Erwin Berg will mit Krettnach nochmal in die Bezirksliga

Niedermennig. Er stieg 1992 mit dem FSV Salmrohr ums Haar in die Zweite Bundesliga auf, trainierte auch darüber hinaus viele Jahre mit einigem Erfolg den FSV, den SC Idar-Oberstein, den SV Wittlich, den SV Prüm und auch den SV Mettlach in der Regional- oder Oberliga. Seit November2008 coacht Erwin Berg (60) inzwischen den SV Krettnach. Mit dem Tälchen-Klub musste er im Juni den bitteren Gang in die A-Klasse Trier-Saarburg antreten ? der renommierte Verein und der profilierte Trainer betraten damit Neuland. Wie Berg die aktuelle Situation in Krettnach sieht, wie viel Lust er noch verspürt, weiter zu machen und was er zum Fußball in der Region zu sagen hat, verrät er im WOCHENSPIEGEL-Interview.

 

Als Absteiger aus der Bezirksliga rangieren Sie mit dem SV Krettnach nur auf dem neunten Platz. Bonjour Tristesse im Tälchen, wo man rund vier Jahrzehnte lang überkreislichen Fußball gesehen hat?

Der Aderlass nach der alten Saison war sehr groß. Zahlreiche Spieler, die wir von außerhalb dabei hatten, haben uns verlassen. Nun konzentrieren wir uns wieder mehr auf eigene Talente, die aber derzeit auch nicht so zahlreich gesät sind. Ich will und muss mit den Mädchen tanzen, die ich aktuell zur Verfügung habe. Davon, dass wir nicht ganz vorne mit dabei sind, mussten wir ausgehen. Drei, vier Plätze könnten es aber zum jetzigen Zeitpunkt sein.

 

Ist dem SV Krettnach damit zum Verhängnis geworden, in den vergangenen Jahren allzu massiv auf »Legionäre« gesetzt zu haben, die nach dem Abstieg weg gegangen sind?

Um das Ziel zu erreichen, weiter in der Bezirksliga zu spielen, mussten wir uns doch auch außerhalb des Tälchens umsehen. Ich habe seit 2008 viele starke einheimische Spieler hier kennen gelernt, sehr viele davon hat es aber vor allem studienbedingt weg gezogen.

 

Der Start mit sieben Punkten aus drei Spielen war noch sehr verheißungsvoll?

Da sah auch vieles gut aus. Was dann folgte, waren aber einige Personalprobleme. André Hüther, Tim Jonas, Paul Fiegler oder ein Mike Gaugler: Aus verschiedenen Gründen standen sie dann nicht oder nur noch eingeschränkt zur Verfügung. Den vielen jüngeren Spielern bei uns merkte man dann hier und da die mangelnde Cleverness an. Die Konstanz fehlte. Einem schwachen 1:4 bei der SG Zewen folgte so etwa ein starkes 3:0 über Schweich II. 

 

Wie hat das durchaus anspruchsvoll-kritische Publikum im Tälchen auf die vielen Enttäuschungen in den vergangenen Monaten reagiert?

Natürlich wird nach Vorstellungen wie dem bereits besagten 1:4 in Zewen gemurrt. Enttäuschung kann ich schon nachvollziehen.  Da wird dann auch der Trainer in Frage gestellt und vieles in einem negativen Kontext gesehen. Läuft es dann mal wieder besser, sind die Leute aber auch schnell wieder versöhnt. Positiv wird schon registriert, dass hier wieder deutlich mehr Einheimische spielen. Somit ist auch mehr Identifikation zu spüren.

 

Wie war die Stimmung unmittelbar nach dem 0:1 im Entscheidungsspiel gegen Rascheid/Geisfeld, das den Abstieg bedeutete?

Es herrschte viel Ruhe vor. Zunächst hagelte es die Abgänge, es sah schon so aus, als könnten wir nur noch eine Mannschaft melden. Doch dann kam ein Aufschwung. Plötzlich lagen uns Zusagen von 28 Spielern und drei Tormännern vor.  Zudem hatten und haben wir viele tolle Menschen, die sich für den SV Krettnach engagieren ? unabhängig von der Liga. Hier nenne ich nur mal unsere Betreuerin Sabine Karl oder aus dem Vorstand Ralph Werner und Ralf Groß.

 

Was dürfen die Krettnach-Anhänger vom weiteren Saisonverlauf erwarten?

