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Wildkatzen auf dem Vormarsch

Wildkatzen fühlen sich rund um Trier wohl. Mindestens 69, wahrscheinlich aber bis zu 100 »Europäische Tiger« leben im Meulenwald und tauschen sich sogar mit französischen und luxemburgischen »Kollegen« aus: dieses Ergebnis lieferte das jetzt abgeschlossene Projekt »Wildkatzensprung«.
Bilder

In drei Jahren Fleißarbeit wurden dafür rund 1.500 Mal sogenannte Lockstöcke – mit Baldrian besprühte Dachlatten – an festen Standorten kontrolliert. Mit Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helfer sammelte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hier  Haare ein, die die scheuen Waldbewohner am rauhen Holz hinterlassen hatten (siehe Foto). Im Forschungsinstitut Senckenberg wurden sie untersucht und einzelnen Individuen zugeordnet. An dem bundesweiten Projekt hatten sich zehn BUND-Landesverbände beteilgt. Ziel war der Aufbau einer Wildkatzendatenbank in großem Stil. Ergebnis: Mit rund 42 wilden Katzen pro 100 Quadratkilometern kommt der Meulenwald im bundesweiten Vergleich auf eine sehr gute Quote. Der Bestand der gefährtdeten Tiere hat sich in unserer Region gut erholt. Mehr noch, der »Wildkatzensprung« hat gezeigt: etwa die Hälfte der deutschen Wildkatzen (615 Tiere sicher nachgewiesen) leben in Rheinland-Pfalz – Eifel und Hunsrück bilden dabei einen Schwerpunkt. Die vergleichsweise hohe Bestandsdichte macht es auch möglich, dass Wildkatzen aus dem Meulenwald abwandern und neue Gebiete erschließen. Dafür allerdings müssen Wälder wieder vernetzt sein, zum Beispiel durch Wildkorridore, Überpflanzungen oder Waldinseln. (cn)

Zehn Fragen an…

...Klaus-Peter Kugel – Wildkatzenexperte der BUND-Kreisgruppe Trier-Saarburg

Die Europäische Wildkatze ist im Raum Trier weit verbreitet – nicht nur inmitten der Wälder, sondern auch in Siedlungsnähe. Wir fragen uns...

1. Wie unterscheidet sich die Wild- von der Hauskatze?

Die Hauskatze sucht und die Wildkatze meidet menschlichen Kontakt.  Unsere Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) gibt es seit 100 Tausend !!! Jahren bei uns. Die Hauskatze (Felis silvestris catus) stammt von der Afrikanischen Falbkatze ab und wurde vor 2000 Jahren durch die Römer nach Europa gebracht.

2. Vertragen sich beide?

Beide Arten treffen in der Regel nur in Nähe der menschlichen Siedlungen aufeinander. Da die Wildkatze besser »durchtrainiert« ist, wird sie in ihrem Streifgebiet der Hauskatze zeigen, wer dort das Sagen hat. 3. Was steht auf dem Speiseplan einer Wildkatze?
Mäuse, Mäuse und nochmal Mäuse. Hin und wieder mal ein Vogel, ein Kaninchen oder eine Eidechse.

4. Wo sind Wildkatzen in der Region außer im Meulenwald noch heimisch?
In unserer Region ist die Wildkatze in fast allen Wäldern, Strauch- und Heckenbereichen anzutreffen. Allerdings ist sie in weiten Teilen Deutschlands ausgestorben!

5. Leben sie auch in der Stadt?
Ganz klar: NEIN! Die Wildkatze ist extrem scheu und meidet menschliche Siedlungen. Hin und wieder konnten wir sie ab etwa 300 Meter von Häusern nachweisen, sofern sie genügend Deckung hatte.

6. Habe ich als Wanderer eine Chance, Wildkatzen zu sichten?
Wenn man sich in Naherholungsgebieten, besonders in abgelegenen Bereichen, sehr ruhig verhält, hat man eine Chance sie zu beobachten. Aber die Katze ist sehr gut getarnt und geht fast nur bei Dämmerung und bei Nacht auf die Jagd, so dass diese Fälle leider sehr selten sind.

7. Warum gibt es nur noch relativ wenige Tiere?
Wildkatzen wurden in früheren Jahrhunderten sehr stark bejagt und dadurch fast ausgerottet. Erst ab 1934 wurden sie gesetzlich unter Schutz gestellt. Heute macht ihnen die Zerschneidung ihrer Lebensräume durch Straßen, Siedlungen und die Landwirtschaft das Leben extrem schwer.

8. Was kann ich als Anwohner zu ihrem Schutz beitragen?
Alles Erdenkliche tun, damit unsere Landschaft nicht zersiedelt wird und möglichst natürlich erhalten bleibt. Davon werden dann auch viele, viele andere Wildtiere profitieren.

9. Wie reagiere ich, wenn ich eine verletzte Wildkatze / ein Jungtier gefunden habe?

Junge Wildkatzen im Wald niemals mitnehmen! Gegebenenfalls den Jagdpächter oder die nächstgelegene Forstdienststelle verständigen. Wenn ihre Mutter bei der Nahrungssuche ist und die Jungtiere zum Spielen ausgebüchst sind, wird sie diese bei ihrer Rückkehr sofort wieder an einen sicheren Ort bringen.

10. Wie geht es mit dem Projekt Wildkatze jetzt weiter?

Jetzt, nachdem wir wissen, wo die Wildkatze bei uns lebt, werden wir untersuchen, wie wir die Lebensräume der Wildkatze verbessern können. Wissenswertes zur Wildkatze, regionale Informationen sowie Kontaktmöglichkieten zur BUND-Kreisgruppe Trier-Saarburg unter http://trier-saarburg.bund-rlp.de


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