Jan Kreller

"Wir waren auch Freunde"

SAARBURG. Im Modehaus Müller-Hamann teilen sich nach dem Tod des Geschäftsinhabers Stefan Müller-Hamann jetzt zwölf ehemalige Angestellte die Geschäftsleitung.

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Von links: Die neuen Inhaber Christel Baack, Irmgard Merz, Birgit Lion, Silke Reinert, Anja Jäger, Gerlinde Moske und Jessica Koch (vorne) bieten den Kunden im Modehaus Müller-Hamann neben persönlicher Beratung auch ein vielfältiges Angebot von Bekleidung und Schuhen hochwertiger Marken.

Von links: Die neuen Inhaber Christel Baack, Irmgard Merz, Birgit Lion, Silke Reinert, Anja Jäger, Gerlinde Moske und Jessica Koch (vorne) bieten den Kunden im Modehaus Müller-Hamann neben persönlicher Beratung auch ein vielfältiges Angebot von Bekleidung und Schuhen hochwertiger Marken.

Foto: Matthias Willems

Das Modehaus Müller-Hamann ist eine Institution in der Saarburger Geschäftswelt. Großen Anteil daran hat Stefan Müller-Hamann. Umso größer war der Schock, als der allseits beliebte und hochgeschätzte Unternehmer im September 2021 plötzlich und unerwartet starb. Das Saarburger Original hatte sich stets für seine Heimatstadt engagiert und mit großem Tatendrang viele Ideen auf den Weg gebracht. Ehrenamtlich engagierte er sich zudem in der Saarburger »Karnevalsgesellschaft Hau-Ruck«. Seine »Familie« waren aber die Angestellten in seinem Geschäft, denen er in seinem Testament zu gleichen Teilen den Laden und die Immobilie vermacht hat. Die elf Frauen (und der Hausmeister) haben nun gemeinsam die Führung des Modehauses übernommen. »Wir waren doch sehr überrascht«, erzählt Birgit Lion über das unerwartete Erbe ihres Chefs. Für sie und ihre Kolleginnen war Stefan Müller-Hamann mehr als nur ihr Vorgesetzter. »Er war auch unser Freund. Er hat uns zugehört, wenn es mal Probleme gab und hatte auch Verständnis für private Sachen«, erzählt Christel Baack, die schon seit 21 Jahren im Geschäft tätig ist. Auch abseits der Arbeit habe man viel gemeinsam unternommen. Geburtstage, Weihnachtsfeiern oder auch mal ein Konzertbesuch. »Er war ein ganz toller Mensch«, so Baack.

 

Erbe in guten Händen

 

Schnell sei man sich einig gewesen, das Geschäft in seinem Sinne weiterzuführen. »Wir haben ja auch viel von ihm gelernt«, sagt sie. An der Geschäftsphilosophie wird sich daher nichts ändern. »Der Kunde ist König«, sagt Jessica Koch. Eine gute Beratung steht im Vordergrund. »Man wird hier nicht allein gelassen«, betont sie. Ein großes Plus gegenüber dem Onlinehandel. Viele Kunden schätzen den Rat der Modeexpertinnen und ziehen die familiäre Atmosphäre der Anonymität der großen Geschäfte vor. Etwas, das auch Kochs Kollegin Irmgard Merz wichtig ist, die seit 13 Jahren in Saarburg ist. Die 57-Jährige hat Spaß am direkten Kontakt mit den Kunden. »Man lernt sie über die Jahre kennen. Wir hören fast jeden Tag, wie froh die Kunden sind, dass es uns gibt«, sagt Merz. Mehr als 60 Prozent sind Stammkunden, die teils von weit herkommen. Aus Luxemburg, Frankreich oder sogar den Niederlanden. Im Sommer finden auch viele Touristen den Weg ins Geschäft. Das Angebot umfasst Damenbekleidung, Herren-Oberbekleidung, Kindermode und Schuhe. Großen Wert legt man bei der Auswahl auf qualitativ hochwertige Markenware. Da das Geschäft als eine GmbH geführt wird, braucht es aus rechtlichen Gründen auch eine Geschäftsführung. Diesen Part übernehmen Jessica Koch und Irmgard Merz. Alle wichtigen Entscheidungen werden jedoch im Kollektiv getroffen. Koch und Silke Reinert engagieren sich zudem ehrenamtlich im Vorstand des Saarburger Gewerbevereins. Dort war auch ihr früherer Chef über viele Jahre aktiv. So wird man sich auch in Zukunft zum Beispiel an den beliebten Aktionstagen der Stadt beteiligen. Das Lebenswerk von Stefan Müller-Hamann ist also in guten Händen.

 

(mw)

 


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