zu überlassen, statt selbst aktiv zu werden, sei ein Skandal "Der zynische Umgang mit dem Vertrauen der Gläubigen und mit den durch sexualisierte Gewalt Betroffenen verstört. Aus dem Brief des Generalvikars an die Mitarbeitenden des Bistums kurz vor Veröffentlichung des Artikels im 'Spiegel' ist ein Schuldeingeständnis geworden. Zitat: 'In Einzelfällen haben wir dies bereits öffentlich zugegeben.' Nun, da sich die Fakten nicht mehr zurückweisen lassen, kommt man nicht mehr umhin, die Schwere und das Ausmaß des Fehlverhaltens einzugestehen. Ein Skandal ist es, Recherche als wichtiger Teil der Aufarbeitung einem Journalistenteam zu überlassen,  statt selbst aktiv zu werden, wie es mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung Rörig vereinbart wurde." Ackermann verweist auf Kommission Bischof Stefan Ackermann verweist in seiner Stellungnahme auf die Aufarbeitungskommission, die in diesem Jahr ihre Arbeit aufgenommen hat: "Ich lege die Aufarbeitung und Bewertung der Fälle sexualisierter Gewalt in die Hände dieser Kommission. Und ich werde mich dem Ergebnis der Untersuchung der Kommission stellen." Instrumentalisierte Arbeit der Aufarbeitungskommission sei "Augenwischerei"
Missbit: "Ein Verweis auf die Aufarbeitungskommission, die vom Bistum Trier an dieser Stelle immer wieder vorgeschoben wird, hilft da nicht; das ist Augenwischerei und das Verschieben auf die lange Bank zu Lasten der Opfer. Jetzt muss eine wissenschaftliche Studie her, denn die Fakten liegen auf dem Tisch. Der Versuch von Ackermann, möglichst unbeschadet durchzukommen, ist endgültig gescheitert." Rücktritte der verantwortlichen Bischöfe Ackermann, Marx und Bätzing gefordert "Es darf nicht bei allgemeinen Schuldeingeständnissen stehen bleiben; die Faktenlage erfordert Konsequenzen. MissBit erneuert seine Forderung nach Umbenennung des Bischof-Stein-Platzes und der Rücknahme des Titels 'Ehrenbürger der Stadt Trier', heißt es von Seiten MissBit. Die Opferorganisation fordert außerdem den sofortigen Rücktritt der verantwortlichen Bischöfe Ackermann, Marx und Bätzing. Kommission will Studie in Auftrag geben In ihrer heute veröffentlichten Pressemitteilung teilt die Aufrabeitungskommission mit, dass sie sich entschieden habe, als Grundlage der Aufarbeitung eine Studie in Auftrag zu geben, die – unter Berücksichtigung bisher vorliegender Erkenntnisse – eine erste Übersicht über das Ausmaß von Missbrauchsfällen im Bistum ergibt. Danach will man über mögliche konkretisierende Studien, etwa rechtlicher Natur, entscheiden. Der Fokus liege jedoch – neben dem Aktenstudium – auf Gesprächen. Der Austausch mit Betroffenen habe begonnen, ebenso habe es bereits ein Treffen mit der Initiative MissBit gegeben. Offiziell haben sich 208 Betroffene gemeldet 148 Hinweise auf Beschuldigte habe das Aktenstudium ergeben. Seit 2010 hätten sich 208 Betroffene beim Bistum gemeldet. Alle diese Fälle und Vorwürfe sowie mögliche weitere Hinweise seien Gegenstand der Beratung und Untersuchung. Damit Betroffene Kontakt aufnehmen können, hat die Kommission ein E-Mail-Postfach eingerichtet: ukms@posteo.de  auf das nur die Kommissionsmitglieder Zugriff haben.  Die Kommission will jährliche Zwischenberichte vorlegen, den ersten im Laufe des Jahres 2022.Die Kommission ist mit Dr. Uwe Christoffer, Dr. Petra Hank, Herbert Heyd, Professor Dr. Lutz Raphael, Professor Dr. Gerhard Robbers, Dr. Monica Sinderhauf und Dr. Karl-Horst Wirz interdisziplinär besetzt mit Betroffenen und Fachleuten aus Wissenschaft, Fachpraxis und Justiz. Unterstützt bei der Organisation der Arbeit wird die Kommission von der Interventionsbeauftragten für sexuellen Missbrauch, Dr. Katharina Rauchenecker.Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder sind auf drei Jahre ernannt, mit der Möglichkeit, das Mandat zu verlängern; sie erhalten eine Aufwandsentschädigung. Grundlage ihrer Arbeit ist die „Gemeinsame Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland“ des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs und der Deutschen Bischofskonferenz. Sie arbeitet nach einer auf der Homepage der Kommission www.aufarbeitungskommission.bistum-trier.de  veröffentlichten Geschäftsordnung.