ATK-Gala: Rauschender Karnevalsauftakt in Trier (mit Video)

Alfons Schuhbeck erhält Kaiser Augustus-Orden

Stadt Trier. Mit der Inthronisation des Trierer Stadtprinzenpaares Harald III. und Marion II. sowie der Verleihung des Kaiser-Augustus-Ordens an Promi-Koch Alfons Schuhbeck starteten die Trierer Karnevalisten am Samstagabend auf der traditionellen Gala der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK) in der vollbesetzten Europahalle in die neue Session. Zahlreiche Garde- und Showtänze - allesamt auf beeindruckend hohem Niveau - sowie Live Bands wie Kamelle Kapelle, Kölsche Jungs und die Leiendecker Bloas sorgten in der fünfstündigen Veranstaltung für teils ausgelassene Stimmung im Saal. Die Laudatio auf Ordensträger Alfons Schuhbeck hielt der Ordensträger des Vorjahres der bekannte Fernsehmoderator Johannes B.Kerner. Das mit dem Orden verbundene Preisgeld in Höhe von 5.555,55 Euro wurde von der Volksbank Trier gesponsert. (Fin)

Von Hanns-Wilhem Grobe

Rund 200 Aktive auf der Bühne, vor und hinter den Kulissen – sie alle sorgten für eine denkwürdige ATK-Gala 2020 am Samstag in der Europahalle. Mehrfach brodelte die Stimmungssuppe in der seit Wochen ausverkauften Narhalla. Sehr zur Freude des diesjährigen Preisträgers des Kaiser-Augustus-Ordens, dem Koch, Gastwirt und Fernsehkoch Alfons Schuhbeck aus München. Bis allerdings sein Spendenscheck „serviert“ wurde, dauerte es bis nach Mitternacht. Doch das Warten lohnte sich. Nicht nur wegen eines gepfefferten Plädoyers für Demokratie und Zusammenhalt in der Gesellschaft von Vorjahrespreisträger Johannes B. Kerner. Sondern auch, weil die 17 Mitgliedsvereine der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval zeigen: Das Programm-Menü ist und bleibt vielfältig, schmackhaft und bietet jedem etwas.

Gekonnt werden die Besucher der ATK-Gala seit 2012 durch Andreas Peters, Präsident der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval und seinem Vize Stefan Feltes durch das Programm geführt. Zu den Ehrengästen in diesem Jahr gehörten unter anderem die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer und Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe. Und erstmals konnten sich die Moderatoren des Abends auch über den Besuch von Bürgermeisterin Elvira Garbes und des gesamten Trierer Stadtvorstands in der Europahalle freuen.

Der heimliche Neujahrsempfang für Trier wurde von Peters und Feltes mit bedenkenswerten Worten und Wünschen eingeleitet. Sie wünschten den Verantwortlichen auch in der „großen Politik“ und über die Grenzen Triers hinaus gerade in der jetzigen Zeit „ein glückliches Händchen“, „das richtige zu tun“ und „Kompromisse zu finden“.

Traditionsgemäß wird die ATK-Gala vom Auftritt einer Kindergarde eröffnet. Damit würdigt die ATK die Bedeutung des karnevalistischen und tänzerischen Nachwuchses in den eigenen Reihen. Dieses Mal von 18 jungen Tänzerinnen und Tänzer der KG Rot-Weiß Ehrang im Alter zwischen sechs und 13 Jahren. Sie hatten sich Elemente und Musik („Bist wie ein Regenbogen mit all seinen Farben“) des Films „Trolls“ ausgesucht. Aus besonderem Anlass folgte darauf der ebenso gekonnte und gut eingeübte Auftritt einer weiteren Kindergarde: ein Tanz der Kindergarde der KG Trier Süd. Es dürfte trotz mehrmonatigen Probens wohl einer der wenigen oder sogar der einzige öffentliche Auftritt von ihnen gewesen sein. Denn die eigentliche Narhalla der KG Trier?Süd, die Halle am Bach, kann in dieser Session wegen fehlender Genehmigungen nicht genutzt werden. Freundlich, aber deutlich die Kritik von Peters und Feltes und mit beifälligem Raunen im Publikum unterstrichen: Weil die Erwachsenen es „verbockt“ hätten, daß die richtigen Menschen zur richtigen Zeit die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Die Waldracher Karnevalisten hätten gerade noch „die Kurve bekommen“ und die Zewener hätten wohl langfristig eine Lösung gefunden. Nur für die Halle am Bach gebe es für die aktuelle Session keinen Ersatz. Peters und Feltes luden die Mitgliedsvereine ein, die Aktiven der KG Trier?Süd zu deren Sitzungen einzuladen und auftreten zu lassen, damit deren Probenarbeit nicht umsonst gewesen sei. Anders als bei Erwachsenen bedeute gerade für Kinder ein Jahr eine halbe Ewigkeit.

