Ackermann: Unter dieses Thema keinen Schlussstrich ziehen

Stadt Trier. Fünf Jahre ist es jetzt her, dass die ersten Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche öffentlich wurden und eine breite Debatte ausgelöst haben. In diesen fünf Jahren hat die Kirche versucht die Fälle aufzuarbeiten und weitere sexuelle Gewalt durch Prävention zu verhindern. Abgeschlossen ist die Arbeit nicht. Der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann informierte bei einem Pressegespräch heute über den Stand der Dinge.

Fast auf den Tag genau vor fünf Jahren brachte der Jesuitenpater Klaus Merten mit einem Brief an die ehemaligen Schüler des Berliner Canisius-Kollegs einen Stein ins Rollen, der die katholische Kirche zutiefst erschütterte und eine breite gesellschaftliche Diskussion auslöste. Die katholische Kirche reagierte, versuchte die Fälle aufzuarbeiten, Strukturen zu ändern, weitere Übergriffe zu verhindern. "Die Arbeit ist nicht abgeschlossen, der Weg geht weiter. Wir können unter diese Thematik keinen Schlussstrich ziehen", sagte Bischof Ackermann, der auch der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz ist.

Aufarbeiten und Konfronation

Die erste Phase habe aus Auswertung und Aufarbeitung bestanden. Dabei seien Betroffene ermutigt worden, sich zu melden ? etwa durch eine eigens eingerichtete Hotline. Beschuldigte seien konfrontiert worden. Zudem seien kirchliche Strafverfahren eingeleitet worden. (Anm.: Viele der Taten liegen mehrere Jahrzehnte zurück, aufgrund der Verjährungsfrist hat der Staat keine Anklagen gegen die mutmaßliche Täter erhoben). Für das Bistum Trier bedeute dies in Zahlen (Stand 31. Dezember 2014): 114 Betroffene haben sich in den vergangenen fünf Jahren gemeldet. Beschuldigt wurden 37 bereits verstorbene Priester  sowie 30 noch lebende. 21 dieser Verfahren wurden abgeschlossen, neun sind noch offen. Das Strafmaß ist dabei unterschiedlich und abhängig von der Schwere der Tat. Das Strafmaß geht über ein lebenslanges Verbot für die Arbeit mit Kinder- und Jugendlichen in einer Pfarrei bis hin zur Entlassung aus dem Kleriker-Stand. 83 Anträge auf finanzielle Entschädigung wurden gestellt, 79 bewilligt. Insgesamt erhielten die Betroffenen bisher rund 400.000 Euro, die nicht aus der Kirchensteuer stammen. 2010 hat die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) zudem  "Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger"  vorgestellt, 2013 noch einmal überarbeitet.

Phase der Prävention

Mit der Aufarbeitung habe auch die Phase der Prävention begonnen. "Dabei geht es nicht um etwas, das man abschließen kann", erklärte Dr. Andreas Zimmer, Leiter des Arbeitsbereichs Beratungsdienste im Bistum. Routinen müssten entwickelt werden, die regelmäßig überprüft würden. Seit dem Jahr 2011 sind im Bistum Trier 2.276 Mitarbeiter geschult worden. Jede Einrichtung muss zudem ein auf sie zugeschnittenes Schutzkonzept entwerfen und zertifizieren lassen. Neben dem Qualiätsmanagement müsse eine "Kultur der Achtsamkeit" entwickelt werden ? nicht nur im kirchlichen Bereich. "Ziel ist es, dass die Mitarbeitenden selbst Kinder- und Jugendschützer sein können", erklärte Zimmer, in allen Bereichen des Lebens. Denn Kinder- und Jugendschutz sowie die Stärkung von Kinderrechten, sagte Ackermann, "gehören zu einem wichtigen Raum von Kirche". "Missbrauch" sei mittlerweile ein etabliertes Standardthema geworden, so Zimmer. Dies sei ein "wesentlicher Gewinn". Mit mehr Wissen gebe es aber mehr Fragen. Daher gehe es nun darum, zu evaluieren, sich weiter zu vernetzen und auch einen Blick auf neue Gefahren zu haben, wie sie sich etwa durch das Internet entwickelten. Auf einer Konferenz im November wolle man sich daher mit Kirchenvertretern aus anderen eurpäischen Ländern über Erfahrungen auf diesem Gebiet austauschen.

 

Forschungsprojekt

Bischof Ackermann wies zudem auf das Forschungsprojekt der DBK hin zum Thema "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen". Darin sollen einheitliche Kriterien entwickelt werden, um die Datenlage zu vergleichen. Interviews mit Betroffenen und Tätern werden ausgewertet, Institutionen verglichen, sowie Präventionsaspekte aufgeführt. Zudem werden Personalakten ausgewertet und Berichte aus anderen Ländern eingebracht. Das Forschungsprojekt soll Ende 2017 seinen Abschluss finden.

 

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