Claudia Neumann

Zeichen gegen Krieg setzen, freien Wohnraum melden

Während jeder Bürger seine Solidarität mit der Ukraine auch am Sonntag wieder öffentlich dokumentieren und ein Zeichen gegen den Krieg setzen kann, suchen die Verwaltungen nach Wohnraum für die zu erwartenden ukrainischen Kriegsflüchtlinge. Diese werden zudem die Buslinien der Stadtwerke gratis nutzen können.
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Am Mittwoch war die Porta Nigra in ukrainischen Farben angestrahlt. Hunderte Trierer waren dem Aufruf zur Solidaritätskundgebung gefolgt.

Am Mittwoch war die Porta Nigra in ukrainischen Farben angestrahlt. Hunderte Trierer waren dem Aufruf zur Solidaritätskundgebung gefolgt.

Foto: Claudia Neumann

"Putin raus aus der Ukraine - Gegen Krieg - für konsequente Friedenspolitik": unter diesem Motto ruft der Trierer Verein "Für ein buntes Trier - gemeinsam gegen rechts" zur Demonstration am Sonntag, 6. März, um 14 Uhr am Viehmarkt auf. Die Demo wurde von einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen aus der Friedens-, Gerechtigkeits- und Klimabewegung angemeldet.
 
"Angesichts des Grauens des Krieges sagen wir: Dieser Krieg muss sofort enden. Russland muss die Bombardierung einstellen, die Truppen abziehen, die völkerrechtswidrig besetzten Gebiete zurückgeben, den Frieden wiederherstellen. Wir fordern alle mit Kontakten nach Russland auf, die Russ:innen zum kompromisslosen Eintreten für den Frieden, zum Sturz der Diktatur und Soldaten zum desertieren aufzurufen. Wir verneigen uns vor dortigen Kriegsgegner:innen, die alles riskieren. Wir hoffen, dass viele ihnen folgen.
 
Von unserer eigenen Regierung verlangen wir:
 
1. unverzüglich Evakuierungen von Zivilist:innen aus dem gesamten Gebiet der Ukraine zu organisieren und sie aufzunehmen
 
2. konsequent die Grenzen für Flüchtende von dort und allen anderen Kriegsgebieten zu öffnen, sie menschenwürdig unterzubringen, ihnen Schutz und Asyl zu gewähren. Flucht darf nicht länger kriminalisiert werden.
 
3. alles zu tun, um dem Aggressor Putin Grenzen aufzuzeigen und ihn zurück an den Verhandlungstisch zu bewegen. Es darf nicht mehr gewartet werden bis die Situation noch schlimmer wird.
 
4. unverzüglich die schwere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern aus Russland ab, erneuerbare Energie auszubauen. An diesem Handel klebt das Blut der Ukrainer:innen. Ökologisch bedroht er die Zukunft.
 
Von unserer Stadt, Trier, erwarten wir:
- weitet die bereits zugesagte Aufnahmebereitschaft aus. Setzt sie endlich menschenwürdig um. Wir finden es beschämend für Trier, was etwa afghanische und syrische Geflüchtete im Sommer 2015 erlebten, wie die Unterbringung in der Afa gestaltet ist. Alle in Trier Schutzsuchenden haben Besseres verdient. Wirken sie auf das Land ein, dies zu ändern. Trier muss nicht nur ein sicherer Hafen sein wollen, sondern endlich werden.
 
- Wir rufen die Trierer Bevölkerung auf, sich an Solidaritätsaktionen und Sammlungen für die Menschen in der Ukraine zu beteiligen, wo sie können zu unterstützen, mit Einsatz und Unterkunft. Trier hat schon viele Male großherzige Solidarität gezeigt, sie wird wieder gebraucht."

Stadt Trier trifft Vorbereitung für die Aufnahme von Geflüchteten und setzt auch auf private, humanitäre Hilfe
 
Der von Oberbürgermeister Wolfram Leibe in der Verwaltung eingerichtete ämterübergreifende Stab geht davon aus, dass sowohl über private Kontakte als auch über offizielle Wege durch Bund und Land möglicherweise kurzfristig zahlreiche Menschen aufgenommen werden müssen. Die Verwaltung richtet deshalb in einem Gebäude der Jägerkaserne, das ohnehin noch zur Flüchtlingsunterbringung genutzt wird, weitere Räume zur Aufnahme ein. Auch andere Wohngebäude in städtischem Besitz werden hergerichtet, um Menschen möglichst nicht in Sammelunterkünften unterbringen zu müssen.
 