Nach soviel Kinder-Power hatte es Solistin Monika Urbanek nicht leicht, zusammen mit Werner Krames (Keyboard) musikalisch zu den weiteren Höhepunkten des Abends überzuleiten. Dazu gehörte beispielsweise ein sagenhafter Schautanz und Auftritt mit zehn Tänzern der „Wieweler“.

Mit nach Trier „eingeflogen“ hatte Kerner den früheren Air Berlin-Chef Achim Hunold, seinerseits Träger 2007 des Ordens "Wider den tierischen Ernst". des Aachener Karnevals-Vereins. Dem dürfte die Mischung aus klassischem Gardetanz, seiner Abwandlung mit  Showtanzlementen, Mallorca-Ballermann-Anleihen und Cover-Versionen von einigen Kölle-Alaaf-Ohrwürmern von gleich zwei Bands („Kamelle Kapelle“ aus Bitburg schon mehrfach dabei; und „Kölsche Jungs“ aus Osburg (erstmals) aus der Region durchaus gefallen haben.

Doch die Trierer Urgesteine in der Leiendecker Bloas mit Front-Mann Helmut Leiendecker können mit importierter rheinischer „Stimmungs-Mucke“ mehr als mithalten. Und halten die Fahne hoch: Gekonnt gemachter Karneval , Musik und regional zugeschnittene Titel mit eigenen Texten und heimischer Mundart stehen nach wie vor hoch im Kurs beim Publikum und kennen keine Altersgrenzen.

Das deckt sich auch mit dem Motto und Anspruch des neuen  Stadtprinzenpaars. Bereits am 11. November wurden Prinz Harald III. von den Bobinet-Coworking-Places und Prinzessin Marion II. von Estrich und Fliesenbau Silano der Öffentlichkeit vorgestellt mit dem Start in die närrische Session 2019/2020. Man merkte bei der launigen Inthronisation fast ohne Spickzettel, mit umgetextetem Prinzenpaar-Lied - "Wir feiern hier im schönen Trier" (Melodie: "Amarillo") - und ohne Lampenfieber vor dem Galapublikum: Die beiden kennen sich schon lange „und deshalb verschieben sich die nachfolgenden Sendunge..." . Zum Beispiel moderieren sie zusammen seit 18 Jahren die Damensitzung ihres Heimatvereins. Ihr gemeinsamer Wunsch angesichts der aktuellen Weltnachrichten von Krisen, Kriegen, Katastrophen und Bränden: Friedliche goldene zwanziger Jahre in diesem Jahrtausend. Und damit nicht genug. Beiden ist auch wichtig: „Ballermann und Karneval haben nichts mit einander zu tun“: Daher ihr Appell an Veranstalter und Gastronomen: „Eine gute Mischung muss her“.

Oberbürgermeister Wolfram Leibe gratulierte dem Prinzenpaar und stimmte ein dreifaches Helau an, auf die ATK und „die schönste Stadt der Welt“.

Den passenden Rahmen für die offizielle Amtseinführung bildete der musikalische Auftritt der Stadtgarde Augusta Treverorum mit 105 Personen auf der Bühne. Zum Zeremoniell gehört auch das Abschreiten der Formation zu den Klängen des Präsentiermarsches.

Zuvor hatte schon das Tanzcorps der Stadtgarde mit 56 Tänzerinnen und Tänzern eindrucksvoll vom jüngsten Nachwuchs bis gefühlten 50 Jahre alten Tänzern gezeigt, dass sie die älteste Stadt Deutschlands auch auf der Showbühne bestens repräsentieren.