Ab dem ersten Vorbereitungstraining am 2. Februar will ich die Jungs auf die bevorstehenden Aufgaben einschwören und sie fit für den Schlussspurt machen. Primär geht es für uns darum, den Klassenverbleib zu schaffen. Dem ersten Spiel im neuen Jahr am Samstag, 14. März, bei uns in Niedermennig gegen den Vorletzten SSG Mariahof kommt da schon eine ganz enorme Bedeutung zu. Egal in welcher Besetzung: Hier müssen drei Punkte her. Ich hoffe, auch wieder auf zuletzt berufs-/studienbedingt fehlende Jungs wie Markus Rau oder Dominik Gerhards zurück greifen zu können. Ein paar Spiele mal in etwa in der gleichen Besetzung spielen zu können, wäre sehr wichtig.

 

Fehlzeiten aus schulischen Gründen, studien- oder berufsbedingt oder aus wichtigen familiären Aspekten heraus sind das Eine. Immer öfter lassen Spieler aber heutzutage auch mal ein Training oder eine Partie wegen vermeintlich nichtigen Anlässen sausen? Bringt Sie als erfahrenen Coach das nicht manchmal zur Weißglut?

Auch ich hatte schon Fälle, wo sich Spieler lieber ein Fußball-Bundesligaspiel oder die TBB Trier angeschaut haben, als bei uns zu spielen. Gut finde ich das auch nicht unbedingt. Man darf das aber auch nicht immer allzu streng sehen. Die Reize auf die Jungs sind doch vielfach enorm. Es gibt mittlerweile viele Veranstaltungen, die eine enorme Strahlkraft haben. Viele langjährige Trainer haben irgendwann gesagt, dass sie mit so was nicht klar kommen und haben inzwischen aufgehört. Ich bin die ganzen Jahre immer mitgegangen und versuche, Verständnis für die veränderten Mentalitäten aufzubringen.

 

 Sie wollen also dem SV Krettnach über die Saison hinaus erhalten bleiben?

Ich  bin im Herbst 2008 hierhin gekommen, da stand  Krettnach ganz unten in der Bezirksliga-Tabelle. Danach hatten wir viele schöne Momente, wären 2011 ja auch fast in die Rheinlandliga aufgestiegen, ehe es uns im vergangenen Jahr erwischt hat. Mein Ziel ist es, zurück zu kommen in die Bezirksliga ? natürlich nicht mehr in diesem Jahr, aber mittelfristig. So lange das Positive überwiegt und ich an die Jungs heran komme, macht es weiterhin Spaß. Ob ich hier im Tälchen bleibe, muss der Verein entscheiden. Spieler und Vorstand und ich: Wir sollten zu gegebener Zeit vernünftig darüber sprechen wie es weiter geht.

 

Salmrohr, Wittlich, Prüm, Mettlach?: Was ist von all´ diesen Stationen, die seinerzeit dritt- oder viertklassig angesiedelt waren, bei Ihnen hängen geblieben`?

Das waren tolle Zeiten mit vielen erfolgreichen Saisons. Ich habe immer versucht, menschlich mit den Spielern umzugehen. Wenn man dann heute seine damaligen Schützlinge sieht und einen 90 bis 95 Prozent freundlich grüßen, hat man auch von dieser Warte aus vieles richtig gemacht. Einige Märchen halten sich aber immer noch?

Und zwar?

Ich sei 1992 von Horst Brand und Paul Linz in Salmrohr abgesägt worden als Trainer. Das ist Quatsch. Schon vor der Aufstiegsrunde mit Wuppertal und Münster war mit den beiden und Präsident Peter Rauen besprochen, das ich im Falle des Aufstiegs mit Paul Linz ein Trainergespann bilde ? und in der Regionalliga aufhöre, um einem Neuanfang nicht im Wege zu stehen.

 

Wie sehen Sie derzeit die Region fußballerisch aufgestellt?

Um den heimischen Talenten noch mehr Motivation und Anschauungsmöglichkeiten hier vor Ort zu bieten, wäre es natürlich schön, wenn Eintracht Trier in der Dritten Liga spielen würde und Salmrohr Regionalligist wäre.  Die Klubs sind aber finanziell am Limit. Für beide ist es momentan ganz, ganz schwer, ihre aktuellen Ligen nach oben zu verlassen. Geld, um starke Leute von außerhalb zu holen, ist nicht da. Es geht eigentlich nur über den eigenen Nachwuchs.

Das Interview führte Andreas Arens

 

Foto: Archiv/Willems

 

 

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.