Die Verwaltung geht allerdings davon aus, dass dies möglichweise nicht reichen wird. Deshalb sucht die Verwaltung ab sofort Menschen, die Wohnraum in Trier zur Verfügung stellen können. Das können beispielsweise leerstehende Einliegerwohnungen sein, Häuser oder Ferienwohnungen. Denkbar ist auch, Zimmer als Mitwohngelegenheit anzubieten, also Flüchtlinge im eigenen Haushalt aufzunehmen. Alle eingehenden Angebote werden vom Amt für Soziales und Wohnen gesammelt und geprüft, um für den Eventualfall vorbereitet zu sein. Für Bürgerinnen und Bürger, die Wohnraum in der Stadt Trier anbieten können, ist ein Online-Formular auf der Internetseite www.trier.de/helfen eingerichtet worden. Bitte geben Sie dort zunächst Ihre Daten ein. Sie erhalten dann in den nächsten Tagen in jedem Fall einen Rückruf aus dem Amt für Soziales und Wohnen.
 
Oberbürgermeister Wolfram Leibe sagt: „Schon 2015/2016 haben wir in Trier gemeinsam Mitmenschlichkeit gezeigt und die Herausforderung mit den vielen Menschen auf der Flucht gemeistert. Ich bin sicher, das wird auch bei den anstehenden Aufgaben wieder gelingen. Ich danke allen, die jetzt schon Menschen unkompliziert aufgenommen haben oder sich bei Hilfsaktionen engagieren. Trier steht zusammen und zeigt Solidarität mit den Opfern dieses Krieges.“

 
Große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung
 
Auch der Kreis Trier-Saarburg rechnet damit, dass viele Flüchtlinge hier bei uns Hilfe suchen. Das Land Rheinland-Pfalz hat die Landkreise, Städte und Kommunen gebeten, freien Wohnraum zu erfassen, um ankommende Menschen schnell unterbringen zu können. 
 
Bereits jetzt erreichen die Gemeinden Angebote von Privatpersonen, die Wohnungen für Schutzsuchende aus der Ukraine bereitstellen möchten. Verbandsgemeinden und Landkreis bündeln diese Angebote, damit bedarfsgerecht Wohnraum zugewiesen werden kann.
 
Wer Wohnraum zur Verfügung stellen möchte, kann sich ab sofort an die jeweilige Verbandsgemeindeverwaltung wenden
 
-Verbandsgemeinde Hermeskeil Mail: t.mertz@hermeskeil.de  oder s.zimmer@hermeskeil.de  Telefon: 06503-809-101 oder -113 "
- Verbandsgemeinde Konz Mail: ukrainehilfe@konz.de  Telefon: 06501-83-195 oder -196
- Verbandsgemeinde Ruwer Mail: Fluechtlingshilfe@ruwer.de  Telefon: 06500-918-009 oder -010
- Verbandsgemeinde Saarburg-Kell Mail: pressesprecher@saarburg-kell.de  Telefon: 06581-81-119
- Verbandsgemeinde Schweich Mail: unterkunft@schweich.de  Telefon: 06502-407-303 
- Verbandsgemeinde Trier-Land Mail: ukraine@trier-land.de  Telefon: 0651-9798-151
 
Hinsichtlich der Betreuung vor Ort steht die Kreisverwaltung bereits jetzt im engen Austausch mit den regionalen Hilfsorganisationen. Neben Wohnraum werden sicher auch Personen mit ukrainischen Sprachkenntnissen benötigt. Wer hier helfen kann, wende sich bitte ebenfalls an die o.g. Verbandsgemeindeverwaltungen.
 
Spenden: Nationale Hilfsorganisationen nutzen Wer darüber hinaus helfen möchte, sollte vor allem offiziellen Spendenkonten wie beispielsweise "Aktion Deutschland hilft" nutzen, in dem sich die großen Hilfsorganisationen zusammengeschlossen haben.
 
Kostenlose Nutzung der Stadtwerke-Buslinien für ukrainische Geflüchtete
 
Zeichen der Solidarität: Geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer können ab sofort die Linienbusse der Stadtwerke Trier (SWT) gratis nutzen. Als Nachweis für das Fahrpersonal genügt ein gültiges Ausweisdokument.
Damit beteiligen sich die SWT zusammen mit mehr als 600 Verkehrsunternehmen an einer Gemeinschaftsaktion, die für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine kostenlose Mobilität in ganz Deutschland ermöglicht.
"Wir sind tief betroffen vom Leid dieser Menschen. Mit dieser Aktion möchten wir einen kleinen Beitrag zum Zusammenhalt in Europa leisten", sagt Michael Schröder, Bereichsleiter Mobilität bei den Stadtwerken.
Bei Fragen steht das Team im Stadtbus-Center unter 0651 717-273 oder stadtbus@swt.de zur Verfügung.