Ein Solistenmedley von  „Rote Zora und ihre Bande“ mit neun Tänzerinnen und Tänzern ist eine der festen Größen bei der ATK-Gala. Eingeleitet mit einem sehenswerten Video: Man holte sich gegenseitig zu Hause ab. Auf der Bühne der Europahalle wurde dann musikalisch das Thema „Helden der Kindheit“ gestaltet: Zum Beispiel „Löwenzahn“ oder „Der rosarote Panther“. Das Versprechen: Ich komm wieder, keine Frage!

Nach 2019 ein weiteres Mal dabei: Das "Chaosteam“ „vom Don-Bosco-Jugendwerk. Tanzend gingen die 13 Matrosinnen in der Europahalle vor Anker mit bekannten Titeln wie „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ oder „Seemann, lass uns träumen“. Trainiert übrigens von Stadtprinzessin Marion II.

Um Mitternacht leitete der perfekt durch choreographierte Gardetanz der 24 Goldenen Kooben zum für viele lang erwarteten Höhepunkt über: die 27. Verleihung des Kaiser-Augustus-Ordens. In diesem Jahr erhält ihn Alfons Schuhbeck für seine wohltätige Arbeit. Insbesondere für Kinder setzt er sich besonders ein. Nach seinen Worten soll das Preisgeld von 5555,55 Euro, gestiftet von der Volksbank Trier, vor allem Kindern mit Hautkrankheiten zugute kommen. Jedes vierte Kind habe mit der Haut Probleme. Krankenkassen würden die Behandlung oft nur zum Teil oder gar nicht erstatten. Daneben will Schuhbeck das Ordensgeld und auch seine Bekanntheit einsetzen, damit hier mehr geforscht und Linderung oder sogar Heilung möglich werden kann.

Schuhbeck ist das erste Mal in Trier. Nun verstehe er, warum die Römer nach Trier kamen. Ein großes Kompliment von ihm:“ Ihr habt eine tolle Stadt, Oberbürgermeister und Ministerpräsidentin“. Die Trierer rief er dazu auf, die von den Römern gegründete Stadt am Leben zu erhalten: „Ihr seid´s und macht´s Trier“.

Oft als „Ingwer-Papst“ etwas belächelt, ging Schuhbeck auch darauf am frühen Sonntagmorgen ein: 99850 Jahre waren Gewürze die reine Medizin. Pharmazie gebe es erst seit 150 Jahren. Viel Wissen sei verloren gegangen und gelte es wieder zu entdecken. Mit 70 sei er jetzt „in der Jugend des Alters“. Ab 90 könne man ja über einen Halbtagsjob nachdenken.

Der Träger des Kaiser-Augustus-Ordens 2019, Johannes B. Kerner, hatte die Lobrede auf den aktuellen Preisträger mit einem besonderen Lob an das Festprogramm, an alle Mitwirkenden und die ATK begonnen: Der Abend sei ein außergewöhnliches Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt, für Mitmenschlichkeit, Solidarität und bringe Menschen verschiedenen Alters, Herkunft und Meinungen   zusammen. In sein Lob schloss er auch den Trierer Oberbürgermeister und die Ministerpräsidentin mit ein. Das sei ein Job, der nicht immer vergnügungssteuerpflichtig ist. „Ihr alle seid die breite Mitte der Gesellschaft, die das zusammenhält! Lasst euch das Land nicht aus den Händen nehmen!“ Man liege bei denen verkehrt, die einen „an die rechte Hand nehmen wollen“.

An Alfons Schuhbeck schätzt Kerner dessen Ehrlichkeit und Verlässlichkeit. Trotz eines gefühlten 40-Stundentages vergesse Schuhbeck nicht die Not anderer. Zum Beispiel die der Kinder. Er habe ein großes Herz für alle und sei ein würdiger Träger des Kaiser-Augustus-Ordens 2020. Die Formation Viva la vada ließ die Gala musikalisch ausklingen. Den ganzen Abend begleitet wurde die Veranstaltung von der Bigband „Swing Unit“ unter der musikalischen Leitung von Bernhard Nink.

