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Zwischen Trauer und Tollitäten

Allerheiligen, Totensonntag und Volkstrauertag auf der einen Seite, auf der Karnevalsauftakt am 11.11. Die letzten Oktoberfeste und die ersten Weihnachtsfeiern gehen in diesem Monat auch über die Bühne. Der November hat ein breites Spektrum an Gesichtern und Gefühlen zu bieten. Was sagen Vertreter von Karneval und Kirche zu dem, was der November heute (noch) ist?
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Bunt und lustig geht es an vielen Orten der Region heute zu, wenn pünktlich um 11.11 Uhr die neue Karnevalsession eröffnet wird. "Es ist doch schön, wenn die Fastnachter etwas Lebensfreude in diesen trüben Monat bringen", sagt Peter Pries. Der Trierer ist seit viereinhalb Jahrzehnten als Narr aktiv und bekleidet das Amt des Landesverbands-Präsidenten Rhein-Mosel-Lahn im Bund Deutscher Karnevalisten.

Karneval will Weltkulturerbe werden

Bereits vor dem 11.11. waren auch diesmal die Jecken in der  Region aktiv, wie etwa am vergangenen Sonntag, als in  Waldrach das Ordensfest stattfand. Ab dem 5. November bis zum Samstag vor dem Totensonntag (diesmal der 20.) dürfen die Narren laut BDK-Kodex feiern. Dann weicht die Narretei der (Vor-) Weihnachtszeit und legt erst wieder um den 6. Januar los. "Vereine, die sich nicht daran halten, riskieren sogar ihre BDK-Mitgliedschaft", berichtet Pries. Ihm ist die Einhaltung der gesteckten Rahmen wichtig – um so im Zyklus der Traditionen nicht für Verwirrung zu sorgen, aber auch deshalb, weil man ein großes Ziel weiter verfolgt: "Der Karneval kämpft weiter um die Anerkennung als Weltkulturerbe. Da ist die Glaubwürdigkeit wichtig." In diesem Zusammenhang lässt er übrigens auch durchblicken, dass man von BDK-Seite von karnevalistischen Aktivitäten im Sommer nicht gerade begeistert ist...

November macht Menschen zu schaffen

Der November ist aber nicht nur der klangvolle  Auftakt in die neue Session, sondern macht vielerorts den Menschen auch zu  schaffen.  Da sind die vielen trüben Tage, die auf die Stimmung drücken. Das feucht-kalte Wetter lässt  die Knochen doppelt spüren. Das Aufstehen, wenn es noch dunkel ist, wird  hier  und da zu einer Heldentat.  "Ich bin froh, wenn der  November vorbei ist", heißt es immer wieder...

Kein Widerspruch

Karneval und  Trauermonat: darin sieht Pater Aloys Hülskamp vom Jugendwerk Don Bosco aus Trier übrigens keinen Widerspruch: "Trauern, feiern  – alles gehört doch zum Leben dazu." Trauern würde man auch nur um die Menschen, die einem etwas bedeutet haben. "Somit drückt sich damit auch eine ganz besondere Beziehung und Verbindung aus." Die Vergänglichkeit der Natur werde auch und gerade im November deutlich, sagt der katholische Geistliche weiter: "Dabei ist das Sterben ein Teil des Lebens und schon von Anfang an programmiert. Es ist also etwas völlig Normales." Die vielen Feiertage sieht er vom Grundsatz her als eigentlich gar nicht so traurig an: "Allerheiligen etwa ist eigentlich positiv. Schließlich gedenken wir doch den Menschen, die bereits zur Vollendung mit Gott gelangt sind."

"Jede Jahreszeit hat ihren Reiz"

Pater Hülskamp kann auch dem von der Witterung her oft eher tristen vorletzten Monat des Jahres, der zudem den Abschluss des Kirchenjahres darstellt, Wertvolles abgewinnen: "Jede Jahreszeit und jeder Monat haben ihren Reiz. Wenn ich mal wieder zwischen Pallien und Zewen  mit meinem Fahrrad unterwegs bin oder entlang der Mosel spazieren  gehe, kann auch der November mit seinem oft prächtig-bunten Farbenspiel, der Stille und den ersten Vorboten des Winters etwas Außergewöhnliches darstellen."

Warum der 11.11.?

Auf griechische, römsche und germanische Traditionen geht der Karnevalsauftakt im November zurück. Im November gedachte man der Götter, die für die Gaben des Herbstes, vornehmlich den Wein, zuständig waren.  In der gallischen Kirche bereitete der Advent nicht auf Weihnachten, sondern auf das alte Hauptfest Epiphanie vor. Der Advent war eine Fastenzeit, die am Martinstag begann und 56 Tage dauerte. Die Feier des 11. im 11. entwickelte sich erst im 19. Jahrhunderts zum Auftakt der Karnevalssession. AA