Teures Holz lässt Haus-Träume platzen

Mandern. Für eine junge Familie aus Mandern platzt der Traum vom Eigenheim. Schuld daran sind die explodierenden Holzpreise. Bürgermeister Tim Kohley fordert Exportbeschränkungen für heimisches Bauholz.

Ganz idyllisch am Ortstand der Hochwald-Gemeinde Mandern mit Blick ins Tal und auf viel Natur und Wald hätte es stehen sollen, das neue Haus von Jenny Eisenring und ihrem Lebensgefährten Pascal Grundhöfer. Genau dort wollten sie schon im nächsten Jahr zusammen mit Söhnchen Ben ihre Heimat genießen, vielleicht schon Weihnachten feiern. Das junge Paar hatte schon ganz konkrete Pläne, wie ihr Traumhaus aussehen wird. Es sollte »ein ganz normales« gemütliches  kleines Häuschen mit Erker und Gauben und vielleicht einem gemütlichen Kamin werden. Ein schöner Garten sollte natürlich auch nicht fehlen.

Plötzlich Mehrkosten von 100.000 Euro

Und die Zeiten dafür standen ja eigentlich auch sehr gut, da die Zinsen für Kredite niedrig sind und die Gemeinde bezahlbare Grundstücke für Eigenheime freigegeben hat. Das junge Paar fand ein passendes Grundstück und reservierte es. »Es war das oberste Grundstück mit einem wundervollen Blick auf Mandern. Über dem Grunstück ist auch gleich der Wald«, berichtet Jenny Eisenring. »Anfang des Jahres haben wir mit der Bauplanung begonnen und mit einigen Baufirmen von Fertighäusern gesprochen. Dann sind die Holzpreise so hoch gegangen und wir haben von Lieferengpässen von Baumaterialien gehört. Auch andere Baumaterialien sind teuerer geworden. Daraufhin haben wir alles nochmals durchgerechnet und kamen auf Mehrkosten von etwa 100.000 Euro«, sagt Jenny Eisenring traurig. Das war ihr und ihrem Lebensgefährten einfach zu viel. »Man will ja auch noch leben und in Ruhe schlafen können«, sagt sie. Insgesamt hätte der Traum vom Eigenheim am Ende rund eine halbe Million Euro gekostet. Kalkuliert war eine Summe von 350.000 Euro, maximal 400.000 Euro.

Exportbeschränkungen für heimisches Bauholz

So wie Familie Eisenring/Grundhöfer geht es vielen jungen Familien. »Wir haben das Neubaugebiet erschlossen, um auch jungen Familien die Möglichkeit zu geben, im Ort zu bleiben und dort zu leben«, erklärt Manderns Ortsbürgermeister Tim Kohley. Nun sei man an einem Punkt angekommen, wo die Leute Probleme haben, ihre Hausfinanzierung so hinzubekommen, dass sie noch ruhig schlafen können. Deswegen fordert Kohley Exportbeschränkungen für heimisches Bauholz. »Bauholz muss für die Menschen der Region bezahlbar bleiben. Die Unternehmer der Region sollen an den steigenden Preisen auf dem Weltmarkt partizipieren.«

»Bauen ist nur noch was für Reiche«

Dass sich die Situation in der Baubranche wieder entspannt, daran glaubt Kohley nicht.  »Wenn Preise erst einmal gestiegen sind, dann bleiben sie erfahrunsgemäß auch auf diesem Niveau. Dafür verdienen zu viele Menschen gut daran. Die hohen Preise bleiben«, befürchtet Kohley. »Für Normalverdiener gibt es da fast keine Möglichkeiten mehr, ein Haus zu bauen, denn zum Hausbau kommen ja auch noch die Grundstückspreise dazu. Bauen ist eigentlich nur noch was für Reiche«, so Kohley.
Das sieht auch Jenny Eisenring so. Sie und ihr Lebenspartner wollen sich nun nach einem alten Haus im Ort umsehen und entsprechend umbauen. »Ein altes Haus kann man auch gemütlich herrichten«, findet Jenny Eisenring, denn dass die Familie in Mandern bleiben will, steht außer Frage.

Video unter www.facebook.com/wochenspiegel.trier

 

HINTERGRUND: Warum ist der Holzpreis so gestiegen?

 Trotz Corona boomt der Holzbau. Jetzt kommen aber Beschaffungsprobleme und massive Preiserhöhungen. Bereits seit Mitte 2020 gibt es diese ungewöhnlich starken Preiserhöhungen.  Ein Grund dafür ist die anhaltend starke Nachfrage der Bauwirtschaft.  Aufgrund von Corona haben viele Privatleute Zeit zum Bauen. Die Nachfrage ist dementsprechend hoch. Ein weiterer Grund sind die boomende Exportmärkte. Besonders in USA und China verzeichnet Holz eine überdurchschnittlich hohe Nachfrage. Dabei kommt viel Holz aus Deutschland.

FIS

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