Aus für Moselaufstieg und Nordumfahrung Trier

Stadt Trier. Die Landesregierung will die Autobahn 1 zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen in der Eifel zu Ende bauen. Die Nord- (Meulenwald-Autobahn) und Westumfahrung (Moselaufstieg) der Stadt Trier dagegen werden nicht für den Bundesverkehrswegeplan 2015 bis 2025 angemeldet. Die Meinungen dazu gehen auseinander.

Mit der Entscheidung der Landesregierung würden Stadt und Landkreis verkehrspolitisch aufs Abstellgleis geschoben, äußerte sich der CDU-Landtagsabgeordnete Bernhard Henter. Trier und die gesamte Region benötigten den Moselaufstieg für die alltäglichen Pendlerströme nach und von Luxemburg sowie für die verkehrsmäßige Erschließung der Region Saarburg-Konz und der Gewerbegebiete in Euren und Trier-West. »Wir brauchen sowohl den Moselaufstieg als auch die Nordumfahrung zur verkehrsmäßigen Entlastung und Vermeidung von Staus im Trierer Tal und für die Bürger der Stadt, die durch den starken Durchgangsverkehr übermäßig den Immissionen ausgesetzt sind«, so Henter.

Entscheidung im Widerspruch zu Verkehrsprognosen

Die Entscheidung stehe im Widerspruch zu den Verkehrsprognosen für die Region, argumentierte der Trierer CDU-Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster: »Alle bisherigen Gutachten belegen die Notwendigkeit von West- und Nordumfahrung.« Vor allem vermisse man die zwingend notwendige Berücksichtigung Luxemburgs an der Entscheidung, so Kaster. Landrat Günther Schartz kritisierte, das Land verstoße damit gegen den eigenen Koalitionsvertrag. »Dort ist angekündigt, wichtige Entscheidungen unter Einbindung der Bevölkerung und in einem transparenten Verfahren zu fällen«, so Schartz. Zudem bleibe mit dem Aus für die Nordumfahrung die einzige Autobahnlücke zwischen Spanien und Nordeuropa dauerhaft bestehen. Schon jetzt sei die marode Ehranger Brücke an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt. »Die angekündigte Sanierung dieses Nadelöhrs wird deutlich machen, wie sensibel das ungenügende Verkehrsnetz um Trier herum auf eine solche Sperrung reagieren wird. Zudem bietet eine Sanierung keine Abhilfe für die jährlich zunehmenden Verkehrsströme.«

Freude bei den Grünen

Freude dagegen bei den Grünen: »Die Entscheidung, Moselaufstieg und Meulenwald-Autobahn fallen zu lassen, war längst überfällig. Endlich bekommen die Bahnverbindungen die Bedeutung, die ihnen zusteht«, so das Fazit der Kreisvorstände Trier-Stadt und Trier-Saarburg. Die Ertüchtigung von Bahnstrecken und Moselschleusen brächten Kreis und Stadt mehr als noch mehr Beton und Straßen. »Der Bau der zweiten Spur auf der Biewertal-Brücke verbessert den Verkehrsfluss und die Anbindung an den Trierer Hafen«, so Heide von Schütz vom Kreisverband.Die SPD-Fraktion Trier begrüßte den Beschluss ebenfalls. Dass Trier durch den Ausbau der Schienenverbindung in den Kölner Raum zusätzlich eine infrastrukturelle Aufwertung für den überregionalen Verkehr erfahre, sei ebenfalls positiv hervorzuheben, so der Fraktionsvorsitzende Sven Teuber.

Alternativen fehlen

Für Wilfried Ebel, Verkehrsexperte der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier, dagegen stellt die Entscheidung zur Nord- und Westumfahrung Trier eine »klare Watsche für Trier« dar. Vor allem fehle es an realistischen Alternativen. Dies gelte auch für den Wirtschaftsverkehr von und zu den Industrie- und Gewerbegebieten im Trierer Süden, die wegen der mangelhaften Verkehrsanbindung zunehmend unter Leerständen litten. »Wir dürfen uns nicht dauerhaft der Gelegenheit berauben, dort wirtschaftliches Wachstum zu generieren«, so IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Glockauer. Für Mittwoch, 19. Juni, um 19 Uhr, plant die IHK deshalb eine Verkehrskonferenz zum Thema mit Innenminister Roger Lewentz. red

Foto (Archiv): Mit dem Moselaufstieg-Aus dürften Staus von und nach Luxemburg an der Tagesordnung bleiben.

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