Für ausgelassene Stimmung bei der abschließenden After-Show-Party im Foyer der Europahalle sorgte D-Jane und Moderatorin "rent a sunshine" Sonja Storz, die mit ihrer Musikauswahl die tanzfreudigen Galagäste bis in die frühen Morgenstunden bestens unterhielt. Viele Nachteulen kamen erst so spät nach Hause, dass sie eigentlich gleich weiter ziehen konnten zum Neujahrsempfang der SPD gleich in der Nachbarschaft der Europahalle, in den Viehmarktthermen.

Text: Hanns-Wilhelm Grobe

 

Notizen von der ATK-Gala 2020:

- Das gut viereinhalbstündige offizielle Programm schien den Traunsteiner Oberbayern Schuhbeck, südlich des Weißwurst-Äquators und fern von München und nah bei Viez, Flieten und Teerdich so einzunehmen, dass ein strahlend-charmanter 27. Ordensträger Schuhbeck gerne Ehrungen und die Lobrede seines Freundes Johannes B. Kerner strahlend in Empfang nahm. Geschützt und eskortiert von der Römergarde.

- Närrisch eingestimmt worden war Schuhbeck am Samstag mit einem praktischen Besuch der Römerstadt Trier, der in diesem Jahr 1850 Jahre alten Porta Nigra und mit der aktuellen Faschingsausstellung im Trierer Stadtmuseum Simeonstift unter dem Motto „Die Welt steht Kopf. Eine Kulturgeschichte des Karnevals“.

- Statt Sekt, Blumen oder anderen Geschenken bei ihren Auftritten in der Öffentlichkeit oder bei Sitzungen der befreundeten Vereine wünscht sich das neue Stadtprinzenpaar ausdrücklich Geldspenden. Laut Prinzessin Marion II. sollen damit gezielt älteren Menschen und Rentnern ein paar schöne Stunden an ihrem Lebensabend beschert werden. Dafür soll ein eigenes Konto eingerichtet werden, die Nummer wird in Kürze auf der Internetseite des Prinzenpaars veröffentlicht: www.prinzenpaar-trier-2020.de) Man könne die Welt zwar nicht verändern, aber für einen Tag schöner und bunter machen.

- Die Schatztruhe mit den Prinzenpaar-Orden ist ein glitzernder Augenschmaus. Der viel belachte Kommentar von Prinz Harald: „Das Ordenskistchen ist dritte Klasse Grundschule Handarbeiten“.

- Nach 15 Jahren wird sich Wolfgang Heles als Kommandant der Stadtgarde Augusta Treverorum 1977 verabschieden. Das Publikum gab stehend Beifall, was mehr als ein Tränchen beim Geehrten fließen ließ. Heles betonte, dass die Garde als Traditionscorps das ganze Jahr über aktiv sei und nicht nur beim Karneval auftrete. Er ist über 40 Jahre im Verein tätig.

- Fast wäre es ein wenig untergegangen: Die Leiendecker Bloas kann sich über 33-jähriges Bühnenjubiläum freuen. Die Mischung aus bekannten Melodien, neu zusammengefügt und mit dem nötigen Spritzer Lokalkolorit, Augenzwinkern und unverkennbarem Arrangement reißt nicht nur beim Altstadtfest, sondern auch bei der ATK-Gala jung und alt mit und spätestens dann von den Stühlen. Kein Wunder, dass Helmut Ehrenmitglied der ATK ist.

- Karnevalshit des Abends war eindeutig "Cordule Grün" (die Draufgänger), der nicht nur von "Kamelle Kapelle" und den "Kölsche Jungs" interpretiert wurde, sondern auch noch als Showtanzhit und bei der After-Show-Party lief.

- Ein stattlicher rosa Pömps (Fußgröße unter 46) schmückt das Zepter und den Prinzenstab des aktuellen Stadtprinzen Harald. Die angebrachten Glöckchen repräsentieren die Mitgliedsvereine der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval. Vorgestellt wurde bei der Gala der ATK?Pin 2020. Die Anstecknadel kostet drei Euro. Mit dem Verkauf soll der Straßenkarneval in Trier unterstützt werden. Man wolle weiter den Weiberdonnerstag und auch den Rosenmontagsumzug für alle kostenfrei gestalten. Gesucht wird auch noch ein Sponsor für die Finanzierung der Faschingsorden. Erste Orden werden auf dem Neujahrsempfang der ATK am Mittwoch vergeben. (hwg)

Fotos: Schwarz/Finkenberg/Video: Finkenberg

 

 

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