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Wildkatze fühlt sich in der Region Trier wohl

Wildkatzen leben nur in großen Wäldern abseits menschlicher Siedlungen - davon waren bis vor kurzem Fachleute überzeugt. Inzwischen konnte aber nachgewiesen werden, dass der "europäische Tiger" sich auch in Siedlungsnähe durchaus zuhause fühlt. Auch in der Region Trier-Saarburg gibt es mittlerweile mehrere Hundert Tiere.
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Schon im Jahr 2010 konnten Artenschützer des BUND Trier-Saarburg Wildkatzen im Mattheiser Wald nachweisen. Inzwischen haben sie im Rahmen des vom Forstamt Trier und dem Landesjagdverband unterstützten Projektes zum "Nachweis der Europäischen Wildkatze in der Region Trier" das Untersuchungsareal auf das Kreisgebiet Trier-Saarburg ausgedehnt. Dabei setzten sie auf den für Katzen betörenden Baldrian. Er wurde auf kurze Holzlatten aufgebracht, die an 60 geeigneten Standorten aufgestellt wurden. Rieben sich die Katzen an diesen Lockstöcken, blieben Fellhaare haften. So wurden 170 Proben gewonnen. In 44 Fällen wurden diese dem Senckenberg Institut in Frankfurt am Main zur genetischen Analyse zur Verfügung gestellt. Von den eingesandten Proben wurden 28 als Wildkatzenhaare bestätigt, weitere 17 Bestätigungen werden in Kürze erwartet. Die an den Lockstöcken installierten Videokameras erbrachten außerdem über 200 Bildnachweise von Wildkatzen.

Überraschendes Ergebnis

Das Ergebnis überraschte die Freizeitforscher. Klaus-Peter Kugel vom BUND: "Sofern die Biotopbedingungen stimmen, ist von einer weiten Verbreitung der Wildkatze im Kreis Trier-Saarburg auszugehen." Als geeignete Biotope erwiesen sich nicht nur größere Waldgebiete, sondern durchaus auch kleinere Gehölze in Siedlungsnähe - insofern diese durch bewachsene Geländestreifen vernetzt sind. Kugel: "Wahrscheinlich wird man manches in der wissenschaftlichen Literatur zur Verbreitung der Wildkatze umschreiben müssen", so Kugel.

300 bis 500 Tiere

Dabei gelangen den Artenschützern anhand einer rastergestützten Erfassung vorsichtige Schätzungen zur Anzahl der Wildkatzen in der Region. Hierzu wurde die in bestimmten Gebieten genetisch ermittelte Zahl an Einzeltieren auf Flächen mit ähnlichen Biotopstrukturen hochgerechnet. So kam man auf einen vermuteten Bestand von 300 bis 500 Tieren im Bereich Trier-Saarburg. "Das ist einmal eine gute Nachricht zum Artenschutz, auf den die Region stolz sein kann", so Klaus-Peter Kugel. Das sah auch die Kreisverwaltung Trier-Saarburg so und verlieh der Kreisgruppe des BUND für das erfolgreiche Projekt im Juni den Umweltpreis 2015.

Besondere Verantwortung

Aus Sicht des Preisträgers erwächst der Region aus dem erfreulichen Befund aber auch eine besondere Verantwortung. Denn die Wildkatze sei in Mitteleuropa nach wie vor gefährdet und ihre Verbreitung auf einen Restbestand des ehemals besiedelten Gebietes geschrumpft, so der BUND. Ob die Bestände in unserem Raum stabil sind, ob sie gar zunehmen und zur Ausbreitung in andere Regionen beitragen können – dazu gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Nach wie vor muss von einer starken Gefährdung der Europäischen Wildkatze in unserer Region ausgegangen werden.

Gefahren für die Wildkatze

In der Nähe menschlicher Siedlungen kommen neue Gefahren hinzu, wie beispielsweise durch den Straßenverkehr. Auch die verstärkte Freizeitnutzung der Landschaft kann zu Problemen führen, wenn sie nicht mit einem rücksichtsvollen Verhalten gegenüber der Natur verbunden wird. Nicht angeleinte und streunende Hunde können besonders für Jungkatzen gefährlich werden und so den Fortbestand der Art bedrohen. Als besonders kritisch wird der in Siedlungsnähe vermutlich häufigere Kontakt mit freilaufenden Hauskatzen bewertet: da sich beide Arten paaren, kann dies zu einer genetischen Vermischung führen. Vor allem können unsere Stubentiger Krankheiten übertragen, gegen die Wildkatzen nicht immun sind. "Freilaufende Hauskatzen sollten kastriert sein und ansteckende Krankheiten sollten wirksam bekämpft werden", sagt Klaus-Peter Kugel. Wichtig sei es auch, geeignete Rückzugsorte wie alte Bauminseln mit Totholzanteilen in der Landschaft zu schützen. Dort finden Wildkatzen eine sichere Kinderstube.

Landwirtschaft profitiert von Wildkatze

Dabei nützten nachhaltige Wald- und Landwirtschaft nicht nur der Wildkatze und anderen Arten, umgekehrt profitieren diese auch vom "europäischen Tiger": wissenschaftliche Untersuchungen des Mageninhalts haben ergeben, dass Wildkatzen sich zu etwa 85 Prozent von Ratten und Mäusen ernähren. Da können sich laut BUND auch Förster und Landwirte freuen.

Projekt "Wildkatzensprung"

Der BUND Trier-Saarburg wird die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit in das Bundesweite Projekt "Wildkatzensprung" einbringen, dessen Ziel eine weiträumige Vernetzung für Wildkatzen geeigneter Biotope ist. Zum Thema Wildkatze sind bundesweit ehrenamtliche Mitarbeiter des Projektes "Wildkatzensprung" beteiligt. Diese wollen in Kürze mit überregionalen Forschungsergebnissen an die Öffentlichkeit gehen.  Weitere Infos zur Europäische Wildkatze gibt es hier.