Petra Kohns-Merges: Eine Künstlerin sieht Rot

Farschweiler. Die rote Arbeitshose mit bunten Farbklecksen, das markante rote Brillengestell, rot lackierte Fingernägel. Es sind nicht nur die augenfälligen Details, die Petra Kohns-Merges Affinität zur Farbe Rot erkennen lassen. Die Farbe ist mehr als reine Reflexion des Lichts bei einer Wellenlänge um die 650 Nanometer. Für die Künstlerin ist das Spektrum des Kolorits nicht nur objektive Wahrnehmung mit zugeschriebenen Eigenschaften, es löst zudem individuelle Empfindungen aus. Rot nimmt somit emotionale Dimensionen an.

"Rot war schon immer meine Farbe. Von all ihren Facetten und Etiketten fühlte ich mich angezogen", sagt Kohns-Merges. Doch verlief dieser rote Faden nicht von Anfang an als Hauptidee durch ihre Bilder. Er schien nahezu verknotet. "Irgendwann fiel mir auf, dass ich meiner Lebensfarbe kaum Raum in der Malerei ließ." Gut möglich, dass das viele Rot in ihrem Umfeld einen Grund für die unbewusst dezente Zurückhaltung darstellte. Der Knoten lockerte sich sichtbar in ihrer aktuellen Serie, die regelrecht vor Atmosphäre glüht.

Lebendige Werke

Ausstrahlung durch Struktur gibt Kohns-Merges ebenso einem Bild der roten Serie. Auf der Leinwand im Format von 70 mal 90 Zentimetern sind ungefähr 30 Schichten Acrylfarbe aufgetragen. In Tropfen lagern sich rund anderthalb Liter ausdrucksstarker roter Nuancen mehr oder weniger zufällig im Verlauf an. Dieses Werk lebt und ist aus sich heraus gewachsen. Der Künstlerin Bilder profitieren größtenteils von experimenteller Spontaneität ohne strikte Regeln. Etwas anders hält es sich in den vorangegangenen Reihen. Seien es Akte aus ungewohnten Blickwinkeln oder Zeichnungen mit dünnem Faserschreiber und Tusche. Die Werke sprühen unverblümt vor Vitalität.

Im Sog der Emotionen

Wenn beim Betrachten der Werke subjektiv empfundene Emotionen ausgelöst werden, ist für die 48-Jährige ein Punkt der Zufriedenheit erreicht. Die auf den ersten Blick unkontrollierten Pinselstriche formen sich bei längerer Auseinandersetzung zu einem Abbild tiefer Melancholie oder purer Lebensfreude. Ein Gefühl, welches den Betrachter mitten ins Bild integriert und ihn Teil des Ganzen werden lässt. Im Kopf beginnt eine absurde Entdeckungsreise. Bei Kohns-Merges sogar auch im Traum. So fragte sich die leidenschaftliche Motorradfahrerin einst: "Was macht der Hase in meinem Traum?" Eine Vorstellung, die niemals schlief. Sie brachte das Ungreifbare auf das feste Gewebe der Leinwand.

Bilder suchen sich ihren Besitzer

Es gibt keine vorgegebene Interpretation zu wählen, es gilt eine persönliche zu generieren. "Bilder suchen sich ihren Besitzer. Es wird genau denjenigen ansprechen, für den es bestimmt ist", sagt die Künstlerin. Motive entfalten sich nicht, nur weil es eben solche sind, sondern weil sie zu Gemälden werden. Im Auge ihres Gegenübers. Es bleibt stets eine Frage der individuellen Wahrnehmung und des Bewusstseins ? worauf es sich richtet und wohin es gerade tendiert. Je nach Gemütslage können sich die unsichtbaren persönlichen Eindrücke ändern oder gar intensivieren. Die Maßstäbe zur Kunst legt der Betrachter selbst.

Kurzes Intermezzo in der Tufa

In der Zeit vom 15. bis 22. Juni findet in der Trierer Tufa eine Gemeinschaftsausstellung statt. Ehemalige Teilnehmer des Projektstudiums an der Europäischen Kunstakademie erlauben Blicke auf ihre Werke. Einige Exponate von Kohns-Merges können dort ebenso vis-à-vis erlebt werden. In Rot.

 

Weitere Impressionen und Informationen zu Petra Kohns-Merges sind auf ihrer Website www.kunst-pekome.de zu finden. RP

Fotos: Pick/FF

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